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THRILLER: Ein Walzer wird zur tödlichen Gefahr

Der Walzer eines unbekannten Komponisten wird zum «Totenlied». Tess Gerritsen, vor allem durch ihre Krimi-Reihe «Rizzoli & Isles» bekannt, lässt diesmal tief in die Vergangenheit blicken.
Frauke Kaberka, dpa
Tess Gerritsen (63) schickte für einmal nicht ihr Ermittlerinnen-Duo Rizzoli und Isles ins Rennen. (Bild Derek Henthorn, PD)

Tess Gerritsen (63) schickte für einmal nicht ihr Ermittlerinnen-Duo Rizzoli und Isles ins Rennen. (Bild Derek Henthorn, PD)

Frauke Kaberka, dpa

Als Julia Ansdell die ersten Töne des Walzers auf ihrer Geige spielt, ist sie von dessen Schönheit bezaubert. Auf der Suche nach einem Mitbringsel von ihrer Italienreise stiess die Musikerin in einem Antiquitätenladen auf das alte Notenbüchlein, aus dem ein handgeschriebenes Blatt mit eben diesem Walzer fiel. Zurück in Boston wird ihre Freude über den Fund jedoch jäh getrübt, denn plötzlich geschehen unerklärliche Dinge.

Mit «Totenlied» hat die amerikanische Bestsellerautorin Tess Gerritsen einen Thriller vorgelegt, der gewohnte Bahnen verlässt und Verbrechen ans Tageslicht bringt, die lange zurückliegen und bis in die Gegenwart neue hervorbringen.

Gefährliche Musik

Julia bemerkt, dass er scheinbar jedes Mal, wenn sie den Walzer spielt, ihre dreijährige Tochter auf böse Art beeinflusst wird. Zudem gewinnt das Musikstück zunehmend an Rasanz, die für die Geigerin kaum mehr zu beherrschen ist.

Doch niemand will ihr glauben. Die Veränderung ihrer Tochter, die immer grössere Distanz zu ihr, dies alles wird für Julia zum Albtraum. Weil es ihr nicht gelingt, das Notenblatt mit dem Titel «Incendio» (Feuer) eines unbekannten Komponisten zu vernichten, will die Geigerin seinen Ursprung ergründen.

Sie kehrt deshalb nach Italien zurück, wo ihre Suche sie schliesslich nach Venedig führt – in jene Stadt, in der sie vier Jahre zuvor ihrem Mann eröffnete, dass sie schwanger ist. Hier überschlagen sich die Ereignisse. Julia wird in einen lebensbedrohlichen Strudel gezogen. Und den wenigen, die ihr helfen wollen, droht das gleiche Schicksal.

Parallel dazu beschreibt Gerritsen den Werdegang des Venezianers Lorenzo auf einer anderen Zeitebene. Obwohl klar ist, dass beide Stränge zusammenkommen, verblüfft das Buch mit einer eigenwilligen Verschmelzung der Sentenzen aus Gegenwart und Vergangenheit.

Und obwohl auch Italiens schwarzes Kapitel weitgehend bekannt ist, erweitert die Story mit authentischen Orten und Geschehnissen den geschichtlichen Horizont des Lesers, dem deshalb auch das Nachwort empfohlen wird.

Aus Albtraum entstanden

Die Idee zu diesem Roman bescherte der mit ihrer Familie in Neuengland lebenden Schriftstellerin ein Albtraum, als sie zu ihrem 60. Geburtstag in Venedig weilte. Bei der Ausführung kam ihr dann das Wissen als früher praktizierende Ärztin - wieschon für ihre erfolgreiche Krimi-Reihe «Rizzoli & Isles» – wieder einmal zugute. Ebenso wie ihre musikalische Ausbildung. Denn Tess Gerritsen spielt selber Violine. •••••

Tess Gerritsen: Totenlied. Limes, 320 Seiten, ca. Fr. 20.50.

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