Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

TIPPS: Neue Räume für Kunst

Neben dem diesjährigen Biennale-Gewinner Franz Erhard Walther darf man sich in Luzern auf eine neue Galerie freuen, die sich auf Illustration spezialisieren wird. Ein Rundgang durch die Galerie- und Ausstellungsräume der Zentralschweiz.
Julia Stephan und Kurt Beck
(Von links:) Franz Erhard Walther bei den Hilfiker Kunstprojekten, Illustration von Gabor Fekete, bald zu sehen in der neuen Galerie Kunstmetzgerei, und eine Fotoarbeit von Silas Kreienbühl, zu sehen im Bau4. (Bilder: PD)

(Von links:) Franz Erhard Walther bei den Hilfiker Kunstprojekten, Illustration von Gabor Fekete, bald zu sehen in der neuen Galerie Kunstmetzgerei, und eine Fotoarbeit von Silas Kreienbühl, zu sehen im Bau4. (Bilder: PD)

Julia Stephan und Kurt Beck

kultur@luzernerzeitung.ch

Galerie Kriens: Neue Räume

Die Innerschweizer Kunstszene hat einen neuen Kunstort. Mit seinen attraktiven, grossen und hellen Räumen hat die neue Galerie Kriens, die am vergangenen Wochenende mit der Vernissage der Ausstellung von Maria Zgraggen offiziell eröffnet wurde, annähernd die Qualitäten und Dimensionen einer Kunsthalle. Diesen Eindruck gewinnt man jedenfalls, wenn man die neuen Ausstellungsbedingungen mit den alten Kellerräumen an der Krienser Schachenstrasse 9 vergleicht. Die engen Verhältnisse schlossen die Präsentation grossformatiger Arbeiten aus, und mittlere Formate und plastische Arbeiten hatten Mühe, Wirkung zu entfalten. Trotz der bisher suboptimalen Räumlichkeiten hat die Galerie Kriens sich während fast fünfzig Jahren mit ­attraktiven Ausstellungen regionaler Künstlerinnen und Künstler bist heute behaupten können. Während viele Luzerner Galerien ihre Tätigkeit einstellten, macht sich die Galerie Kriens nun im ­alten Kesselhaus des Kulturquadrats Schappe an der Obernaustrasse 1d in eine vielversprechende Zukunft auf.

Mit der Präsentation von 45 aktuellen Bildern der Urnerin Maria Zgraggen (60) startet die Galerie spektakulär in die neue Ära. Die energiegeladenen, intensiv farbigen Malereien können ihre Kraft und Dynamik ungehindert spielen lassen. Selbst die 250 x 275 Zentimeter grosse Komposition «o. T.», die in diesem Jahr entstanden ist, hat genügend Licht und Raum, um als optischer Knaller die Ausstellung zu eröffnen. Auch Skizzenhaftes und Miniaturmalereien können sich behaupten. Als Beispiel sei die kleine Acrylmalerei auf Kunststoff (Nr. 41) erwähnt, die auf 11 x 9,5 Zentimetern so viel Energie bündelt, dass das kleine Bild an der Wand förmlich glüht. (bec)

Maria Zgraggen. Galerie Kriens, Kulturquadrat Schappe, Obernaustrasse 1d, Kriens. Mi/Sa 16–18, So 14–18 Uhr. Bis 17.12. www.galerie-kriens.ch

Hilfiker Kunstprojekte: Franz Erhard Walther

Bevor er den Goldenen Löwen an der diesjährigen Biennale in Venedig erhielt, war Franz Erhard Walther (*1939) ein «Artist’s Artist». Ein Künstler, den man kennt und schätzt – wenn man Künstler ist. In den 1960er- und 1970er- Jahren war das anders. Damals schwamm der Deutsche international obenauf. Bis sein Name zusammen mit der Konzeptkunst von der nächsten Kunstwelle überspült wurde – um jetzt wieder aufzutauchen.

Walthers Stoffobjekte haben Kunst­geschichte geschrieben. Als Betrachter nimmt man im wahrsten Sinn daran «Anteil», indem man in die Stoffbahnen hineinschlüpft, sie sich überstülpt oder auf sie draufstellt, um Handlungsanweisungen des Künstlers zu befolgen. So geschehen auch während der letzten Manifesta, als Walther die Angestellten des Park Hyatt Hotels in Zürich mit halben orangenen Westen ausstattete.

Eine Reminiszenz dieser Aktion in Form einer Fotografie hängt derzeit in der Luzerner Galerie Hilfiker Kunstprojekte. Im Mittelpunkt steht in Luzern jedoch Walthers zeichnerisches Werk. Man entdeckt Vorstudien zu Walthers an Museumswänden präsentierte Schachteln aus Textil, in denen Walther die Dimensionen von Körpern im Raum untersucht.

Herzstück der Luzerner Ausstellung bilden mehrere doppelseitigen ­Aquarelle auf teilweise halbtransparentem bräunlichem Papier, die Walther in einen mehrjährigen Prozess um ungewöhnliche Werkstoffe ergänzt hat. Man findet auf der Textur des Papiers Fettflecken, nachträglich aufgeklebtes Backpapier, braunes Klebeband und Bleistiftlinien, die den Begriff «Aquarell» wie einen Hilfsbegriff wirken lassen. Die Positionen entstanden während Walthers Zeit in New York (1966–1973) und schaffen mit ihrer Konzentration auf die Visualisierung von Prozessen und mit ihren Hinweisen, die den Betrachter in den Arbeitsprozess einweihen sollen, einen referenzlosen Rahmen, der ihnen auch Jahrzehnte nach der Entstehung Frische verleiht. (jst)

Franz Erhard Walther. Arbeiten auf Papier 1966–1973. Hilfiker Kunstprojekte, Luzern. Bis 16.12. Mi bis Sa, 13 bis 17 Uhr.

www.hilfikerkunstprojekte.ch

Bau4: Silas Kreienbühl

Das Museum der Zukunft braucht in der Vorstellung des Künstlers Silas Kreienbühl kein Dach über dem Kopf zu haben. Aus diesem Grund hat der Leiter des KKLB (Kunst- und Kultur im Landessender Beromünster im Avantgardedampfkochtopf Berlin eine Zweigstelle seiner Institution eingerichtet, die ohne physische Dépendance auskommt.

Denn Kunst offenbart sich für Kreienbühl ohne grosse Sublimierungsanstrengung im öffentlichen Raum. Der Künstler schult Menschen auf geführten Spaziergängen durch Berlin für die Ästhetik des Alltags und lässt die Menschen ihre Eindrücke mit der Fotokamera festhalten. Das Projekt stellt Fragen wie: Wann verzaubert uns ein Produkt des Zufalls? Und was hat das genau mit uns zu tun?

Für den Kulturraum Bau 4 in Altbüron hat Kreienbühl seine persönlichen musealen Momente auf unterschiedlich dimensioniertes Fotopapier ungerahmt an Wände oder an die von der Decke her­abhängenden rezyklierbaren Holzplatten gehängt. Alles umspielt den Charme der Beiläufigkeit. Denn die nur wenige Wochen vor der Ausstellung in Berlin und der Schweiz aufgenommenen Bilder sollen nichts Bedeutungsschwangeres auslösen, steht doch hinter der Idee von der Abschaffung des Musealen die Hoffnung, mehr Freiraum für das unbelastet Spielerische zu haben.

Natürlich provoziert die Stadt Berlin mit ihrer chaotischen Struktur mehr künstlerische Momente als die «aufgeräumte» Schweiz. Dort musste Kreienbühl seinen Blick länger schweifen lassen und wurde schliesslich im Wald von den von Sonnenstrahlen durchfluteten Blättern überrascht. Die Gruppierung seiner Bilder offenbart aber auch formale Strenge. Analogien beginnen sich zu bilden, Schatten und Spiegelungen erzählen Geschichten, die fremde Planeten wie ein Berliner Jugendstilwohnhaus und eine Shell-Tankstelle näher zueinander rücken lassen. (jst)

Silas Kreienbühl. Bau4, Altbüron. Ausstellung vor den Konzerten vom Silke Eberhard Trio (25.11.) sowie Ilog & Guests (16.12.) zugänglich. 18.45 Uhr: Besammlung und Spaziergang durch das Museum der Zukunft mit Silas Kreienbühl.

www.schaerholzbau.ch

Die Kunstmetzgerei: Neue Galerie für Illustration

Darf’s zweihundert Gramm Zeichnung sein? Am Stück? So könnte es klingen, wenn der ungarisch-schweizerische Zeichner und Illustrator und seine Frau, Monika Sigrist, am 30. November in Luzern in einem ehemaligen Coiffeursalon an der Haldenstrasse die Galerie «Kunstmetzgerei» eröffnen werden. Als erste ihrer Art in Luzern will sie sich neben kleineren Ausflügen in die Fotografie voll auf grafische Arbeiten von internationalen Illustratoren konzentrieren.

Kunst soll nicht nach Listenpreis, sondern auf der Waage abgewogen werden und geht im rosa Metzgereipapier an den Käufer. Dass die Grafik auf dem Kunstmarkt eine kleinere Nummer spielt, werten die neuen Galeristen als Vorteil für den Käufer. «Wie bieten gute Qualität wie ein gut durchgehangener Schinken, und das zu fairen Preisen», verspricht Gabor Fekete. Zur Eröffnung gibt’s erstmals Filetstücke von Fekete selbst. Thema: Kunst und Genuss. (jst)

Kunstmetzgerei, Haldenstrasse 25, Luzern. Eröffnung: 30.11., 18 Uhr.

Bourbaki-Panorama: «Panorama digital»

Als die Menschen im 19. Jahrhundert mit Panoramen wie dem Luzerner Rundbild von Edouard Castres vollumfänglich in andere Welten eintauchten, war ihr Erstaunen darüber wahrscheinlich gar nicht so weit entfernt von demjenigen heutiger Kunstinteressierter, die sich in den Bann virtueller Welten begeben. Die Ausstellung «Panorama digital» über Immersionserfahrungen im digitalen Zeitalter findet sinnigerweise dort statt, wo sie mediengeschichtlich ihren Vorläufer hat: im Bourbaki-Panorama. Zusammen mit der Hochschule Luzern zeigt das Museum Exponate aus den Bereichen Virtual und Augmented Reality. Über den Dialog modernster Technik mit den historischen Exponaten und dem Rundbild von Edouard Castres erfährt man, dass die Erzeugung von Empathie zu allen Zeiten ein wichtiges Anliegen dieser Medien war. Egal, ob ­Castres als freiwilliger Sanitäter beim Französischen Roten Kreuz eine humanitäre Katastrophe als Augenzeuge malerisch festhält oder ein 360-Grad-Film von Ärzte ohne Grenzen dem Zuschauer das Gefühl gibt, man stehe inmitten eines Flüchtlingscamps im Libanon, oder man inmitten einer Runde von Soldaten, die weltweit für verschiedene Konflikte stehen, in einer Arbeit des Kriegsfotojournalisten Karim Ben Khelifa steht. Immer erlebt man sich nicht als Betrachter, sondern als Betroffener. (jst)

«Panorama digital». Bourbaki-Panorama, Luzern. Mo bis Do, 10 bis 17 Uhr. Bis 3.12. Führung: 3.12., 11–12 Uhr.

www.bourbakipanorama.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.