THRILLER: 20 Jahre nach der Tat

1992 wird in den Rassenunruhen von Los Angeles eine dänische Journalistin ermordet. 20 Jahre später findet Detective Harry Bosch die gnadenlose Wahrheit heraus.

Drucken
Teilen
Michael Connelly schuf mit Harry Bosch einen der besten Krimihelden unserer Tage. (Bild: Mark DeLong, PD)

Michael Connelly schuf mit Harry Bosch einen der besten Krimihelden unserer Tage. (Bild: Mark DeLong, PD)

Ab und zu versucht sich US-Autor Michael Connelly an Justizthrillern. Aber darin sind andere besser, wie zuletzt etwa John Grisham mit «Die Erbin». Richtig stark ist Connelly mit klassischen Krimis, vor allem wenn er seinen Detective Harry Bosch einsetzt. Der tauchte bereits Anfang der 1990er-Jahre im Debütroman «Schwarzes Echo» auf und überzeugt auch im sechzehnten Fall.

Dieser beginnt 1992: In Los Angeles toben Rassenunruhen, nachdem Polizisten, die den farbigen Rodney King misshandelt hatten, freigesprochen wurden. Ein Nationalgardist, mit seiner Einheit bei einer Strassensperre im Einsatz, findet die Leiche einer weissen Frau. Harry Bosch hat nur kurz Zeit, die Sache zu untersuchen. Die Ermordete ist eine dänische Journalistin, viel mehr ist nicht herauszufinden. Dann muss Bosch zum nächsten Schauplatz weiterhetzen, die Stadt brennt, und Leichen gibt es viele. Der Fall bleibt ungelöst.

Was geschah im Irakkrieg?

Erst 20 Jahre später greift Bosch den Fall wieder auf. Die zentrale Frage ist, was die Journalistin damals in L. A. tat.War sie hinter einer Story her? Kam sie jemandem ins Gehege?
Über den Bruder der Toten findet Bosch heraus, dass diese damals von diversen Kriegsschauplätzen berichtet hatte, so etwa 1991 aus dem Irak. Eine andere Spur ist die Mordwaffe. Offenbar gehörte sie einem Mitglied von Saddams Republikanischer Garde und wurde nach deren Zerfall von US-Soldaten als Kriegstrophäe nach Hause geschmuggelt. Doch wie ist der Zusammenhang zwischen dem Irakkrieg und den Rassenunruhen? Und was genau ist damals im Irak passiert, worin das Mordopfer involviert war? Bis Bosch den Hintergrund und das Ausmass einer ganzen Verschwörung klärt, hat er noch viel und gefährliche Arbeit vor sich.
Connelly erzählt den raffinierten Plot schlüssig und extrem spannend. Zudem bietet er packende, gut recherchierte Rückblenden auf die Unruhen in L. A. und auf den Golfkrieg. Ankreiden könnte man ihm höchstens den etwas gar spektakulären finalen Showdown, der die sonst hohe Glaubwürdigkeit und Realitätsnähe leicht schmälert.

Top-Fahnder, Rebell und Vater

Ein grosses Plus bleibt Bosch. Ohne genreübliche Psychologisierung schätzt man ihn als hartnäckigen Fahnder, Rebellen gegen ignorante Vorgesetzte und liebevollen Vater. Auch die zart gezeichneten Szenen mit seiner nicht nur pflegeleichten Teenagertochter gehören zu den Stärken dieses tollen Krimis.

Michael Connelly: Black Box.
Droemer, 439 Seiten, Fr. 29.90.
Wir verlosen 5 Exemplare des neuen Thrillers auf www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe