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Interview

Regisseur von "Jedermann": «Das Thema Sterben wurde für mich zentral»

Das Freilichttheater «Ein Luzerner Jedermann» hat am Freitag Premiere. Der deutsche Regisseur Thomas Schulte-Michels sagt, was ihn an diesem Stück beschäftigt. Und warum Luzern nicht Provinz ist.
Interview: Pirmin Bossart
Er bewundert unsere Theaterszene: Regisseur Thomas Schulte-Michels. (Bild: Manuela Jans-Koch (17. Mai 2018))

Er bewundert unsere Theaterszene: Regisseur Thomas Schulte-Michels. (Bild: Manuela Jans-Koch (17. Mai 2018))

Thomas Schulte-Michels, wie läuft es mit dem «Ein Luzerner Jedermann»?

Prima. Meine Hauptsorge ist, dass wir nicht verregnet werden. Deshalb haben wir eine Regenvariante vorbereitet, die im Luzerner Theater gespielt würde.

Das Ensemble ist riesig.

Ja. Mit dabei sind Schauspieler des Luzerner Theaters und Gäste, die mit mir gekommen sind, sowie eine bunte Menge von Amateuren, die mit viel Herzblut agieren. Es sind über 50 Menschen auf der Bühne. 40 Amateure und rund ein Dutzend Professionelle.

Warum haben Sie zugesagt, in Luzern zu arbeiten?

Ihr habt in Luzern einen Menschenfänger als Theaterdirektor. Benedikt von Peter ist ein eindrücklicher Don Giovanni der Branche, der versucht, das Theater zu öffnen, und Menschen ins Theater holt, die dabei helfen. Das hat mir gefallen.

Was reizt Sie am Stück "Jedermann"?

Wenn man versucht, über den sprachlichen Zeitstaub des Stücks hinwegzusehen, und auch die katholischen Interpretationen ausblendet, mit denen «Jedermann» befrachtet wurde, bleibt eine essen­zielle Frage zurück: Was heisst Sterben? Es ist ein Thema, das für mich zentral geworden ist. Spätestens, seitdem viele, denen ich gestern noch zugeprostet habe, nicht mehr zurücktoasten, weil sie unter den Kartoffeln liegen.

Dann wird einem die eigene Vergänglichkeit bewusst.

2002 verlor ich einen Schauspielerfreund, der innert Kürze an Lungenkrebs starb. Mit 40 hält man sich für unsterblich. Aber wenn dann immer mehr Menschen, die einem nahe sind, plötzlich weg sind, beginnt man schon zu ahnen, dass wir endliche Kreaturen sind. Mein Jedermann-Schauspieler Matthias Schoch ist 32 Jahre alt. So einer steht mittendrin im Leben und wird ruckzuck vom Halm geschnitten. Dieser nicht verstehbare «Vorfall» beschäftigt mich.

Also keine Jenseits-Bezogenheit, wie das bei «Jedermann» gewöhnlich der Fall ist. Trotzdem: Was sagen Sie zur Möglichkeit, dass es auf irgendeine unbekannte Weise ein Danach geben könnte?

Der kürzlich verstorbene Physiker Stephen Hawking hat das fabelhaft formuliert: «Das Paradies und ein Leben nach dem Tod sind nur Mythen. Das ist ein Märchen für Menschen, die sich vor der Dunkelheit fürchten. Ich habe keine Angst vor dem Tod, habe es aber auch nicht eilig.» Kann man sich dem anschliessen, hat man den Zugang zum Luzerner «Jedermann» nicht ganz verpasst.

Wie viel von Hugo von Hofmannsthals Original ist drin?

Ich habe es entschlackt und zeitgemäss verständlich gemacht. Ich versuchte, im Sprachduktus von Hofmannsthals zu bleiben und wie ein Chamäleon in seine Schreibfeder zu schlüpfen.

Inwiefern ist es «Ein Luzerner Jedermann»?

Weil das Stück für Luzern gemacht ist. Aber ohne Bucherer & Co. Ich mache keinen Luzerner Werbeprospekt. Der Spielort mit der Jesuitenkirche ist die grösste Werbung. Wunderbar, dass Produktionsleiter Christoph Risi und Theaterintendant Benedikt von Peter dafür gekämpft haben.

Für die Musik ist der Luzerner Christov Rolla zuständig. Wie kooperieren Sie mit ihm?

Ich verstehe Theater als Mannschaftssport. Da werden Vorschläge gemacht, verworfen, erweitert. Christov Rolla macht tolle Musik, ist ein hochversierter Chorleiter, fabelhafter Arrangeur und guter Kirchenmusiker. Und er hat etwas, was ich allgemein an den Schweizern sehr schätze: Er hat Stil und ist freundlich.

Die Luzerner rühmen ihre lange Theatertradition, verweisen auf die Mysterienspiele im Mittelalter, sind stolz auf die reichhaltige Laienkultur im Theaterschaffen. Hat nicht jede dritte grössere Stadt oder Region im deutschsprachigen Raum Ähnliches vorzuweisen?

Überhaupt nicht. Ich habe schon in Stans und an andern Orten der Zentralschweiz ein Amateur-Theater besucht und war vergangenes Jahr im Freilichttheater auf Tribschen. Das Interesse und das Engagement von Theaterschaffenden sind in dieser Region unübersehbar und sehr speziell. Der Anteil von Laien, die Theater spielen, ist überproportional hoch. Ich kenne keine Region, wo es eine solche Spielballung gibt.

Wie nehmen Sie als erfahrender Profi das Luzerner Theater wahr? Sind wir Provinz?

Provinz ist zunächst eine geografische Kategorie, im Übertragenen ein Zustand im Kopf. So erlebt man auch in Berlin, Wien, Zürich etc. «Provinz». Das Luzerner Theater ist lebendig und kein Museum. Der Intendant geht auf die Menschen zu, ist an der Zeitfront. Der will etwas bewegen. Deshalb bin ich hier.

Premiere am Freitag, 25. Mai, 21 Uhr, Jesuitenplatz Luzern. Weitere Aufführungen bis 24. Juni. Infos: www.luzernertheater.ch/einluzernerjedermann

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