Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

THRILLER: Stalkerin löst Mordfall

«Girl on the Train» schaffte es auch bei uns auf Anhieb in die Charts. Und packt mit einer cleveren Struktur, die viel Spannung erzeugt. Nur der Showdown ist konventionell.
Gleich mit ihrem Erstling landete die Londonerin Paula Hawkins (42) einen internationalen Bestseller. (Bild: PD)

Gleich mit ihrem Erstling landete die Londonerin Paula Hawkins (42) einen internationalen Bestseller. (Bild: PD)

Arno Renggli

Vorschusslorbeeren bedeuten ja nicht immer Gutes. Und mit solchen ist der Thrillererstling der Engländerin Paula Hawkings reich behängt worden, sogar Hollywood soll sich bereits vor Erscheinen die Filmrechte gesichert haben. In dem Fall ist der Hype nicht abwegig und der Thriller über weite Strecken gelungen.

Eine Frau mit vielen Problemen

Apropos Strecken: Nur eine, immer die gleiche, pendelt Rachel täglich per Zug hin und her, vom Wohnort nach London, wo sie arbeitet. Gearbeitet hat, muss man sagen, denn man hat sie wegen ihrer Alkoholsucht gefeuert. Dennoch pendelt sie weiter, auch um ihrer Freundin, bei der sie nach dem Zerbrechen ihrer Ehe Unterschlupf gefunden hat, Normalität vorzugaukeln.

Man sieht: Rachel hat viele Probleme. Und die Zugstrecke fährt sie auch, weil diese an ihrem ehemaligen Haus vorbeiführt. Dort wohnt weiterhin ihr Ex-Mann. Schlimmer noch: mit seiner neuen Frau. Und noch schlimmer: Die beiden haben ein Baby. Schmerz, Wut und Alkohol verleiten Rachel, den Ex und seine Familie mit SMS, nächtlichen Anrufen oder gar überraschenden «Besuchen» heimzusuchen: Sie ist zur Stalkerin geworden.

Drei Erzählerinnen

Eine Stalkerin als Thrillerheldin? Das funktioniert so: Auf ihren Fahrten registriert Rachel in einem Nachbarhaus auch ein junges Paar, das sie in ihrer Fantasie zum Ideal heraufstilisiert. Bis sie beo­bachtet, wie die Frau von einem anderen Mann geküsst wird. Kurz darauf wird die Frau als vermisst gemeldet, ihr Partner gerät in Verdacht. Rachel möchte ihm helfen, teilt der Polizei ihre Beo­bachtung mit. Doch sie selber und ihre Angaben wirken wirr. Zumal Rachel selber in der Nähe war, als die Vermisste zuletzt gesehen wurde. Allerdings derart betrunken, dass ein totaler Filmriss konkrete Erinnerungen blockiert.

Rachel ist über weite Strecken des Buches die Ich-Erzählerin. Die Perspektive der Alkoholikerin und Stalkerin, die durchaus weiss, dass sie immer wieder falsch handelt, ist interessant. Mit der Zeit wird als zweite Erzählsicht diejenige der neuen Frau von Rachels Ex-Mann eingestreut, primär das Stalkingopfer.

Noch früher aber gibt es eine weitere Ich-Erzählerin, nämlich die verschwundene junge Frau, welche, wie der Leser rasch erfährt, nun tot ist. Diese Erzählsicht ist raffinierterweise zeitlich etwas vorverlegt, sodass sie aus der Richtung der Vergangenheit ebenfalls der Auflösung der Geschichte entgegensteuert.

Hinweise auf Täterschaft

Der Wechsel der Erzählperspektiven ist nicht gerade innovativ, aber dramaturgisch gut umgesetzt. Kommt hinzu, dass die atmosphärisch starke Sprache durchschnittliche Thriller klar schlägt.

Durchschnittlich ist hier höchstens der finale Showdown, der doch sehr genretypisch einfährt. Natürlich ist auch Rachels Filmriss praktisch, um falsche Fährten zu legen. Wobei sich für den erfahrenen Thrillerleser so ab der Hälfte der Handlung Hinweise auf die spätere Auflösung zeigen. Unabhängig davon tippt man zunächst eher auf einen Mann, quasi als Gender-Ausgleich zu den drei Erzählerinnen, die doch alle mehr oder weniger einen Schaden haben.

Ob diese Spekulation sich als wahr erweist, verraten wir hier natürlich nicht. Worüber wir aber laut spekulieren: Vor allem aufgrund der Erzählperspektiven sowie der damit verbundenen Themen und Sichtweisen wird dieser Thriller vor allem ein weibliches Publikum begeistern.

Paula Hawkins: Girl on the Train. Blanvalet Paperback, 446 Seiten, Fr. 18.90.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.