Theater- und Tanzfestival
Die freie Szene übernimmt für zwei Tage das Luzerner Theater

Die zweite Ausgabe von «Friendly Take-over» geht nur digital über die Bühne. Der Vielseitigkeit des Anlasses schadet das allerdings nicht.

Stefan Welzel
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«Dem Moment nicht hingeben», ein Duett, getanzt vom Zeitgenössischen Tanzverein Company Karwan Omar.

«Dem Moment nicht hingeben», ein Duett, getanzt vom Zeitgenössischen Tanzverein Company Karwan Omar.

Bild: Armin G. Pabst

Das Luzerner Theater wird dieses Wochenende gekapert. Mit Piraterie hat die Besetzung des Hauses durch die freie Tanz- und Theaterszene der Zentralschweiz allerdings nichts zu tun – sie geschieht in gutem Einvernehmen. Doch da die zweite Ausgabe des «Friendly Take-over» nur im digitalen Raum stattfindet, wird davon vor Ort nichts zu spüren sein.

Leider muss man sagen, denn die erste Ausgabe im Jahr 2017 war ein erfolgreicher, spektakulärer 24-Stunden-Marathon mit viel Publikumszuspruch. Auch wenn man damals konstatierte, dass das übliche Luzerner-Theater-Publikum nicht da war. Vielleicht wird es nun vier Jahre später umso freudiger die insgesamt 14 Produktionen der hiesigen freien Szene zu Hause vor dem Computer streamen.

Die Lust nach neuen Bühnenstücken dürfte nach langen dürren Monaten insgesamt gross sein bei Freunden der freien Szene.

Von Freitag, 17 Uhr bis Samstagmittag werden die Beiträge online auf der Website des Luzerner Theaters abrufbar sein. Und auch das Bespielen der Social-Media-Plattformen des Theaters wird in dieser Zeit von der freien Szene übernommen.

Etablierte und unbekannte Projekte

Das Projekt der freundlichen Übernahme ist eine Koproduktion des Berufsverbandes t.Zentralschweiz mit den Institutionen Luzerner Theater, Südpol, Theater Pavillon sowie dem Kleintheater. Wie die Verantwortlichen beschreiben, sollen dabei «etablierte, aber auch unbekannte Projekte gleichermassen miteinbezogen werden und die Möglichkeit erhalten, sich einem breiten Publikum zu präsentieren». Das grosse Spektrum an Darbietungen, das unter anderem auch Stücke für Kinder bereithält, beinhalte dabei Neuproduktionen, Auszüge, Wiederaufnahmen als auch neue Versionen alter Produktionen.

McNurneys Tanz-Derniere im Luzerner Theater

Nach zwölf Jahren ist Schluss für Kath­leen McNurney als Leiterin der Sparte Tanz am Luzerner Theater. Mit der persönlichen Abschiedsproduktion «Tanz 36+ Finale», welche am Samstag, 22. Mai, um 19.30 Uhr Premiere feiert, schliesst sich ein Kreis für die Amerikanerin. 2009 bestritt der Choreograf Patrick Delcroix zusammen mit Georg Reischl «Tanz 1», den ersten Tanzabend unter McNurney. Nun kehrt Delcroix zurück und kreiert mit dem Ensemble einen neuen poetischen Tanzabend in einer schlichten Black Box. (sw)

Zwei Vorstellungen werden live stattfinden, beide am frühen Freitagabend. Die erste mit dem Titel «Nacht der Demokratie» wird eine in sich geschlossene, interaktive Veranstaltung sein, deren Anmeldungsschluss bereits vor dem Erscheinen dieses Berichts liegt. Doch die zweite ist ab 19Uhr für jedermann und jedefrau zugänglich. Der Zeitgenössische Tanzverein Company Karwan Omar aus Zug zeigt das Stück «Dem Moment nicht hingeben». Die Darbietung erzählt von Erwartungen und Enttäuschungen, vom Durchhalten und Weitermachen. Letztlich ist hier der Tanz ein Symbol für das Leben.

Alle restlichen Stücke laufen als durchgehende Streams, die jederzeit abrufbar sind. Darunter figuriert unter anderem «Nora Nora Nora» des Luzerner Produktionslabels Grenzgänger, in dem sich drei Frauen die Frage stellen, «wie die moderne 1000-Optionen-Gesellschaft mit der Erkenntnis umgeht, von einer gleichberechtigten Rollenverteilung weit entfernt zu sein».

Auch die mehrfach ausgezeichnete Theaterschaffende Elvira H. Plüss ist mit «Fragile» und «Marokko oder die Schule brennt» vertreten.

Und auf die kleinen Zuschauer wartet mit «Giraffenland» von visch&fogel ein Beitrag voller Poesie und Musik und eine Begegnung zweier Tiere aus verschiedenen Kulturen. Zudem soll ein Trailer des Stücks «De Pfannehuet» Kinder neugierig auf die neue Kurzproduktion der jungen Theaterformation Triplette machen.

Zur Begrüssung werden unter anderem der Luzerner Kulturbeauftragte Stefan Sägesser und Projektleiterin Nadja Bürgi das diesjährige «Friendly Take-over» und die Beiträge vorstellen. Begleitet wird diese Einleitung musikalisch von Nadja Räss, Vera Baumann, Elian Frei und Andrea Küttel.

Das digitale Bühnenhappening ist ein Teil des übergeordneten Festivals der lokalen Szene «Heimspiele», dessen Programm bis zum 29. Mai weitere, real vor Ort stattfindende Stücke in den organisierenden Häusern Kleintheater und Südpol bereithält.

Freitag, 21. Mai, 17.00, bis Samstag, 22. Mai, 12.00; www.luzernertheater.ch/friendlytakeover. Informationen zu «Heimspiele»: www.kleintheater.ch und www.sudpol.ch