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THEATER: Schauspieler im Exil

Das Schauspielhaus Zürich bringt thematisch überzeugend zwei Abende zu Flüchtlingen auf die Bühne; beide koproduziert mit Berliner Theatern.
Tobias Gerosa
Sarah Hostettler in «Welches Jahr haben wir gerade?». (Bild: Raphael Hadad)

Sarah Hostettler in «Welches Jahr haben wir gerade?». (Bild: Raphael Hadad)

Tobias Gerosa

Nichts ist eindeutig in Afsane Ehsandars «Welches Jahr haben wir gerade?». Ein leises, kurzes und intensives Kammerspiel vom Deutschen Theater Berlin, das jetzt im Schauspielhaus Zürich in der Kammer unter dem Pfauen zu sehen ist. Alles scheint dagegen allzu klar im Projekt «Winterreise», welches das Schauspielhaus mit dem Berliner Maxim-Gorki-Theater produzierte.

Eine Winterreise ins «Dark Germany»

Die israelische Hausregisseurin des Maxim-Gorki-Theaters Yael Ronen hat dafür mit dem Exil-Ensemble gearbeitete, das sechs nach Deutschland geflüchtete Schauspieler aus Syrien, Palästina und Afghanistan am Gorki beschäftigt.

Die Grundidee ist vielversprechend: Was tun wir hier in Deutschland nun eigentlich? Die sechs Geflüchteten finden, ihr Schauspielerkollege Niels Bormann als durchaus clichierter Deutscher soll ihnen doch mal seine Welt und «Dark Germany» zeigen. Er nimmt sie mit auf eine Winterreise im Uhrzeigersinn von Berlin rund durch Deutschland bis nach Zürich. Die Reise geht erst nach Dresden, natürlich mitten in eine montägliche Pegida-Demo, dann ins Bilderbuchbayern, das sich dann allerdings aufs Fussballstadion beschränkt, wie Zürich einfach der Ort ist, wo Mazen Aljubbeh seine Fluchtgeschichte erzählt – oder die seiner Figur? Locker und meist witzig fügen sich die Szenen aneinander, auf dem dreiteiligen Screen hinten werden diese zusätzlich comicartig bebildert. Es geht um deutsche Themen wie offene Beziehungen, gut gemeinte, aber lächerlich wirkende Integrationsapps, Wagners Ring oder das KZ Buchenwald (dessen Architekt nach 1945 in Syrien Gefängnisse gebaut habe). Gemeinsam ist den Szenen ihr Schwanken zwischen kabarettistischer Überzeichnung und den dahinterliegenden Erfahrungen. Allerdings wiederholt sich dieses inhaltliche und formale Muster jetzt schon in mehreren Projekten Ronens zu verschiedenen Themen genau gleich.

Zwei Figuren, drei Darsteller und ein Kassettenrekorder

Da fordert das stille Stück «Welches Jahr haben wir gerade?» der iranisch-deutschen Afsane Ehsandar in Mélanie Hubers ebenso konzentrierter Inszenierung mehr vom Publikum. Und setzt deutlich mehr in Gang, auch wenn es mit 45 Minuten Spieldauer eine Stunde weniger lang dauert als die «Winterreise». Wo der Text einen Mann und eine Frau vorsieht, stellt Huber zwei Frauen und einen Mann in ein leeres Schwimmbecken und lässt sie nicht nur singen, sondern immer wieder Texte aus dem Lautsprecher des Kassettengeräts kommen: eine rätselhafte Verteilung, die die Ohren spitzen lässt und auf die zahlreichen Bruchstellen des Textes hinweist. Er beginnt mit einem scheinbar harmlosen Spaziergang, macht den Boden aber immer schwankender.

Es geht um Flucht, um totale Verunsicherung und darum, dass den Figuren dabei ihre eigne Geschichte abhandenzukommen scheint: Was ist Albtraum, Trauma, was war real? Wie Sarah Gailer und Sarah Hostettler ganz bei sich und doch eine Figur bilden, ist beiden Darstellerinnen wie der Regie hoch anzurechnen.

«Welches Jahr haben wir gerade?» noch bis 15. Oktober, Pfauen/Kammer, Zürich

«Winterreise» noch bis 2. Oktober, Pfauen, Zürich

www.schauspielhaus.ch

Das Exil-Ensemble aus geflüchteten Schauspielern. (Bild: Ute Langkafel)

Das Exil-Ensemble aus geflüchteten Schauspielern. (Bild: Ute Langkafel)

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