Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

TREFFEN: Die zehn besten Theaterstücke in Berlin

Drei Premieren, zwölfeinhalb Stunden und die ganz grossen Themen: Beim Berliner Theatertreffen trifft sich die deutschsprachige Theaterwelt. Die Schweizer Bühnen sind mit dabei.
Tobias Gerosa, Berlin
Ein erster Höhepunkt in Berlin: Die siebenstündige Faust-Inszenierung von Frank Castorf. (Bild: Thomas Aurin)

Ein erster Höhepunkt in Berlin: Die siebenstündige Faust-Inszenierung von Frank Castorf. (Bild: Thomas Aurin)

Der Zeitpunkt ist günstig gewählt: Vor und im Garten des Hauses der Berliner Festspiele blühen die Kastanien, man kommt gern etwas früher, viele bleiben nach den Vorstellungen und diskutieren das Gesehene, oft mit den Akteuren, und vielleicht ist die Überforderung der Gastronomie ja sogar Plan, das Verbleiben zu fördern.

Seit Freitag und bis Mitte Mai sind in Berlin wieder die zehn bemerkenswertesten deutschsprachigen Schauspielinszenierungen der Saison zu sehen. Ein Anlass der Spitzenklasse, fürs Publikum, vor allem aber für die Theaterwelt selbst, entsprechend hoch ist die Dichte von Intendanten und Schauspielern im Publikum.

Ein siebenstündiger «Faust» voller Energie

Schwierig wurde das Gastronomie-Problem bei der Eröffnung, als die einzige Pause des siebenstündigen Stückes nicht ausreichte, dass alle etwas trinken konnten. Doch etwas Kasteiung passt sehr gut zu Frank Castorfs «Faust»-Version. Künstlerisch gehört dieser «Faust» zweifellos in diese, wie immer und unvermeidlich kritisierte 10er-Auswahl der bemerkenswertesten Inszenierungen des Jahres. Castorf verquirlt in ihr das ganze 19. und 20. Jahrhundert: Goethes Kolonisator «Faust» I und II mit Balzacs Roman «Nana» und der Dekolonialisierung Algeriens, die Handlung springt hin und her, hoch konzentriert und enervierend ausschweifend. Und alles hat eine unglaubliche Energie. Man verlässt das Theater nach gut sieben Stunden erschlagen und aufgekratzt gleichzeitig.

Etwas weiter westlich in der Schaubühne geht’s kühler zu – auch weil die Vorstellungen einfach im normalen Spielplan weiterlaufen. Intendant Thomas ­Ostermeier ist mit seiner Inszenierung von Didier Eribons «Rückkehr nach Reims» eingeladen. Ostermeier macht daraus fast eine (Vor-)Lesung. Die Schauspielerin Nina Hoss spricht das Voiceover für einen Dok-Film über Eribon mit seinem Text ein, ergänzt durch ein paar kluge Fragen. Erst im letzten Drittel beginnt Hoss mit dem Regisseur über die Fassung zu diskutieren und rutscht dabei ins Erzählen des Lebens ihres (realen) Vaters als Gegenmodell eines engagierten Lebens. Das ist inhaltlich hochrelevant und elegant fokussiert– aber theatralisch?

Zürcher Schiffbau-Box in Berlin nachgebaut

Da bietet das Schauspielhaus ­Zürich in seinen ausverkauften «Beute Frauen Krieg»-Vorstellungen mehr, der einzigen wirklichen Berliner Premiere des ersten Wochenendes. Der Schiffbau erweist sich dabei aber als gewisses Problem: Wie bringt man die Dimensionen dieser tollen Spielstätte nach Berlin? Man musste dafür weit in den Südosten in die Industriebrache, in die für diese drei Vorstellungen extra eine Theaterbox in Schiffbau-Dimension gebaut wurde. Karin Henkels feministischer, dreistündiger Blick auf die Frauen als die Opfer aller Kriege, auf die fatale männliche Logik von Opfer und Krieg berührt auch in Berlin – Ende Monat ist die Vorstellung auch nochmals in Zürich zu sehen.

Tobias Gerosa, Berlin

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.