Musik
Die Generation Z entdeckt den Jazz: DOMI und JD Beck sind die Stars von morgen

DOMI und JD Beck sind die Internet-Sensation des Jazz. Jetzt kann man das Duo am Festival da Jazz in St. Moritz live erleben.

Stefan Künzli
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Sind sie die Zukunft des Jazz? Die französische Keyboarderin DOMI, 21, und der amerikanische Schlagzeuger JD Beck, 18.

Sind sie die Zukunft des Jazz? Die französische Keyboarderin DOMI, 21, und der amerikanische Schlagzeuger JD Beck, 18.

Bild: zvg

Keyboarderin DOMI ist der Blickfang, blutjung, zwei blonde Zöpfe stehen seitwärts ab, dazu trägt sie knallbunte, übergrosse Kleider, wie sie Jugendliche in diesem Alter halt tragen. Schlagzeuger JD Beck ist unauffälliger, versteckt sein Gesicht hinter schulterlangen Haaren. Doch zusammen sind sie die Internet-Sensation des Jazz. Ein Album gibt es nicht – das ist von gestern. Dafür unzählige Video-Clips auf Youtube. Kurze Sessions, die Jazz in Häppchen servieren, hochvirtuose Kabinettstückchen, die den Wow-Effekt bedienen, für Jazzverhältnisse hohe Klickzahlen generieren und eine auffällig grosse Anhängerschaft auf In­sta­gram gewinnen. Die Generation Z, die Generation, die nach dem Millennium geboren ist, entdeckt den Jazz.

Diese Generation definiert sich dadurch, dass sie schon in früher Kindheit in Kontakt mit digitalen Medien stand. Gegenüber der Vorgängergeneration Y gilt sie auf diesem Gebiet deshalb als «intuitiv überlegen». Doch was bedeutet dies für die Musik im Allgemeinen und den Jazz im Besonderen?

Musik- und Jazzgeschichte kann auf Youtube im Schnellzugstempo durchlebt werden. Was sich frühere Generationen mühsam über Jahre erarbeiten mussten, kann sich die heutige Musikgeneration in Tutorials und Lektionen im Netz von den besten Lehrern und Musikern innert Kürze aneignen. Youtube erlaubt die selbstständige Vertiefung in ein Fachgebiet.

Die 21-jährige DOMI und der 18-Jährige JD Beck repräsentieren diese Zoomer-Generation. Der Youtube-Algorithmus gehöre zu ihren wichtigsten Lehrern, betonen die beiden. Die bei Nancy in Frankreich geborene Domitille Degalle war drei Jahre alt, als sie Keith Jarretts «The Köln Concert» hörte und in der Folge die ganze Geschichte des Klavierjazz verinnerlichte: von Art Tatum, Oscar Peterson, Bill Evans bis zu Brad Mehldau. So nebenbei absolvierte sie das Konservatorium, bevor sie ein Stipendium erhielt am Berklee College of Music in Boston, der Talentschmiede des Jazz.

Noch schneller ging es bei JD Beck. Die Nu-Jazz-Szene in Dallas wurde auf das rasante Lerntempo des Teenagers aufmerksam und nahm den Wunderknaben unter die Fittiche. Soul-Diva Erykah Badu lud ihn immer wieder zu Sessions ein.

Auf Youtube sind DOMI und JD Beck bereits Stars.

youtube

Technik ist nicht alles, die persönliche Note zählt

Die Generation Z ist technisch und handwerklich viel weiter als die Vorgängergeneration. Diese Erfahrung machte Nico Looser, Schlagzeugdozent an der Zürcher Hochschule der Künste. Grundsätzlich begrüsst er die Entwicklung und die Möglichkeiten, die die Studierenden heute haben.

Er sieht aber auch Gefahren. Looser:

«Das Angebot im Netz kann auch überfüttern und überfordern, einen ungesunden Druck aufbauen, mit dem nicht alle umgehen können.»

Entscheidend sei, dass jeder einzelne Musiker und jede einzelne Musikerin die Fülle an Informationen einordnen und für sich das Geeignetste herausdestillieren kann. «Wenn das nicht gelingt, kann es zu Frustrationen führen und dich bremsen statt voranbringen», sagt Looser.

Jazz ist daran, das jugend­liche Momentum wiederzufinden. Auch diesen Jungbrunnen aus Amerika sollte er dankbar aufnehmen. Doch schliesslich geht es heute wie gestern um die persönliche Note. «Entscheidend ist immer noch, eine eigene Handschrift, zu entwickeln», sagt Nico Looser.

In diesem Prozess erkennt er bei der Pianistin noch keine eigene Identität. Trotz aller atemberaubenden Virtuosität hält sie noch zu stark am Fusion-Jazz der 70er-Jahre fest. JD Beck sieht er auf diesem Weg weiter. Beeinflusst von Drum’n’Bass, Dub und Hip-Hop-Grooves, habe er eine eigene Technik entwi­ckelt, mit der er die ra­santesten, hypernervösen Beats aus dem Handgelenk schütteln kann.

DOMI & JD Beck, live: 21. Juli am Festival da Jazz St.Moritz.

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