Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

TRAGIKOMÖDIE: Göttliches Märchen auf Erden

Gott ­existiert. Er lebt in Brüssel. Und er ist ein Tyrann. Doch nicht nur das hat sich Filmemacher Jaco Van Dormael für «Le tout nouveau testament» überlegt.
Die sechs Apostel (von links): Xenia «l’Allemande» (Anna Tenta), Marc (Serge Larivière), Aurélie (Laura Verlinden), François (François Damiens), Martine (Catherine Deneuve) und der Gorilla aus dem Zirkus. (Bild: PD)

Die sechs Apostel (von links): Xenia «l’Allemande» (Anna Tenta), Marc (Serge Larivière), Aurélie (Laura Verlinden), François (François Damiens), Martine (Catherine Deneuve) und der Gorilla aus dem Zirkus. (Bild: PD)

Dorit Koch, dpa

Was, wenn jeder Mensch schon sein Sterbedatum wüsste? Im Film «Le tout nouveau testament» («Das brandneue Testament») werden sämtliche Todesdaten anonym verbreitet. Wer ein Handy hat, bekommt die Nachricht – der Countdown läuft.

Kriege und Konflikte werden daraufhin beendet, wie im Fernsehen die Nachrichtensprecherin berichtet. Ausserdem seien viele Menschen, die ihren Sterbezeitpunkt erfuhren, der Arbeit ferngeblieben. «Alle fragen sich: Was machen wir noch aus unserem Leben?» Regisseur Jaco Van Dormael macht daraus eine Tragikomödie voller skurriler Momente und poetischer Bilder. «Ich habe einfach nur ein Märchen erzählt», sagt der belgische Filmemacher. Er habe sich nicht die Frage gestellt, ob er die katholische Kirche damit schockieren könnte, gibt der 58-Jährige in den Presseunterlagen zu Protokoll. Dabei hat er in seinem Märchen die Rolle des Bösewichts jemand ganz Besonderem gegeben: Gott höchstpersönlich (Benoît Poelvoorde).

Fiesheiten für den Alltag

«Gott existiert. Er lebt in Brüssel», erklärt eine Kinderstimme gleich zu Beginn der Geschichte. Blitz und Donner krachen über die Leinwand. Das Mädchen berichtet weiter von Gott. «Er ist ein Tyrann. Er behandelt seine Frau und seine Tochter mies.» Es ist Éa (Pili Groyne), dessen zehnjährige Tochter, die davon erzählt, wie Gott (Benoît Poelvoorde) nicht nur sie und ihre Mutter (Yolande Moreau), sondern die gesamte Menschheit drangsaliert.

Den ganzen Tag lang schlurft er schlecht gelaunt im Bademantel durch die Wohnung. Seine Freude hat Gott hier nur am Bösen. Der Allmächtige löst Naturkatastrophen und Kriege aus. Dazwischen überlegt er sich kleine Fiesheiten für den Alltag der Menschen. Neue Gebote, die Gott schuf, lauten etwa: Sobald jemand in der Badewanne liegt, klingelt das Telefon. Ein Konfitürenbrot fällt immer auf die Konfitürenseite. Und im Supermarkt geht es in der Schlange nebenan immer schneller. Sein Sohn Jesus Christus steht nur noch als Jesusfigur auf dem Schrank. «JC», nennt Éa ihren Bruder, bei dem sie sich immer wieder Rat holt.

Als das Mädchen schliesslich – von Vater Gott verprügelt – endgültig fliehen will, gibt «JC» ihr noch den Rat, die Liste der zwölf Apostel aus dem Neuen Testament um sechs weitere zu ergänzen, deren Geschichten sie für das brandneue Testament aufschreiben soll. Doch zuvor rächt sie sich an ihrem Vater: Von dessen Computer aus verschickt sie die Sterbedaten der Menschen.

Zauberhafte Bilder, absurde Komik

«Le tout nouveau testament» ist nach «Toto le héros», «Le huitieme jour», «Mr. Nobody» und «Kiss & Cry» erst der fünfte Langfilm des Belgiers. Sein Werk ist gefüllt mit originellen Ideen, die für ebenso groteske wie magische Momente sorgen. Wenn in einer Szene die verlorene Hand einer einarmigen Frau allein auf dem Tisch tanzt, ist das ein schmaler Grat zwischen schräg und schön. Immer wieder überrascht der Film, zeigt zauberhafte Bilder und absurde Komik. Letzteres vor allem, wenn Gott sich selbst auf die Erde begibt und etwa in einer Kirche von einem Priester Prügel bezieht, weil er dermassen über Jesus Christus lästert.

Die sechs Apostel, die Éa der Reihe nach aufsucht, liefern tragische ­Einzelschicksale: Die wunderschöne Aurélie etwa, die glaubt, dass man sie nicht lieben kann, weil sie nur einen Arm hat. Oder der Sexbesessene, der seine Kindheitsliebe wieder trifft. Und Frankreichs Filmstar Catherine Deneuve spielt eine frustrierte Ehefrau, die erst mit einem jungen Liebhaber, den sie dafür bezahlt, ins Bett geht – und dann mit einem Gorilla aus dem Zirkus. Traurige und fröhliche Geschichten über Menschen, die sich schon damit abgefunden hatten, Verlierer zu sein.•••••

Hinweis

«Le tout nouveau testament» startet morgen in den Kinos Bourbaki (Luzern), Gotthard (Zug).

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.