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U20-Champion im Poetry Slam dichtet über Rassismus und Gesundheitswahn

Der Aargauer Jeremy Chavez ist der neue Schweizer Meister im U20-Poetry-Slam. An den Meisterschaften im Luzerner Neubad überzeugte er mit politischen Statements und einem geschliffenen Auftritt.
Céline Graf
Mit starken Texten gewann Jeremy Chavez (r.) das U20-Finale im Poetry Slam gegen Jusef Selman (l.) und Noah Oetterli. (Bild: Christian Felber, Luzern, 28. März 2019)

Mit starken Texten gewann Jeremy Chavez (r.) das U20-Finale im Poetry Slam gegen Jusef Selman (l.) und Noah Oetterli. (Bild: Christian Felber, Luzern, 28. März 2019)

Und dann fallen Schüsse. Unter anderem einer für die Frau mit den grauen Haaren im Bus, die rassistische Bemerkungen macht. Am Schluss einer gegen sich selbst. Der Text, mit dem der Aargauer Jeremy Chavez (19) an den Poetry-Slam-Meisterschaften in Luzern in die Endrunde des U20-Finals einzog, war politisch, wütend und sehr, sehr gut vorgetragen.

«Kein Mensch wird in dieser Welt als Terrorist geboren. Der Mensch ist gut, doch er kann lernen, zu hassen. Für mich ist Extremismus nur gescheiterte Integration.»

Diese Sätze, auswendig, klar und deutlich hingeschleudert, mit präziser Dramaturgie komponiert, sassen. Das Publikum im Neubad stampfte beim Applaus, es gab die Bestnote des Abends.

In der Endrunde schlug Jeremy Chavez seine beiden Konkurrenten Noah Oetterli aus Thun und Jusef Selman aus dem Thurgau mit einem Text über Gesundheits- und Schönheitswahn. Jener war lustiger als der erste, aber ein nicht weniger ernst gemeintes Statement an die Gesellschaft.

«Wir sind alle hässlich, und das ist gut so», befand der Schüler aus Villmergen bei Wohlen, nachdem er sich über die ungesunden Ausprägungen von Fitness und Ernährung ausgelassen hatte. «Lacht über euch», lautete sein Rat, statt «an Ingwerwurzeln zu nuckeln».

Er habe viel geübt, sagte der sichtlich glückliche Sieger nach dem Finale. Besonders den Text über Rassismus: «Darin erzähle ich von persönlichen Erfahrungen. Anfangs wurde ich beim Vortragen auf der Bühne immer sehr emotional. Ich musste lernen, mich besser zu kontrollieren.»

Bagger, Jessica und Klima

(cg.) Von den anderen U20-Finalisten viel Applaus bekam Noah Oetterli für seine Stimmimitationen und rabiate Mundartgeschichte über einen Baggerfahrer aus dem Reality-TV. Die beste schauspielerische Leistung legte Basil Frei aus Zürich mit einem gewisperten Gruselmärchen aus dem Teutoburger Hain hin. Jusef Selman, selbsternannter «Sultan vom Thurgau», und Max Kaufmann aus Allschwil, letztjähriger U20-Champion, setzten auf Selbstironie. Kaufmann klagte erneut über Liebeskummer, dieses Mal wegen «Jessica», auf die er originellerweise «Schnöre ha» reimte. Die Umweltdebatte nahmen Caterina John aus Bubendorf sowie Benjamin Flur Koch aus Dietwil zum Ausgangspunkt ihrer Texte. Während die einzige Frau der Runde ein leider nur mittellustiges Wortspiel-Feuerwerk über Werbungen zündete, performte Koch wie ein Hörspiel in einer Person eine mythologische Saga um streitende Götter namens «Ökologos» oder «Klima». Der fantasievolle Beitrag, laut dem nachhaltiges Denken eben dann stattfindet, «nachdem man angehalten hat», hätte einen höheren Rang verdient gehabt.

Jeremy Chavez und Benjamin Flur Koch von der Kantonsschule Wohlen treten heute Abend noch im Team an.

Die Poetry-Slam-Meiserschaften der Schweiz dauern noch bis morgen Samstag. Die Einzelvorrunden, das Teamfinal und das Einzelfinal sind ausverkauft.

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