Regionale Thriller: Tödliche Intrige, gefährlicher Narzisst und blutige Diamanten

Wir stellen die neuen Bücher von Bruno Heini, Chris Oeuvray und Ralf Weber vor. Alle spielen sie sich in der Zentralschweiz ab. 

Arno Renggli
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Bruno Heini: «Höllenwut.» Gmeiner, 276 Seiten, Fr. 22.90.

Bruno Heini: «Höllenwut.» Gmeiner, 276 Seiten, Fr. 22.90.

Eine junge Frau verschwindet: Dies war schon die Ausgangslage in den beiden ersten Thrillern des Luzerners Bruno Heini, Ex-Unternehmer und Teil der Konditor-Familie Heini. Und jetzt auch im Dritten. Erneut schickt er seine unkonventionelle Ermittlerin los, die aufmüpfige Kaufhausdetektivin Palmer. Eigentlich soll sie der Frau helfen zu beweisen, dass ihr Ex-Chef, ein skrupelloser Rohstoffmilliardär, sie vergewaltigt hat. Als sie verschwindet, wird dieser verdächtigt. Der Bruder der Vermissten beauftragt Palmer mit der Suche, ist aber sicher, dass seine Schwester tot ist. Bald stösst Palmer auf andere Spuren, die sie in grosse Gefahr bringen.

Bruno Heini lässt den Schilderungen der Figuren und der Luzerner Schauplätze viel Raum. Der Krimiplot ist entsprechend schlank und übersichtlich. Cliffhanger am Ende der Kapitel, reichlich Action sowie Dramatik in Finale und Auflösung sorgen für Unterhaltung. Und am Ende ist wenig so, wie es am Anfang den Anschein gemacht hat.


Chris Oeuvray: «Tödlich verliebt». Amsel Verlag, 288 Seiten, Fr. 35.-

Chris Oeuvray: «Tödlich verliebt». Amsel Verlag, 288 Seiten, Fr. 35.-

Als Thriller bezeichnet Life-­Coach Chris Oeuvray aus Zug ihren Roman «Tödlich verliebt». Doch in erster Linie ist es ein Beziehungsdrama: Melanie, die von sexueller Unterwerfung träumt, kriegt das Gewünschte von Ronald und verliebt sich in ihn. Doch der entpuppt sich bald als krankhafter Narzisst, der sie kontrolliert und demütigt. Aus Rücksicht auf die Kinder, die sie inzwischen haben, bleibt sie zunächst bei ihm, obwohl es immer schlimmer wird. Erst ein Coachingcamp gibt ihr die Kraft, sich von Ronald zu trennen. Doch dieser entführt die Kinder und droht mit dem Schlimmsten. Worauf der Roman ein klassisches Thrillerende kriegt.

In der Figur von Ronald verdichtet die Autorin die bekanntesten Symptome eines krankhaften Narzissten, die am Ende des Buches noch in einem Interview mit dem forensischen Psychiater Frank Urbaniok erläutert werden. Ebenfalls thematisiert wird in der Figur von Melanie, warum Menschen von Narzissten abhängig werden können.


Ralf Weber: «Tränen im Vierwald­stättersee», Gmeiner, 279 Seiten, Fr. 22.90.

Ralf Weber: «Tränen im Vierwald­stättersee», Gmeiner, 279 Seiten, Fr. 22.90.

Nicht aus der Zentralschweiz, sondern aus Basel stammt Ralf Weber. Aber sein dritter Thriller spielt sich im und um den Vierwaldstättersee ab. Hinein stürzt nämlich der Privatjet einer Luxusgüterfirma. Als die Leiche der Pilotin angespült wird, zeigt sich, dass sie durch einen Kopfschuss ihr Ende fand. Frank Studer von der Luzerner Mordkommission ermittelt mit seinem Team. Derweil versuchen die Behörden, aber auch die verführerische Firmeninhaberin, das Wrack in 200 Meter Wassertiefe zu bergen. Etwas sehr Wertvolles muss dort sein, und anhand eines zweiten historischen Erzählstrangs ahnt der Leser, dass es sich um einmalige Diamanten mit sehr blutiger Vergangenheit handeln muss.

Diverseste Akteure sind der Diamantengier verfallen, wollen die anderen ausschalten, auch mit Mord. Entsprechend komplex und wendungsreich sind die Ermittlungen. Nicht gespart wird mit Sex und Gewalt. Zu den Highlights des Thrillers gehören die Tauchfahrten im See.