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Blue Balls: Tolle Stimme mit Servicekalkül

Melody Gardot mag sich stilistisch wenig bewegen. Ihre Stimme gibt dem Konzert jedoch viele Reize. Eine Enttäuschung ist hingegen Tom Odell, der erstmals in Luzern aufgetreten ist.
Roman Kühne
Melody Gardot konzentrierte sich im KKL wohltuend ganz auf die Musik. (Bild: Pius Amrein, 25. Juli 2018)

Melody Gardot konzentrierte sich im KKL wohltuend ganz auf die Musik. (Bild: Pius Amrein, 25. Juli 2018)

Irgendwie passen ihre Konzerte und die Vermarktung nicht zusammen. Auf Melody Gardots aktueller CD «Live in Europe» ist es vor allem ihr blosser Hintern, der die Blicke auf sich lenkt. Nur eine Gitarre hängt auf der komplett enthüllten Silhouette.

Dies symbolisiere die «Nacktheit des Künstlers vor seinem Publikum, die totale Offenheit und schamlose Hingabe», schrieb etwa das deutsche Magazin JazzEcho dazu. Hier wird vergessen, dass Melody Gardot schon ihre letzte CD «Currency of Men» (Währung der Männer) in einer Boutique in Marais in Paris durch Aktmodelle präsentierte. Mit Frauen, die sich praktisch hüllenlos auf einem Ferrari räkelten.

Klar kann man auch dies als eine ironische Anspielung auf den Plattentitel lesen. Und doch passt jene kalkulierte, plakative Effekthascherei nicht so recht zu den Konzerten der zierlichen Frau. Oder eben doch? Der Auftritt von Melody Gardot am Blue Balls Festival in Luzern vom Mittwoch kann diese Frage nicht schlüssig beantworten.

Sänger Theo Hutchcraft von der britischen Band Hurts. (Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler, 29. Juli 2018)
(Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler, 29. Juli 2018)
Die Band machte sich einen Namen mit Sogs wie «Wonderful life» und «Stay». (Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler, 29. Juli 2018)
(Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler, 29. Juli 2018)
Alanis Morissette. Bild: Manuela-Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018)
Count Gabba & Friends auf dem Schweizerhof Plaza. Bild: Manuela-Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018)
Trailhead auf dem KKL Plaza. Bild: Manuela-Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018)
Essensstände laden zum Verweilen ein. Bild: Manuela-Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018)
Besucher am Blue Balls 2018. Bild: Pius Amrein (Luzern, 25. Juli 2018)
Melody Gardot. Bild: Pius Amrein (Luzern, 25. Juli 2018)
Jodie Abacus. Bild: Alexandra Wey / Keystone (Luzern, 25. Juli 2018)
Tom Odell. Bild: Alexandra Wey / Keystone (Luzern, 25. Juli 2018)
Sie geht am Blue Balls ab. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Sie tanzen am Blue Balls. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Am Konzert am Schweizerhof geht die Post ab. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Zahlreiche Essensstände rund um den See laden ein. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Das Publikum ist vom gebotenen begeistert- Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Darf noch ein Drink sein? Das Blue Balls zu später Stunde. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Zur Vorabendzeit sind die Stände vor dem Pavillon gut besucht. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Sie nimmt einen kühlen Schluck. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Jessie J. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)

Jessie J. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)

Wolfmother Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 23. Juli 2018)
Black Pistol Fire mit Sänger Kevin McKeown. Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 23. Juli 2018)
The British soul singer Beverley Knight at the Blue Balls Festival in Lucerne, Switzerland, Monday July 23, 2018. The music event runs from 20 to 28 July. (KEYSTONE/Urs Flueeler)
Gary Clark Jr. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Züri West. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 21. Juli 2018)
Unter dem KKL versammeln sich die Konzertbesucher. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Milow. Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 22. Juli 2018)
Künstler am Blue Balls Festival 2018. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Marius Bear Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Sari Schorr Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Ein Paar tanzt am Blue Balls Festival 2018. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Zwei Kinder tanzen am Blue Balls Festival 2018. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Miss T & The Mad Tubes am Blue Balls Festival 2018. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Kunst entsteht live: Das Brüderpaar One Truth bei der Arbeit im Pavillon am Luzerner Seebecken. Bild: Manuela Jans-Koch (20. Juli 2018)
Seven (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 20. Juli 2018))
Rose Ann (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 20. Juli 2018))
Kail Baxley (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 20. Juli 2018))
Keir. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 20. Juli 2018))
Festival-Direktor Urs Leierer (links) mit Fotografin Leonn Ward und Musiker Keir beim Auftakt zum Blue Balls Festival (Bild: Urs Flüeler (Keystone, 20. Juli 2018))
Zuschauer versammeln sich unter dem KKL-Dach. (Bild: Urs Flüeler (Keystone, 20. Juli 2018))
Keir (Bild: Urs Flüeler (Keystone, 20. Juli 2018))
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Blue Balls Festival 2018

"Wildere" Songs als Höhepunkte

Eitel und aufgeblasen ist ihr Auftritt sicherlich nicht, kalkuliert und auf Publikumserwartungen zugeschnitten schon. Im Zentrum steht und thront ihre Stimme. Die Zugabe «Over The Rainbow» ist wie eine Synthese des ganzen Konzertes. Ihr samtenes Organ, ein geheimnisvolles Knistern, webt und prägt das Stück. Die menschliche Stimme als sensuelle Reflexion, unergründlich und konstant geheimnisvoll. Es ist der perfekte Chill-Sound.

Gepaart mit ihrer tonalen Sicherheit, auch ohne Instrumentalbegleitung wandert sie durch die Modulationen, entwickelt sich eine verführende Mischung. Der Tonumfang der Amerikanerin ist enorm, die klangliche Zähmung schlichtweg perfekt.

Die Band ist da oft nur noch eine Beigabe, die vier Musiker bleiben in ein enges Korsett gepresst. Nur selten dürfen sie ausbrechen, auch ihre Fertigkeiten zeigen. So etwa im Eröffnungsstücke «The Rain», wo ein pulsierender Bass, freie Drums und wenige Akkorde von Gitarre und Cello einen fast experimentellen Jazzkeller-Einstieg zeichnen. Darüber legt Melody Gardot eine leichte Improvisation, treffsicher, schwerelos, mit rauchiger Basis. Diese «wilderen» Stücke sind die Höhepunkte des Abends: «Les étoiles», wo die Band im Stile einer Gipsy-Combo die französische Strassenmusik zelebriert. Oder das mystische «Morning Sun». Der Anfang ist rätselhaft, ein keltisches Vibrieren. Die Intensität nimmt zu, bricht aus, gibt Drummer und Gitarrist Auslauf und Erfüllung.

Von solchen Stücken hätte man sich mehr gewünscht. Vieles bleibt jedoch auf den Publikumsgeschmack ausgerichtet. Oder auf das, was man dafür hält. Denn es zeigt sich – durchaus nicht zum ersten Mal – dass das Luzerner Publikum auch für das «Überraschende» zu haben ist. «Deep Within The Corners Of My Mind» – eine etwas langweilig vorgetragene Liebesballade und von Melody Gardot als «das, was ihr erwartet» vorgestellt – mag die Zuschauer hingegen nicht recht erwärmen. Auch sonst gibt es am Abend wenig Überraschendes. Nimmt man ihre erste CD «Worrisome Heart» zur Hand, stellt man fest, dass sich in den letzten 10 Jahren musikalisch fast nichts bewegt hat.

Etwas weniger Berechnung, etwas mehr Freiheit

Dies ist der Wermutstropfen in einem sonst ausgezeichneten Konzert. Schade, denn das Potenzial zu mehr Freiheit, zu Songs, die auch etwas aus dem Moment entstehen, ist bei dieser Sängerin absolut vorhanden. Aber so bleibt es primär Gardots spezielle Stimme, die das Konzert zum Vergnügen macht. Für einen unvergesslichen Abend bräuchte es jedoch weniger kalkulierte Serviceleistungen und mehr Innovationskraft, ja Vertrauen in die Entdeckerfreude des Publikums.

Ein Kontrast zu Melody Gardot bildet das Konzert des Briten Tom Odell im praktisch vollen Luzerner Saal. Seine leicht nasale, oft gepresste Stimme sowie die Trivialität der Stücke sind ein mässiges Vergnügen. Es bleibt nebulös, wieso sein letztes Album es in der Schweiz auf den zweiten Hitparadenplatz schaffte. Nur noch in England war er ähnlich weit vorne postiert. Wie es eine Zuschauerin richtig bemerkte: «Gesang genügend, gepaart mit dem Aussehen erreicht er ein Gut.» Der Kritiker jedenfalls besuchte nach fünf Songs lohnendere Gefilde, wie das Action-Painting von Clara Cabrera auf der Plaza vor dem KKL.

Das Blue Balls Festival läuft noch bis Samstag, 28. Juli. Infos: www.blueballs.ch

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