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Tumult auf der Plüschhasentribüne

Castingshow und Song Contest? Gab es schon in den Fünfziger Jahren bei Lodengrün & Co., in James Krüss' Hörspiel «Der Sängerkrieg der Heidehasen». Rahel Wohlgensinger und Simon Engeli lassen die Hasen wieder singen: ein nostalgischer, witziger Wettlauf gegen die Uhr.
Bettina Kugler
Gut bei Stimme, dank Walderdbeeren: Lodengrün, gespielt von Rahel Wohlgensinger, daneben Simon Engeli als stolze Hasenmutter. (Bild: Donato Caspari)

Gut bei Stimme, dank Walderdbeeren: Lodengrün, gespielt von Rahel Wohlgensinger, daneben Simon Engeli als stolze Hasenmutter. (Bild: Donato Caspari)

Er jodelt sogar noch im Schlaf, eingebettet in wohlige Schnarchlaute: Lodengrün, der junge Hüpfer mit dem Edeltenor; ein Luftikus, ein Taugenichts. Gleichwohl ist er Topkandidat im Sängerkrieg der Heidehasen und Herzenshäschen der Prinzessin, um deren Hand geschmettert wird im Song Contest am Hofe Lamprecht des Siebten. Es muss am Ohrenschmalz liegen, das er sich lustvoll aus den Löffeln putzt und von der Pfote schleckt, oder am rohen Ei; die Stimme jedenfalls ist famos.

Die Neider schlafen nicht

Wären nur nicht die Widersacher aus Obereidorf: Direktor Wackelohr, selbst scharf auf die Prinzessin, und der Gesangsminister. Für hunderttausend Hasentaler fädelt er eine Intrige ein, am Ende aber, so viel sei verraten, suchen beide das Weite. Die Plüschhasen auf der Tribüne jubeln, und auf der Heide wird geheiratet: tanzen, schmausen, Hasenkuss und Schluss.

So steht es im Drehbuch des Reim- und Erzählkönigs James Krüss; Rahel Wohlgensinger und Simon Engeli halten sich in ihrer Version für zwei Schauspieler, zwei Klappmaulhasen und viele weitere Stoffhäsli getreulich an das Stück, das als Hörspiel ein Klassiker der 1950er-Jahre wurde. Witzig ist es immer noch, dazu braucht es nicht einmal ­einen Schwenk ins Zeitalter der Castingshows. Gespielt wird zwar nicht auf der grünen Heide, zwischen Kohlrabi und Salat, doch immerhin im Freien, nur einen Steinwurf weit von Grünzeugbeeten: im Hof des Naturmuseums Thurgau, unter einer Zeltplane – zum Glück, sonst hätte die Fangemeinde Lodengrüns zur Premiere ein nasses Fell bekommen.

Ein Bühnenzweirad mit viel Schnickschnack

Die Bühne von Beat Fuhrimann lässt die Herzen fahrender Bänkelsänger und Spielleute höher schlagen: Sie ist Königshof, Kaninchenbau, Festtribüne, heisser Ofen, alles in einem und auf zwei Rädern. Das passt, denn es muss immer fix gehen in dieser knappen Stunde. Wie Lodengrün, dem Wackelohr heimlich die Uhr verstellt, sind die famosen Schauspieler unter der Regie von Giuseppe Spina im Dauerwettlauf gegen die Zeit – nehmen es aber dabei auch so gemütlich, dass kleine Hasen von der Geschichte nicht komplett überfahren werden. Vor allem der Gesang wird weidlich ausgekostet: ein urkomischer, nostalgischer Genuss, genauso wie das Spiel mit dem Einfachen und Handgemachten. Das Beste, was Hasen tun können – gleich nach dem Eierbemalen.

Nächste Vorstellungen: 12.5., 16.6., 23.6., 15 Uhr, Naturmuseum Thurgau (Museumshof)

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