THRILLER: Rowling liefert Psychopathen gleich im Multipack

Für den dritten Fall ihres ungleichen Ermittlerpaars hat sich Joanne K. Rowling eine perfide Geschichte ausgedacht. Gleich mehrere Psychopathen haben Übles vor.

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Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling hat unter dem Pseudonym Robert Galbraith ihren dritten Thriller verfasst. (Bild: Keystone)

Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling hat unter dem Pseudonym Robert Galbraith ihren dritten Thriller verfasst. (Bild: Keystone)

Frauke Kaberka, SFD

Okay, der offizielle Autorenname lautet Robert Galbraith. Aber schon längst weiss wirklich jeder Bücherinteressierte, dass dahinter Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling steckt. Nun, sie will es so, lassen wir ihr die Freude. Robert Galbraith also.

Frauenbein per Paketpost

In seinem neuen Thriller mit dem Ermittlerduo Cormoran Strike und Robin Ellacott erlebt Letztere einen Schock: Statt Wegwerfkameras für ihre bevorstehende Hochzeit nimmt sie ein Paket in Empfang, das ein Frauenbein enthält. Das ist selbst für die gewöhnlich toughe Mitarbeiterin des Londoner Privatdetektivs Cormoran Strike zu viel. Was sie jedoch nicht davon abhält, gemeinsam mit Strike nachzuforschen.

Natürlich bleibt es nicht bei dem abgetrennten Bein. Strike und Robin stossen bei ihren Recherchen an Grenzen, die ihnen auch von der Polizei gesetzt werden. Die duldet Privatschnüffler nur ungern in ihrem Revier und hält nicht allzu viel von Strikes Eingebungen. Der bullige Kriegsveteran hat nämlich vier Verdächtige mit psychopathischem Potenzial im Visier, mit denen er schon mehrfach zu tun hatte, darunter seinen verhassten Stiefvater.

Strike und Robin folgen also ihrer Intuition, die sie durch ganz London und über die Hauptstadtgrenzen hinausführt. Der Detektiv hat wieder mehrfach Gelegenheit, die Cleverness seiner Mitarbeiterin zu bewundern, weiss aber auch, dass sie in höchster Gefahr ist. Denn das zugesandte Frauenbein muss als konkrete Drohung für Robin angesehen werden: Möglich, dass der Mörder ihr ein ähnliches Schicksal zugedacht hat. Sie wird von einem Mann verfolgt, der sich jedoch immer wieder in Luft aufzulösen scheint.

Strike ist sich durchaus im Klaren darüber, dass die grausige Botschaft auch an ihn gerichtet ist. Für beide ist es eine nervenaufreibende Zeit, denn Robins Hochzeit droht zu platzen, und Strike steckt wegen ausbleibender Aufträge in finanziellen Nöten. Vor allem aber treibt ihn die Sorge um Robins Sicherheit um.

Etwas zäher Mittelteil

Was Galbraith dem Leser über weite Strecken serviert, ist ausführlichste Recherche nach klassischem Muster. Das füllt den etwas zähen Mittelteil des ansonsten sehr spannenden Krimis.

Dass Strike und Robin sich mächtig in die Wolle kriegen, ist reizvoll. Ebenso der wechselnde Blick auf die Handlung: Der Tätersicht werden Kapitel aus Erzählersicht gegenübergestellt, die mit passenden Zeilen aus Songs der Band Blue Öyster Cult überschrieben sind. Sie verstärken das Finstere, Unwirkliche im Plot.

Wie realistisch die beschriebenen Psychopathen sind, kann wohl nur ein Experte einschätzen. Denkbar sind sie allemal. Überzeugend ist einmal mehr der Kettenraucher und wohl auch Alkoholiker Cormoran Strike und herzerfrischend die mutige und widerborstige Robin. Ein hübscher Cliffhanger verheisst Nachschlag. Hoffentlich bald.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Robert Galbraith: Die Ernte des Bösen. Blanvalet, 672 Seiten, Fr. 30.90.