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THEATERSPEKTAKEL ZÜRICH: «Die Menschen erkämpfen Freiräume»

Das Theaterspektakel holt den Nahen Osten auf die Landiwiese. Leiter Sandro Lunin über die Kunst, in autoritären Regimes Kunst zu machen.
Interview Julia Stephan
Festivalleiter Sandro Lunin vor dem Neubau des Zürcher Landesmuseums. (Bild Philipp Schmidli)

Festivalleiter Sandro Lunin vor dem Neubau des Zürcher Landesmuseums. (Bild Philipp Schmidli)

Interview Julia Stephan

Sandro Lunin, erklären Sie unseren Zentralschweizer Lesern mal, warum es sich lohnt, fürs Theaterspektakel nach Zürich zu pilgern.

Sandro Lunin: Sie finden hier an einem Ort ein populäres Volksfest mit Strassenkunst, wunderbaren Beizen und eine Schau aussergewöhnlicher internationaler Theater- und Tanzproduktionen zu Themen, die auf europäischen Bühnen eher selten verhandelt werden – zum Beispiel Widerstand.

Widerstand? Nun ja, bei den Tellspielen in Altdorf spannt am Wochenende der «Wilhelm Tell» seine Armbrust ...

Lunin: Klar, solche Themen kommen auch in klassischen Bühnenstücken vor. Wir zeigen aber neben fiktiven Geschichten vor allem Produktionen, die in der politischen und sozialen Aktualität verankert sind. Sie werden von Theater- und Tanzschaffenden aus Afrika, Lateinamerika, Asien und dem Nahen Osten nach Zürich gebracht.

Wäre es da nicht spannender, diese Länder einfach zu bereisen?

Lunin: Was man dort von der Theaterkultur mitkriegt, ist in den meisten Fällen Folklore – nicht zeitgenössisches Theater.

Dieses Jahr sind Länder ums Mittelmeer und entlang der Schengen-Ostgrenze vertreten, es geht um Migration und Widerstand. Schwere Kost!

Lunin: Vor allem, wenn man sieht, mit welcher Härte die autoritären Regimes in Ägypten und der Türkei junge Künstler nach den gescheiterten Protestbewegungen behandeln. Vor allem solche, die sich am Widerstand beteiligt hatten, riskieren im Gefängnis zu landen. In Kairo hat man den wichtigsten Ort der Freien Theaterszene geschlossen. In der Türkei entlässt man Schauspieler aus städtischen Ensembles.

Findet unter solchen Bedingungen Kunst überhaupt noch statt?

Lunin: Unbedingt. Die Menschen erkämpfen trotz harter Umstände ihre Freiräume, gründen Theater, schaffen Begegnungsorte.

Die Moldauerin Nicoleta Esinencu zeigte ihre Theaterarbeiten lange in Galerien und entzog sich so der Zensur. Welche Strategien kennen Sie?

Lunin: Viele Inszenierungen finden in privaten Räumen statt. In Teheran gibts ein Tanzverbot. Als Antwort darauf haben Tanzschaffende das Invisible Dance Festival erfunden. Das findet in einem riesigen Garten eines Privathauses statt. Die Workshops werden in der Wüste und in den Bergen abgehalten. Die Menschen finden immer Wege, um ihre Kunst zu leben.

Wenn es schon dort so hart ist: Wie schwierig war es dann für Sie, diese Künstler in die Schweiz zu bringen?

Lunin: Einfach wars nicht. Für junge Männer, die ihren Militärdienst noch nicht geleistet haben, kriegt man oft kein Visum. Ein ägyptischer Künstler, der an unserer Festivalakademie watch & talk beteiligt ist, wurde als politischer Aktivist von der Uni verwiesen. Für ein Visum hätte er aber seine Immatrikulation vorlegen müssen. In so einem Fall zeigt sich die Schweizer Botschaft kulant. Eine Künstlerin aus Burkina Faso muss für den Besuch einer Schweizer Botschaft eine lange Flugreise in eine weit entfernte Stadt auf sich nehmen. Das verursacht massive Mehrkosten.

Sie sind seit neun Jahren im Amt: Sind die Regeln härter geworden?

Lunin: Künstler aus dem Nicht-Schengen-Raum werden in Kürze bereits ab zwei Tagen eine Arbeitsbewilligung brauchen und nicht erst ab acht, wie das aktuell der Fall ist. Das ist ein enormer bürokratischer Aufwand! An solchen Beispielen merkt man: An der Schengen-Grenze wird derzeit stark gebaut. Dabei hat die Schweiz die Unesco-Resolution für kulturelle Vielfalt unterzeichnet, die sicherstellen soll, dass man Kulturschaffenden eine erleichterte Einreise ermöglicht. Es ist absurd.

Positiver Widerstand


PROGRAMM jst.Was bringt ein über achtzigjähriges Paar dazu, in seiner verstrahlten Heimat Tschernobyl die Stellung zu halten? Wie lebt es sich als ausländische Putzfrau in Athen? Um die positiven Energien des Widerstands und um Migrationserfahrungen geht es in der 37. Ausgabe des Zürcher Theaterspektakels.

Erneut lassen uns junge internationale Künstler in Kurzperformances an ihrer Lebensrealität teilhaben. Neben den Theater-, Musik-, Performance-, Tanz- und Nouveau-Cirque-Darbietungen und einem kostenlosen Strassentheater- und Musikprogramm wird man auf der Landiwiese auch kulinarisch gut versorgt.

Zürcher Theaterspektakel. Vom 17. 8. bis 4. 9., Restbillette für ausverkaufte Vorstellungen an der Abendkasse.

www.theaterspektakel.ch

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