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Trompete und Tenorsax fliegen über den Harmonieteppich

Der Jazztrompeter Ralph Alessi gastierte am Sonntag mit seiner hochkarätigen Formation This Against That in St. Gallen. Auf dem letzten Konzert ihrer Europa-Tournee begeisterten die Musiker mit improvisatorischen Soundblüten.

Am Montagmorgen bereits Abflug nach Marseille ins Aufnahmestudio und dann zurück nach New York. Nach einer langen Tournee durch Europa gab sie am Sonntag das einzige Konzert in der Schweiz: Die Formation This Against That mit einem bärenstarken Ralph Alessi und vier Mitmusikern, die zur ersten Garde der US-Jazz-Szene gehören. Drei davon wurden vom Jazzmagazin «Down Beat» zu den zehn besten Vertretern ihres Instrumentes gewählt: Saxofonist Ravi Coltrane, Sohn der Jazzlegenden John und Alice Coltrane, Kontrabassist Drew Gress und Bandleader Ralph Alessi an der Trompete. Der Pianist Andy Milne, ein Oscar Peterson Schüler, und Mark Ferber am Schlagzeug bilden die treibende Harmonie- und Rhythmussektion.

«Diese Formation liegt eigentlich ausserhalb unserer Möglichkeiten», meint Richard Butz vom Veranstalter «kleinaberfein», der mit dem Jazzkonzert im Centrum dkms St. Gallen das fünfjährige Bestehen feiert. Die hochkarätige Band im Jazzuniversum zu verorten ist nicht ganz einfach. Irgendwo zwischen Mainstream, Modern und Avantgarde, bezeichnen sich die Musiker selbst als Post-Bop-Formation, die Tradition mit der Herausforderung verbinden will, Jazz auf eine neue Ebene zu heben.

Klänge von betörend intellektueller Schönheit

Und was dabei abgeht, ist bemerkenswert. Eine präzise Soundkonstruktion mit fünf Individualisten, die sich verstehen und sich gegenseitig alle kreativen Freiheiten zugestehen. Ein Harmonieteppich, der von Andy Milne und Drew Gress gewebt wird, auf dem die Trompete und das Tenorsaxofon zu fliegen beginnen, oft in langen Unisono-Passagen, die sich mit avantgardistisch anmutenden Soli abwechseln. Dabei entstehen improvisatorische Soundblüten von selten gehörter Eigenwilligkeit, Klänge von betörender intellektueller Schönheit. Es sind diese traumwandlerischen Ausflüge weit aus dem musikalischen Schema und das ebenso punktgenaue Zurückfinden, die wohl erst am Ende einer langen Tournee möglich werden.

Wenn es trotz allerhöchstem Niveau eine leise Kritik geben soll, dann diese: Der zweite Teil des Konzertes wirkt überzeugender. Es dauert recht lange, bis die fünf Musiker zum Flow gelangen und gegen Schluss kaum mehr zu bremsen sind.

Feine Pianoeinsätze im Minimal-Music-Stil wechseln sich ab mit asketischer Avantgarde, garniert mit zahllosen chromatischen Auf-und Abstiegen. Dass Andy Milne mit deutlich weniger Tönen auskommt als sein Ziehvater, spricht für seine musikalische Weiterentwicklung in Richtung Verknappung und Askese. Auch verfremdete Pianotöne sind zu hören, erzeugt durch allerlei Ketten, die auf die Saiten gelegt werden. Die Schwerarbeit auf dem Kontrabass, die Drew Gress zu verrichten hat mit seiner unglaublichen Schnelligkeit der Tonfolgen, kommt im Ohr überraschend schwerelos an.

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