Buchpremiere: Über den Zaun geblickt mit Merz & Lutz

"Firma" heisst das nächste Woche erscheinende neue Buch des Aargauer Schrifstellers Klaus Merz. Vor der Premiere am Literaturhaus Zürich las Merz im St. Galler Keller zur Rose Ausschnitte daraus - gewitzt umspielt von Rudolf Lutz.

Bettina Kugler
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In "Firma" vereint Klaus Merz Prosa und Gedichte in einem Band. Am Mittwochabend war der Schriftsteller zu einer Vor-Premiere in St. Gallen. (Bild: KEYSTONE/SIGI TISCHLER)

In "Firma" vereint Klaus Merz Prosa und Gedichte in einem Band. Am Mittwochabend war der Schriftsteller zu einer Vor-Premiere in St. Gallen. (Bild: KEYSTONE/SIGI TISCHLER)

Ein Wörtchen mehr im Titel, und man müsste sich einen dickleibigen Schmöker vorstellen; einen Thriller vermutlich, auf jeden Fall einen «Pageturner». Der Aargauer Schriftsteller Klaus Merz jedoch, Lyriker und poetischer Verdichter auch seiner Prosatexte, versteht sich aufs Sparen. Also heisst das Buch, das nächste Woche im Literaturhaus Zürich vor grossem Publikum getauft wird, schlicht «Firma», ohne «Die». Man liest langsam darin, streift in kleinen Momentaufnahmen fünfzig Jahre Zeit- und Gesellschaftsgeschichte, vom Prager Frühling bis zur Finanzkrise. Flüchtige Episoden mit Tiefenschärfe fügen sich zu einer Firmen-«Saga» der anderen Art.

Lutz am Keyboard, mit Buch statt Noten

Ausschnitte aus «Firma» las Klaus Merz bereits am Mittwoch als Gast der St. Galler Buchhandlung zur Rose im Rose-Keller. Kein einziger Platz blieb da frei, zumal Merz nicht alleine kam, sondern als Duo «Merz & Lutz». Bei Rudolf Lutz am E-Piano sah das druckfrische Buch bereits zerlesen aus – recht so. Tastend und augenzwinkernd liess er nachklingen, was ungesagt zwischen den Gedicht- und Prosa­zeilen hörbar wird, borgte sich je nach Anlass bei Mendelssohn/Wagner oder den Beatles, präludierte schon die nächste Episode.

Friedhof und Minigolf in direkter Nachbarschaft

Das Buch vereint, was für ­gewöhnlich in getrennten Schubladen aufbewahrt, gedruckt, verkauft wird: die eigensinnig aufgezeichnete Chronik eines kleinen Unternehmens und Gedichte «über den Zaun hinaus». Auch da liegen Friedhof und Minigolf­anlage, Trauerzug und Tennisplatz nah beisammen – und die Worte fliegen leicht wie Bälle zwischen den Welten hin und her.

Klaus Merz: Firma. Haymon, 136 S., Fr. 30.- Buchpremiere 7.2., 19.30 Uhr, Literaturhaus Zürich