Theaterpavillon zeigt griechisches Drama vor moderner Kulisse

Das Theater Nawal zeigt mit «Orest – Trojas Schatten» ein sprachlich brillantes und spannendes Theaterstück aus der Antike.

Yvonne Imbach
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Basierend auf den Erzählungen der drei grossen Dichter der griechischen Tragödie – Aischylos, Sophokles und Euripides – hat John von Düffel ein flüssiges Drama geschrieben. «Orest – Trojas Schatten» erzählt vom furchtbaren Fluch, der auf dem Haus der Atriden lastet.

Der Heerführer Agamemnon opferte seine Tochter Iphigenie, um günstigen Wind für seine Kriegsflotte nach Troja zu erbitten. Seine Gattin Klytaimnestra verzeiht ihm das nie und tötet den siegreichen Heimkehrer. Daraufhin schwören die Kinder Elektra und Orest Rache: Orest tötet die Mutter und deren Geliebten. Die Protagonisten versuchen durch Selbstjustiz, Gerechtigkeit wiederherzustellen. Doch dies bringt weder Erlösung noch Frieden, sondern nur Qual und Pein.

Marcel Grüter als Orest (links) und Philipp Arnet als Menelaos bei der Generalprobe.

Marcel Grüter als Orest (links) und Philipp Arnet als Menelaos bei der Generalprobe.

Bild: Ingo Hoehn

Sprachregisseurin begleitete intensiv

«Nawal», das Erwachsenen-Ensemble des Voralpentheaters Luzern unter der Leitung des Regisseurs Reto Ambauen, bringt seit der Gründung jährlich eine ambitionierte und anspruchsvolle Produktion auf die Bühne. Die neunte Produktion des Theaters verspricht keine leichte Kost. Die griechische Tragödie verlangt vor allem sprachlich viel von den Laien-Darstellern ab. «Wir nutzen bei jeder Produktion die Begleitung der Sprachregisseurin Silvia Planzer», berichtet Reto Ambauen. Doch für diese Inszenierung sei die Zusammenarbeit extrem intensiv gewesen.

Knapp zwei Stunden finden auf der Bühne lange Monologe und Dialoge statt, das eigentliches Spiel ist zweitrangig. Diese enorme Textmenge flüssig, authentisch und emotional abzurufen, ist eine grossartige Leistung. In der Rolle von Orest beweist Marcel Grüter (35) sein Können.

Optimaler Ausgleich zum Beruf

Wie schafft er es, sich die anspruchsvollen Texte zu verinnerlichen? «Ich lerne auf dem Arbeitsweg mit vielen Repetitionen. Dies fällt mir recht leicht, weil ich ein fotografisches Gedächtnis habe.» Theaterspielen sei der optimale Ausgleich zu seinem Beruf als Businessanalyst. Er erklärt: «Bei einer neuen Rolle können zwei Dinge passieren: Entweder, du spielst sie zu klein und musst mehr Gas geben oder zu gross, und du musst dich zurücknehmen. Unser Regisseur Reto versteht es, mich einzumitten.»

Zentrales Bühnenelement ist ein originaler Schiffscontainer, der den ansonsten kaum dekorierten Raum füllt. «Die Kulisse soll so reduziert wie möglich sein, denn das Spiel soll wirken», erklärt Reto Ambauen. Moderne, schlichte Kostüme und originelle Requisiten wie Cocktailglas, Leuchtwesten und Teddybär machen den antiken Stoff zugänglich – auch für jene Zuschauer, die etwas Schwellenangst vor griechischen Tragödien haben. Ein besonderer klanglicher Leckerbissen ist der stimmige Sound der E-Gitarren von Christov Rolla und Christian Winiker und des Chors.

Premiere am 8. Januar um 20 Uhr. Weitere Aufführungen bis 8. Februar. Theater Pavillon Spielleute Luzern. Tickets: www.voralpentheater.ch.