Luzernerin schreibt über menschliche Dramen im kommunistischen Bulgarien

Die Luzernerin Evelina Jecker Lambreva kam in Bulgarien zur Welt. Ihr Roman zeigt die soziale Situation des Heimatlandes zur Zeit der Wende.

Arno Renggli
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Evelina Jecker Lambreva. (Bild: PD)

Evelina Jecker Lambreva. (Bild: PD)

Es ist 1987, eigentlich sollte in Bulgarien das Aufkommen der neuen Zeit spürbar sein. Doch gerade auf dem Land herrscht das kommunistische System umfassend wie seit Jahrzehnten. Dies bekommt die junge Ärztin Anja zu spüren, die wie viele andere Studienabgänger in ein kleines Dorf beordert worden ist.

Dort machen ihr nicht nur die katastrophalen medizinischen Einrichtungen zu schaffen. Sondern auch das Misstrauen der Bevölkerung und des lokalen kommunistischen Beamten. Allen Widerständen zum Trotz ist sie hochmotiviert, den Menschen im Dorf so gut wie möglich zu helfen, nicht zuletzt den Kindern und Jugendlichen, die im dortigen Heim in bestürzenden Verhältnissen leben.

Zu Gunsten der Hilflosen scheut sie auch die Konfrontation mit den Vorgesetzten oder Dorfmächtigen nicht. Dank ihrer Kompetenz und Energie gewinnt sie allmählich das Zutrauen der Patienten. Und in einer der Lehrerinnen eine starke Freundin. Doch Anja muss auch einsehen, dass sie das Leid nicht verhindern und den Tod nicht immer besiegen kann.

Dokumentarisch und immer wieder emotional

Evelina Jecker Lambreva kam 1963 in Bulgarien zur Welt und Mitte der 90er-Jahre in die Schweiz, wo sie in Luzern als Psychiaterin und Psychotherapeutin arbeitet. Sie kennt ihr Herkunftsland also aus eigenem Erleben.

Ihr Roman setzt weniger auf einen straffen Spannungsbogen als eine dokumentarisch wirkenden Episodenhaftigkeit. Dadurch erzielt sie eine hohe Authentizität. Auch wenn sie viel Alltägliches und teils auch Unspektakuläres erzählt, konfrontiert sie die Leserinnen und Leser immer wieder mit sehr emotionalen Stellen. Da sind zum Beispiel solche mit dem kleinen Heimmädchen Maria, das seit Monaten jeden Tag am Bahnhof wartet in der Hoffnung, dass seine Mutter es abholt, wie sie es dereinst versprochen hat. Dieses Handlungselement wird schliesslich in einer fatalen Tragödie kulminieren.

Es ist ein düsteres Bild Bulgariens, das Evelina Jecker Lambreva zeichnet. Und es gibt spannende Einblicke in die soziale Situation im Kommunismus und Postkommunismus. Man hofft unwillkürlich, dass es heute besser ist.

Evelina Jecker Lambreva: Entscheidung. Braumüller, 288 S., Fr. 34.--.