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TV: Trumps liebste Fernsehfamilie

Nach über 20 Jahren gibt die auch bei uns sehr bekannte TV-Serie «Roseanne» ein kontroverses Comeback. Sie will die Anliegen der amerikanischen Rechten auf den Bildschirm bringen.
Lory Roebuck
Die Conners (mit Roseanne Barr, vorne Zweite von links, dahinter John Goodman) sollen die US-Arbeiterfamilie repräsentieren. (Bild: ABC)

Die Conners (mit Roseanne Barr, vorne Zweite von links, dahinter John Goodman) sollen die US-Arbeiterfamilie repräsentieren. (Bild: ABC)

Lory Roebuck

kultur@luzernerzeitung.ch

Der US-Präsident griff höchstpersönlich zum Hörer, um der Schauspielerin und Komikerin Roseanne Barr zu gratulieren. 18 Millionen Zuschauer hatten vor einem Monat bei der ersten neuen Folge ihrer Serie «Roseanne» zugeschaltet – ein neuer Rekord für eine Sitcom im US-Fernsehen. Wenige Tage später jubelte Donald Trump vor seinen Anhängern in Ohio: «18 Millionen Menschen haben eine Serie geschaut, die von uns handelt.»

Die Faszination ist gegen­seitig: Die 65-jährige Barr, die 2012 noch als Kandidatin der Grünen zur US-Präsidentschaftswahl angetreten war, ist heute leidenschaftliche Trump-Anhängerin. Von der Alt-Right-Bewegung wird Barr für ihre unverblümten Aussagen in den sozialen Medien ­gefeiert. Doch als die Komikerin kürzlich ein Foto veröffentlichte, auf dem sie als Hitler verkleidet war, sah sich «Roseanne»-Produzent Bruce Helford zu einer öffentlichen Aussage genötigt: «Ich bitte alle Zuschauer, Barrs Ansichten und die Serie getrennt voneinander zu betrachten.»

US-Sitcom-Welt auf den Kopf gestellt

Bloss: Roseanne Barrs persönliche Ansichten haben immer schon auf ihre Fernsehfigur Roseanne Conner abgefärbt. Als «Rose­anne» 1988 erstmals lief, stellte die Serie die amerikanische Sitcom-Welt auf den Kopf. Sie war der Gegenentwurf zu damals populären Sitcoms wie «Alf», zur «Bill Cosby Show» oder «Unser lautes Heim», die alle in der ur­banen Mittelklasse angesiedelt waren. «Roseanne» dagegen, über die am Rande des Existenzminimums lebende Familie Conner, bildete die stolze Arbeiterklasse des ländlichen Amerikas ab. Die Serie, die ab 1990 auch auf dem deutschen Sender Pro 7 zu sehen war, lief neun Jahre lang und ­erreichte Mitte der 90er mehr TV-Zuschauer als jede andere ­Sitcom.

«Roseanne» lebte vom aufbrausenden Humor der Hauptdarstellerin, die sich ihre Sporen als Stand-up-Komikerin abverdient hatte. Barr stieg zur Pro­duzentin und Autorin der Serie auf, die immer wieder auch für ihren Realismus gelobt wurde. Sie liess viele eigene Erlebnisse ein­fliessen und scheute sich nicht, heikle Themen wie Abtreibung, Homosexualität und Rassismus aufzugreifen.

Dass Barr allerdings nicht nur vor der Kamera die Matriarchin gab, wurde ihr zum Verhängnis. Noch heute kreiden ihr Fans an, «Roseanne» mit dem vielleicht bizarrsten Serienende der Fernseh­geschichte jede Glaubwürdigkeit geraubt zu haben. In der damals allerletzten Folge, ausgestrahlt im Mai 1997, entpuppten sich viele bedeutende Ereignisse aus der Serie als reine Fabulierungen, als Ideen aus einem Buch, das Roseanne Conner am Verfassen war: Die Conners hatten nie im Lotto gewonnen, dafür war Roseannes Ehemann Dan an Herzversagen gestorben.

Jetzt, knapp 21 Jahre später, macht die erste neue «Roseanne»-Folge einiges wieder rückgängig. Die Conners sind zwar immer noch arm, dafür wird Dans angebliches Ableben mit einem kurzen Gag unter den Teppich gekehrt. Ein Comeback der Serie ohne Dan-Darsteller John Goodman? Undenkbar.

Roseanne lästert über Fake News

Weshalb US-Präsident Trump die Neuauflage der Serie gefällt, wird schnell klar: Roseanne lästert über Obama-Care, Fake News, Political Correctness. Roseanne hat für Trump gestimmt.

Die neuen «Roseanne»-Folgen holen den politischen und kulturellen Grabenkampf Amerikas mitten in das Wohnzimmer der Conners. «Wir wollen unserem tief gespaltenen Land eine Brücke sein», beteuert Barr. Tatsächlich finden sich in den bisher ausgestrahlten Episoden auch nuancierte, berührende Szenen. In einer etwa umarmt Roseanne ihre – schwarze – Enkelin Mary, die Tochter von Sohn DJ, der aus dem Syrienkrieg zurückgekehrt ist.

Es wäre zu einfach, die Serie auf Linken-Bashing zu reduzieren. Dass «Roseanne» nun aber jene Zuschauer bedient, die sich von Hollywood abgehängt fühlen, lässt sich schwer von der Hand weisen. Und Roseanne hat auch nach 21 Jahren noch nicht gelernt, wie man sich für ein Fehlverhalten entschuldigt.

Wann die acht neuen Folgen auch bei uns zu sehen sein werden, ist noch unklar. Der US-Sender ABC hat aber angesichts ihres Erfolgs jetzt schon eine weitere neue Staffel in Auftrag gegeben.

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