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TV: Verlieren war für Stefan Raab nie eine Option

Heute endet eine Ära im deutschsprachigen Fernsehen: Stefan Raab (49) macht ein letztes Mal «TV Total». Er war stets mindestens so verbissen wie erfolgreich.
Stefan Raab hat in den letzten 16 Jahren im deutschen Fernsehen den Ton angegeben. (Bild: Keystone)

Stefan Raab hat in den letzten 16 Jahren im deutschen Fernsehen den Ton angegeben. (Bild: Keystone)

Michael Graber

Wollte man alle Folgen von «TV Total» am Stück schauen, man könnte locker zwei ganze Monate vor dem Fernseher verbringen – lebenswichtige Dinge wie Schlafen, Essen, Trinken sind noch nicht mal mit eingerechnet. Heute Abend ist es zum letzten Mal soweit: Stefan Raab verabschiedet sich von seiner Sendung – am Samstag folgt dann mit «Schlag den Raab» sein endgültiger Fernsehabgang.

Über 2200 Mal in 16 Jahren wurde die Sendung ausgestrahlt, das ist in der schnelllebigen Fernsehzeit eine Ewigkeit. Doch nicht nur wegen «TV Total» bleibt Stefan Raab eine der prägendsten Figuren der jüngeren Fernsehgeschichte. Er kreierte eine ganze Menge an weiteren Formaten und schaffte es, selbst aus kompletten Nebensächlichkeiten eine abendfüllende – oder böser: ausufernde – Sendung zu machen. Turmspingen gehört da ebenso dazu, wie eine Wok-WM, bei der sich Promis in einer Pfanne auf eine Bobbahn wagen.

Sinkende Quotenkurve

Er liess sich auch von Boxerin Regina Halmich in einem Showkampf die Nase brechen, veröffentlichte zahlreiche Musiksongs und schaffte es mit einer von ihm gecasteten Kandidatin, Lena Meyer-Landrut, den Eurovision Song Contest für Deutschland zu gewinnen. Er selber nahm an selbigem Contest auch einmal teil. Songtitel: «Wadde hadde dudde da?».

Kurzum: An Raab vorbeizukommen, war seit seinem Wechsel vom Musiksender Viva zu Pro7 eigentlich unmöglich. Auch wenn seine Quotenkurve in der letzten Zeit nach unten tendierte, blieb er stets Taktgeber und Innovator. Formate wie das krawallige «Circus Halligalli», aber auch das clever-komische «ZDFneo-Magazin» wären ohne die Vorarbeit von Raab im deutschsprachigen Fernsehen kaum denkbar. Raab ist da ein bisschen wie im Leben der ältere Bruder, der bei den Eltern Grenzen auslotet, damit die Geschwister nachher noch frecher werden können.

Das ist eine beachtliche Leistung. Zumal Raab eigentlich gelernter Metzger ist (er hat daneben aber auch noch Rechtswissenschaften studiert) und als Produzent von Jingles in die Fernsehbranche rutschte. Nicht nur beim Zerlegen von Tieren zeigte sich Raab unzimperlich, sondern auch mit seinen Spott-Zielen. Wer einmal in die Fänge von Raab geriet, musste sich auf einiges gefasst machen. Witze wurden bis zum bitteren Ende wiederholt, und es konnten auch unbedarfte Menschen treffen. Raab suchte sich seine Opfer in Fernsehsendungen aus und gab sie anschliessend vor einer grösseren Öffentlichkeit der Lächerlichkeit preis.

Mit aufgeschürftem Gesicht

Er selber hält sein Privatleben dagegen konsequent geheim. Zwei Töchter und eine Lebensgefährtin habe er, eine Villa in Köln und eine Fluglizenz. Auch nach all den Jahren weiss man kaum etwas über den Privatmann, dafür umso mehr über den Showmann. Vor allem in seiner Sendung «Schlag den Raab», in der Kandidaten gegen den Moderator um Millionenbeträge kämpfen, zeigte er sich von seiner verbissensten Seite.

Einmal spielte er die Show zu Ende, obwohl er sich bei einem Mountainbike-Sturz in der Sendung das Jochbein und die Kieferhöhlenwand gebrochen hatte. Mit aufgeschürftem Gesicht und wirrem Geist kämpfte er verbissen bis zum Schluss – unterlag dann aber, was in dieser Sendung die Ausnahme war. Verlieren war sowieso nie eine Option für den Kölner.

Selber wählen

Vielleicht ist das auch der Grund, warum der 49-Jährige jetzt den radikalen Schlussstrich zieht: Jetzt kann er noch als Gewinner gehen. Er wählt den Zeitpunkt selber und wird nicht von einem Sender abgesetzt – Pro 7 hatte ihm eine langjährige Vertragsverlängerung angeboten, die er ausschlug.

Vielleicht ist er aber auch einfach etwas müde geworden: Raab war schon länger nicht mehr der Alte, jener aus den Anfangszeiten. Sein Klamauk beschränkte sich aufs Studio, aufs Gewohnte. Der hungrige und freche Raab aus seiner Viva-Zeit, als er verdatterten Prominenten mit seiner Ukulele Schmäh-Songs entgegenschmetterte, schien schon länger in Pension. Dorthin geht jetzt auch der erwachsene Stefan Raab. Wobei: So richtig glauben will man das noch gar nicht. Vielleicht ist alles einfach auch nur ein grosses Täuschungsmanöver. Wenn man das einem zutrauen kann, dann ihm.

Das letzte «TV-Total»: heute um 23.15. Das letzte «Schlag den Raab» Samstag um 20.15 auf Pro 7.

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