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Toni Vescoli: «Mein Ding war die Musik, nicht die Realpolitik»

Toni Vescoli (heute 75) im Juli 1968 mit dem eine Woche alten Töchterchen Natalie und Frau Ruthli in Schmerikon. (Bilder: Privat/SGT)

Toni Vescoli (heute 75) im Juli 1968 mit dem eine Woche alten Töchterchen Natalie und Frau Ruthli in Schmerikon. (Bilder: Privat/SGT)

«1968 – das wichtigste Ereignis in diesem Jahr war für meine Frau Ruthli und mich die Geburt unserer Tochter Natalie am 13. Juli. Das war ein Freitag. Einen Tag später, das war dann wohl der Samstag, 14. Juli, trat ich mit meiner Band, den Les Sauterelles, bei der Vollversammlung der Zürcher Jugend für ein autonomes Jugendzentrum auf, im Volkshaus in ­Zürich. Rund 1000 Jugendliche befassten sich mit dem Globuskrawall und der ­Jugendhausfrage. Wir spielten eine knappe halbe Stunde, es herrschte normale Konzertstimmung, anschliessend wurde diskutiert. Den Verlauf der Diskussion habe ich als sehr chaotisch in ­Erinnerung – Pfarrer Sieber, der sich damals schon für Randständige eingesetzt hat, kam überhaupt nicht zu Wort, weil alle nur geschrien und gebuht haben. Das fand ich ziemlich nervig.

Im Prinzip hatte ich damals wenig Zeit für Politisches – wir waren auf Tournee in der Schweiz und bekamen vieles oft gar nicht mit. Jeden Tag woanders mit der Band, keine Zeitung zur Hand, kein Fernseher in der Nähe. Ganze sechs ­Wochen waren wir im Sommer 1968 mit unserem zweiten Hit, «Heavenly Club», auf Platz eins der Schweizer Hitparade – das war sensationell für damalige Zeiten. Ein wirklich politischer Mensch war ich nicht. Die Musik war mein Ding, nicht die Realpolitik. Als Showmensch war man aber natürlich schon mittendrin in den 68ern. Doch mit 26 Jahren war ich kein Jugendlicher mehr – das darf man nicht vergessen. Ich hatte eine Familie, meine Musik, war viel unterwegs. Es war eine gute Zeit für mich.

Im Jahr zuvor, am 14. April 1967, hatten wir als direkte Vorband der Rolling Stones gespielt, im Zürcher Hallenstadion. Die Polizei ist heute zurückhaltender als ­damals, als Wasserwerfer und Knüppel zum Einsatz kamen. Das war überhaupt nicht gerechtfertigt. Und was das Globus-Provisorium an der Limmat betraf, so war mir 1968 echt nicht klar, warum man da partout kein Jugendhaus einrichten konnte. Es herrschte in den 50er- und 60er-Jahren schon ein ziemlicher Bürgermief. Mit meinen langen Haaren pas­sierte es mir auch durchaus mal, dass ich verprügelt wurde. Die Gesellschaft hat sich verändert seither, aber ob das der 68er-Jugend zu verdanken ist? Man bauscht das im Nachhinein gerne auf. Ich würde nicht sagen, dass die 68er nichts gebracht haben – aber eine durch­schlagende Revolution waren sie nicht. Und manches ist noch gleich wie vor 1968.»

Hinweis

Toni Vescoli, geboren 1942 in Zürich, ist Musiker und Singer-Songwriter.

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