Theaterpremiere
Auf schrägem Wald-Trip: Das neue Stück von Christoph Fellmann

In «The Fairy Queen» schickt Christoph Fellmann zwei Biologen auf eine Forschungsreise in die Natur, die zum Selbsterfahrungstrip wird.

Stefan Welzel
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Das Schauspielerensemble (von links): Patric Gehrig, Matthias Kurmann und Suramira Vos.

Das Schauspielerensemble (von links): Patric Gehrig, Matthias Kurmann und Suramira Vos.

Bild: Ariane Pochon/PD/Linda Rosa Saal

Da kommt einiges auf die beiden Forscher Beutler und Bieber zu, wenn sie sich auf die Suche nach weiblichen Exemplaren einer bestimmten Käfergattung machen. Eigentlich haben sie den simplen Auftrag, diese den männlichen Artgenossen zukommen zu lassen, um das Aussterben zu verhindern. Doch der Ausflug in das Dickicht wird in dem Theaterstück «The Fairy Queen», welches am kommenden Dienstag im Luzerner Südpol Premiere feiert, zu einem ziemlich schrägen Selbsterfahrungstrip.

Basierend auf der Geschichte der gleichnamigen Oper von Henry Purcell und somit auch auf William Shakespeares «Sommernachtstraum», landen die zwei Protagonisten an einem surrealen Ort, an dem sie auf eine Feenkönigin treffen, die unterschiedlichste Formen annehmen kann.

Dabei werden sie mit Identitätsfragen, grotesken Existenzen, Sexualität im Allgemeinen, Sodomie im Speziellen, einer ganzen Menge philosophischer Themen und einer übergriffigen Natur konfrontiert.

Das alles bettet Regisseurin Nina Halpern in ein Setting, welches an den Urwald-Trip der Soldaten im Coppola-Filmklassiker «Apocalypse Now» erinnert. So ist es zumindest dem offiziellen Stückbeschrieb zu entnehmen. Darin werden auch Bezüge zu realen Wissenschaftlern wie dem Biologen George Van Dyne oder der berühmten Gorilla-Forscherin Dian Fossey angepriesen.

Es wartet ein wilder Ritt

Shakespeare, Sodomie, Existenzfragen in Verbindung mit sexueller Identitätsfindung, die Rückkehr zur Natur… – es ist ein extrem breiter Bogen, der hier gespannt wird. Das ist kein Wunder, denn der Autor des Stücks heisst Christoph Fellmann. Der Luzerner hat sich in den vergangenen Jahren oft mit verwegenen Projekten einen Namen gemacht. Ob mit «Die grosse Menschenschau», den «Müllers» oder zuletzt mit «Apocalypse Now (and I feel fine)» – immer geht es irgendwie ums grosse Ganze des Menschseins in einer Welt, die laufend unübersichtlicher wird. Und auch in seiner losen Interpretation des alten «The Fairy Queen»-Stoffes, die er mit dieser eigenartigen Käferforscher-Geschichte anreichert, dürfte Fellmann zu einem wilden intellektuellen Ritt voller absurder Ideen und aberwitziger Dialoge ansetzen.

Den Bezug zur Darstellungsform der Oper stellt die musikalische Begleitung durch Laura Livers her. Die Zugerin liefert ein Set-up, welches Purcells Kompositionen «in eine heutige Ästhetik, mit Fokus auf Digitalisierung und synthetische Sounds, überführt». In dieser Zentralschweizer Produktion stehen mit Patric Gehrig und Matthias Kurmann auch zwei waschechte Luzerner als Hauptdarsteller auf der Bühne. Ergänzt wird das kleine Ensemble mit Suramira Vos.

Premiere: Dienstag, 8. März, 20.00 (weitere Aufführungen bis Sonntag, 13. März), Südpol, Luzern/Kriens; www.sudpol.ch.