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THRILLER: Ein Fremder behauptet, ihr Verlobter zu sein

Wenn zwei Autoren gemeinsam einen Roman schreiben, birgt das durchaus Risiken. In «Fremd» von Ursula Poznanski und Arno Strobel ist nichts so, wie es scheint. Nicht mal die Hauptpersonen.
Ursula Poznanski (47) und Arno Strobel (53): Zusammenarbeit gelungen. (Bild: Gaby Gerster, PD)

Ursula Poznanski (47) und Arno Strobel (53): Zusammenarbeit gelungen. (Bild: Gaby Gerster, PD)

Axel Knönagel, dpa

Die österreichische Autorin Ursula Poznanski hat in «Blinde Vögel» oder dieses Jahr in «Stimmen» gezeigt, dass sie spannende Romane schreiben kann, ihr deutscher Kollege Arno Strobel in Thrillern wie «Das Dorf» und «Der Trakt». Ihre gemeinsame Geschichte in «Fremd» beginnt konventionell: Eine junge Frau bemerkt entsetzt, dass jemand in ihr Haus eindringt. Fliehen kann sie nicht mehr, also bleibt ihr nur übrig, dem Eindringling gegenüberzutreten.

Seltsam ist nur, dass sich dieser sehr gut im Haus auskennt. Und merkwürdig ist auch seine Reaktion. Er greift sie nicht an, er flüchtet auch nicht. Überrascht registriert sie, dass er einfach nur mit ihr spricht. Dann kommt ein Mann nach Hause, stellt fest, dass seine Jacke an der Garderobe fehlt. Er hört seine Freundin kommen und will sie nach der Jacke fragen. Sie reagiert völlig panisch auf ihn, erkennt ihn nicht einmal.

Jeder hat eigene Version

Immer abwechselnd schildern die beiden Hauptfiguren des Romans ihre Erlebnisse. Joanne, die gebürtige Australierin, ist überzeugt davon, allein zu leben. Den Mann, der behauptet, ihr Verlobter zu sein, kennt sie nicht, aber sie kann sich auch nicht erklären, warum er so viele Details über sie weiss. Erik andererseits lebt seit Monaten mit Joanne zusammen und versteht nicht, was vor sich geht.

«Jeder von uns hat seine eigene Version», klagt Joanna. «Meine Version könnte genauso wahr sein wie deine. Wie kannst du sicher sein, dass ich es bin, mit der etwas nicht stimmt?» Aber nur gemeinsam haben sie eine Chance.

Für Joanna wird alles immer unverständlicher. Nicht nur, dass sie den Mann in ihrem Haus nicht kennt, sie verspürt den unerklärlichen Zwang, sich selbst zu verletzen und den Mann zu töten.

Erik muss sich vor ihr in Acht nehmen, dabei hat er ganz andere Probleme. Es scheint, dass sein Chef ihn aus einem neuen wichtigen Projekt heraushalten will, in das er als IT-Chef einer Energiefirma eingebunden sein müsste.

Die merkwürdigen Vorfälle häufen sich. Immer weniger verstehen die beiden Erzähler, was vor sich geht. Sie misstrauen allen Menschen um sich herum. Und Joanna ist von diesen Entwicklungen so verwirrt, dass sie sich selbst nicht mehr traut.

Zunehmende Verzweiflung

Meisterhaft erhöhen Poznanski und Strobel von Kapitel zu Kapitel die Spannung. Bisweilen nur durch kleine Details, dann wieder in Actionszenen. Hinzu kommt der geschickte Wechsel der beiden Erzählperspektiven. Häufig schliessen die Kapitel chronologisch aneinander an, aber es gibt auch Lücken ebenso wie Szenen, die aus beiden Perspektiven erzählt werden.

Immer wieder versuchen die beiden Hauptfiguren, aus ihrer Situation zu entkommen, immer neue Widerstände stellen sich ihnen entgegen. Und ständig leben die beiden in der Angst, dass die grösste Gefahr von ihnen selber ausgeht.

Erst als die Lage der beiden aussichtslos geworden ist, wird klar, was hinter diesen merkwürdigen Geschehnissen steckt. Diese Erklärung ist genauso überraschend wie das meiste, das den beiden Hauptpersonen passiert. Ursula Poznanski und Arno Strobel haben bewiesen, dass ihr gemeinsames Projekt das Risiko der Zusammenarbeit wert war.

Ursula Poznanksi/Arno Strobel: Fremd. Wunderlich, 400 Seiten, Fr. 23.90.

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