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TODESFALL: Ein Berserker hat ausgebellt

Mit Mark E. Smith, dem Kopf der Band The Fall, hat die britische Musikszene eine ihrer markantesten Stimmen verloren. Er wurde nur 60 Jahre alt.
Mark E. Smith, Sänger der Post-Punk-Band The Fall, ist mit 60 Jahren gestorben. (Bild: Marta Perez/Keystone)

Mark E. Smith, Sänger der Post-Punk-Band The Fall, ist mit 60 Jahren gestorben. (Bild: Marta Perez/Keystone)

Einen wie Mark E. Smith, der am Mittwochmorgen in seinem Haus in Manchester nach längeren Gesundheitsproblemen 60-jährig verstorben ist, gab es wirklich nur einmal. Noch im Oktober trat er bei einem Konzert in England im Rollstuhl auf. Für den November geplante Gigs musste er wegen Rachen- und Atemproblemen absagen. Im Juli 2017 war nochmals ein neues, gutes Album von The Fall erschienen, das 32ste, «New Facts Emerge».

Smith hatte die Band einst nach einem inspirationshaften Auftritt der Sex Pistols in Manchester formiert. Seine Einflüsse waren dabei deutlich weiter gespannt als die der meisten punkigen Zeitgenossen. Das Spektrum reichte von der Krautrock-Kombos bis zu Albert Camus, bei dem man den Namen stibitzte. Schon mit der ersten Single, «Rowche Rumble» (1979) sangen sich The Fall ins Herz des tonangebenden BBC-DJs John Peel, der sich fortan unermüdlich für die Band stark machte. Ebenfalls 1979 erschien das Début-Album «Live at the Witch Trials». Damit war der Sound der Band eigentlich schon auf immer und ewig geprägt: ­Gitarre, Drums, Bass und ein spielzeughaftes Keyboard produzierten einen dringlich vorwärtspreschenden, irgendwie bedrohlich wirkenden Radau, deren Elemente nur locker aufeinander abgestimmt zu sein schienen.

Ein unmöglicher, unberechenbarer Typ

Darüberhinweg flatterte wie ein empörter Rabe die Stimme von Mark E. Smith. Statt sich in schönen Melodien zu ergehen, deklamierte Smith die zwischen absurdem Witz, politischem Zorn und freudvoller Stunkmacherei pendelnden Texte wie ein näselnder Dichter. Ein perkussiver Trick bestand darin, jede Zeile in einem kuriosen «eee-ah» enden zu lassen. Mehr als sechzig Musiker und Musikerinnen – darunter drei Ehefrauen von Smith – haben über die Jahre hinweg bei The Fall mitgespielt. Alle sind sich einig, dass Smith ein unmöglicher Typ war: Niemand wusste je, was als nächstes passierte. Im täglichen Alkohol- und Speed­rausch konnte er eine Formation kurzfristig im Pub ersetzen oder in der Garderobe blutig prügeln.

In Gesprächen, auch Interviews, sagte er aus dem Blauen heraus Dinge, die so bizarr oder provokativ wirkten, dass man nur hoffen konnte, dass sich dahinter eine metaphorische Bedeutung versteckte, der man im Moment nicht habhaft werden konnte. Aber die Musiker und Musikerinnen waren sich alle einig, dass es so etwas wie ein Privileg gewesen sei, in einer der verrücktesten und dynamischsten Bands mitgewirkt zu haben, die England je hervorgebracht hat.

Hanspeter Künzler

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