Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

TREIBHAUS: Die Protagonisten des Dok-Films «Raving Iran» legen in Luzern auf

Arash und Anoosh aus dem Iran haben sich in die Schweiz abgesetzt, um hier Musik machen zu können. Am Samstag legen sie im Treibhaus Luzern auf und zeigen «ihren» Film «Raving Iran».
Pirmin Bossart
Das DJ-Duo Blade & Beard: Arash und Anoosh (rechts) blicken auf Teheran. (Bild: Filmstill «Raving Iran»)

Das DJ-Duo Blade & Beard: Arash und Anoosh (rechts) blicken auf Teheran. (Bild: Filmstill «Raving Iran»)

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Von ihrem Traum sind sie noch weit entfernt: «Wir wünschten uns, in den Iran zurückzukehren, weil unsere Familien dort leben. Aber wir können nicht», schreiben Arash und Anoosh per E-Mail aus Berlin. «Am liebsten würden wir in unserem Land als Musi­ker arbeiten und dort Events mit elektronischer Musik veranstalten, wie das in Europa möglich ist.»

Arash und Anoosh sind das DJ-Duo Blade & Beard. Vor zwei Jahren sind sie hierzulande mit dem Film «Raving Iran» bekannt geworden. In der eindrücklichen Dokumentation zeigt Regisseurin Regina Meures das Dilemma der beiden jungen iranischen DJs, die in einem Land leben, in dem elektronische Musik verboten ist. Mit einer versteckten Handy­kamera wird festgehalten, wie sie in der Wüste eine illegale Techno-Party durchführen. Den Frauen wird geraten, Kopftuch und Schleier mitzunehmen, falls sie von der Polizei entdeckt werden sollten.

«Alles Westliche muss weg»

Im Auto geht es durch Teheran. Eine moderne Stadt, urbaner ­Verkehr, Geschäftigkeit, doch der Schein trügt. Überdimensionierte Graffiti von bärtigen Islam-Geistlichen zieren die Geschäfts- und Wohnblöcke. Arash und Anoosh wollen eine CD mit ihrem Sound veröffentlichen. Für jeden kulturellen Akt braucht es eine Bewilligung. Elektronische Musik ist verboten. Lediglich klassisches Klavier und traditionelle Musik sind erlaubt.

Schranken gibt es auch bei Plakaten oder der Covergestaltung. Die Druckereien brauchen eine Bewilligung, sonst verweigern sie den Auftrag. «Alles Westliche muss weg», heisst es. ­«Keine unverhüllten Frauen und andere illegale Sachen.» Der Cover­entwurf zeigt den kleinen Ausschnitt eines nackten Männerrückens. «Das muss weg», sagt der Drucker. Einmal fragt Anush unschuldig, ob sie mit einer Leadsängerin auftreten könnten. «Seid ihr noch bei Trost?», antwortet die Beamtin. «Dann könnt ihr direkt zur Sittenpolizei.»

Schliesslich gelingt es den beiden DJs, über Underground-Wege doch noch ihre CD mit einem Cover zu produzieren. Doch die CD-Läden wollen sie nicht zum Verkauf annehmen. Zu gefährlich. «Die machen ­immer Kontrollen.» Auch ein Barbesitzer meint, diese Musik könne er kaum abspielen. Ob es denn nicht besser geworden sei unter dem Präsidenten ­Rohani, fragen sie nach. «Das System ist die ­gleiche Scheisse wie vorher», kommt die Antwort zurück.

Eines Tages sagt einer der beiden: «Wir vermodern in diesem Land. Wir müssen hier weg.» Kontakte werden geknüpft, um ein Visum zu erhalten, doch das starre iranische System lässt sie verzweifeln. Da trifft eines Tages eine Einladung aus Zürich ein: Sie können an der Lethargy (Streetparade) auflegen. Arush und ­Anoosh können es nicht glauben. Nach vielen Anträgen und Formularen ist es so weit: Die beiden sitzen im Flugzeug, landen in ­Zürich, werden in die Rote Fabrik gefahren.

Die Vision haben sie nicht aufgegeben

Seitdem sind zwei Jahre vergangen. Am Ende von «Raving Iran» waren sie in letzter Sekunde aus dem Taxi zum Flughafen ge­stiegen, um in Europa zu bleiben. Wie ging es weiter für sie, wo sind sie heute? «Wir leben in Zürich und produzieren Musik, auch können wir zu verschiedenen Auftritten reisen», schreiben sie zurück. «Die Situation ist gut, wir haben viel Arbeit mit unserer ­Musik.» Die beiden stellten einen Asylantrag. Inzwischen haben sie eine B-Bewilligung (Aufenthaltsbewilligung). Was schätzen sie am meisten hier? «Wir können nur sagen: Freiheit. Hier ist es problemlos möglich, Musik zu machen.»

Die DJs sind mit einem ­Ber­liner Label in Verhandlung, um ihre Musik zu produzieren und zu verbreiten. «Wir wollen grösser werden, eigene Sachen herausgeben und auch mit be­kannten Künstlern zusammenarbeiten.» Ihre Vision haben sie aber noch nicht aufgegeben: Eines Tages im Iran als DJs zu ­leben. Als Protagonisten dieses Films könnten sie vielleicht in zehn Jahren in ihr Land zurückkehren, schreiben sie. «Würden wir jetzt in den Iran reisen, könnte niemand garantieren, dass uns nichts Schlimmes passiert.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.