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THEATER: Über die Arbeit sprechen sie beim Bier

Unter der Intendanz von Benedikt von Peter leiten Kathleen McNurney weiterhin den Tanz und Peter Klemm die Technik am Luzerner Theater: ein auch privater Rück- und Ausblick.
Urs Mattenberger
Trennen als Paar Privates und Arbeit: Peter Klemm, technischer Leiter, und Kathleen McNurney, Leiterin Tanz am Luzerner Theater (im Hintergrund die Kuppel aus «Dantons Tod»). (Bild Corinne Glanzmann)

Trennen als Paar Privates und Arbeit: Peter Klemm, technischer Leiter, und Kathleen McNurney, Leiterin Tanz am Luzerner Theater (im Hintergrund die Kuppel aus «Dantons Tod»). (Bild Corinne Glanzmann)

Urs Mattenberger

Kathleen McNurney, Peter Klemm, kommt man sich im kleinen Luzerner Theater nicht zu nahe, wenn man wie Sie beide auch privat ein Paar ist?

Kathleen McNurney: Nein, das Private und die Arbeit trennen wir ohnehin strikt. Wir mussten das zwangsläufig lernen. Anfangs kam es schon vor, dass wir zu Hause auch über die Arbeit gesprochen haben. Aber wir stellten rasch fest, dass wir diese Vermischung von Privat und Beruf, besonders mit unseren unregelmässigen Arbeitszeiten, verhindern müssen. Um den Privatbereich zu schützen, mussten wir uns Regeln auferlegen.

Wie sieht eine solche Regel aus?

McNurney: Wir haben es uns verboten, zu Hause über die Arbeit sprechen. Wir haben zwischen Arbeitsplatz und zu Hause eine quasi neutrale Zone etabliert, wo wir, zum Beispiel bei einem Bier, Berufliches diskutieren und austauschen. So kann man auch mögliche Konflikte umschiffen. Als ich nach einer Vorstellung spät nach Hause kam und mich aufregte, weil etwas auf der Bühne nicht geklappt hatte, merkte ich: Ups, das ist ja Peters Zuständigkeitsbereich. Und für ihn war der Arbeitstag da schon längst zu Ende.

Peter Klemm: Aber es gibt auch Regeln, die das Private aus dem Betrieb heraushalten. Vertrauliche Informationen wie die Höhe der Ausstattungsbudgets kennt Kathleen nur für ihre Tanzproduktionen (lacht). Und wenn sie an der Bühne etwas auszusetzen hat, schreibt sie wie andere einen Rapport. Das sind schon skurrile Situationen, weil sie mich nicht darauf anspricht, aber weiss, dass ich das am nächsten Tag auf dem Schreibtisch habe.

Also ist für Sie beide das Luzerner Theater gar nicht so familiär?

Klemm: Aus persönlicher Perspektive ist es das nicht. Aber für die Teams, die hier am Luzerner Theater arbeiten, gilt das auf jeden Fall. Man kennt sich viel persönlicher als an einem grossen Haus. Das macht alle Wege, auch die organisatorischen, kürzer und kommt auch den künstlerischen Prozessen zugute.

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen dem technischen Direktor und der Tanzchefin konkret aus?

Klemm: Grundsätzlich gleich wie mit andern Spartenchefs. Ich bin hauptsächlich in der Planungs- und Konzeptphase in engerem Kontakt. Später erfolgt die Zusammenarbeit direkt mit den Fachabteilungen. Wir arbeiten aus verschiedenen Perspektiven: Als Leiterin einer künstlerischen Sparte übernimmt Kathleen für jede Vorstellung eine Qualitätssicherung und muss gegenüber der Technik auch mal pingelig sein, besonders, wenn sich Routine einzuschleichen droht. Ich fühle mich eher verpflichtet, die Dienstleistungen der Technik allen drei Sparten gleichwertig zukommen zu lassen.

Aktuell läuft der Tanzabend «Bolero plus 2» am Theater. Können Sie an diesem Beispiel sagen, in welcher Phase Technik und künstlerische Leitung intensiv miteinander zu tun haben?

Klemm: Für mich ist ein entscheidender Moment die Bauprobe. Bei dieser werden erstmals die Elemente des Bühnenbildes auf der Bühne mit einfachen Mitteln nachgestellt. Hier wird gemeinsam diskutiert, ob das funktioniert, bezahlbar ist, und ob es Anpassungen braucht, bevor das Bühnenbild in die Produktion geht. Später bin ich direkt involviert, wenn es um Sicherheitsaspekte geht oder wenn Zusatzwünsche bezahlt werden sollen.

McNurney: Die Bauprobe ist auch ein wichtiger Moment, weil man da sieht, welche Bereiche der Bühne vom Zuschauerraum aus jeweils sichtbar sind. Im vorliegenden Fall wollte ein Choreograf die Tänzer so weit in die Breite positionieren, dass die Zuschauer am Rand nichts gesehen hätten. An einer anderen Stelle sollten die Tänzer sich so nah am Boden bewegen, dass sie unter der Sichtlinie der Zuschauer vorne im Parkett lagen. Auch wenn ich dafür Erfahrungswerte habe: In einer Bauprobe kann ich da auch mal diplomatisch zwischen Technik und Choreografen vermitteln. Erschwerend kam diesmal hinzu, dass wir drei Stücke mit je eigenem Bühnenbild zeigen. Weil wir für eine Bauprobe nicht drei Choreografen einfliegen lassen können, arbeiten wir hier mit einem Grundraum, in dem für jedes der Stücke mit reduzierten Mitteln ein Bild gestaltet wird.

Sind Produktionen mit Tanz für die Bühnentechnik sowieso eher langweilig, weil der Tanz freie Fläche und eine möglichst leere Bühne braucht?

Klemm: Nein, überhaupt nicht. Weil der Tanz oft mit leerem Bühnenraum arbeitet, ist der Anspruch an die Präzision der wenigen Bühnenelemente und besonders an die Beleuchtung sehr hoch. Im Fall des Bolero-Abends galt das für das sechs Meter lange Stahlrohr, das im Stück «360°» als Zeitmesser im Raum kreist.

McNurney: Beim Tanz ist der Anspruch an die Perfektion sehr hoch, weil da schon ein leicht schiefes Bodenelement zum Stolperstein werden kann. Und wir hatten schon Tanzproduktionen, die technisch extrem aufwendig waren, da etwa, wo der Herzschlag der Tänzer über einen Rechner die Ton- und Lichtgestaltung steuerte.

Was waren denn für Sie, Peter Klemm, in den letzten Jahren die grössten Herausforderungen auf der Bühne? War die spektakuläre Kuppel in Dantons Tod so ein Beispiel?

Klemm: Nein, auch wenn wir diese Kuppel auswärts herstellen lassen mussten, ist das eine «normal» anspruchsvolle Ausstattung. Kniffliger sind Bühnenbilder, die mit vielen beweglichen Elementen wie Schiebewänden arbeiten. Das wird, wie vor ein paar Jahren in Händels «Alcina», rasch sehr komplex und braucht höchste Präzision. Ein Grenzfall war für mich «Warten auf Godot», wo die Schauspieler in zweieinhalb Meter über dem Boden agierten. Da war ich doch froh, als die letzte Vorstellung vorbei war.

Der neue Intendant Benedikt von Peters wird mit einem zum «Globe Theater» umgebauten Luzerner Theater zu Beginn ein Zeichen setzen für neue Formen des «Raumtheaters». Welche Perspektiven eröffnet das für ihre Bereiche?

McNurney: Die Idee, von Räumen, auch von leeren Räumen, auszugehen und diese zu füllen, entspricht direkt der Arbeit mit Tänzern. Insofern ermöglicht die Idee eines Raumtheaters im Tanz beides, Kontinuität und Innovation. Kontinuität, weil ich in bisher 21 Tanzabenden mit unterschiedlichen Choreografen zusammen gearbeitet habe und das weiterführe. Aber die Idee, dass in diesem «Globe Theater», in dem wir auch eine Tanzproduktion zeigen werden, das Publikum die Tänzer rundum von allen Seiten sieht, eröffnet tatsächlich ganz neue Perspektiven. Für den Tanz ist das in jedem Fall ein Gewinn.

Klemm: Benedikt von Peter hat unglaublich viele Ideen, die auf grosse Begeisterung stossen. Sie werden zwar das Theater bis an die Kapazitätsgrenzen fordern. Aber entscheidend wird sein, dass daraus Produktionen hervorgehen, die dem Publikum spannende Erlebnisse bieten. In diese Richtung weist auch die Idee, die drei Sparten einzeln und gemischt stärker in die Stadt hinauszutragen und damit das Theater noch spürbarer zu machen. Dass das neue Team solche Ansätze, die es bereits jetzt unter Dominique Mentha gab, intensiv weiterführen will, verspricht beides: eine gewisse Kontinuität und mutige Innovation.

Hinweis

Erwähnte Produktionen im Luzerner Theater: Tanz 21 «Bolero plus 2», 2., 7., 13., 24. April, 6., 8., 13. Mai, 11. Juni, jeweils 19.30 Uhr. Dantons Tod, 9. April, 19.30 Uhr.

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