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Konzert in Luzern: «Unerhörte» Klänge von vier Blaswandlern

Das Arte-Quartett vom Forum Neue Musik Luzern spielt unter dem Namen EW-4 im Neubad. Vier Uraufführungen unterschiedlichster Art überraschen, faszinieren und begeistern. Dies auch dank Technik.
Gerda Neunhoeffer
Das Arte-Quartett trat im Neubad als EW-4 auf. (Bild: PD)

Das Arte-Quartett trat im Neubad als EW-4 auf. (Bild: PD)

Das Forum Neue Musik Luzern veranstaltet zu seinem 30-Jahr-Jubiläum am 30. jedes Monats ein Konzert, und das jedes Mal an einem anderen Ort. Nach vier Klavieren im Musikzentrum ­Sedel, sieben Gitarren am Seetalplatz und mit dem Vokalensemble Zürich wieder im Sedel fand am Freitagabend im Neubad die Produktion «LU FTSR OM» mit vier Uraufführungen statt.

«Was sind Blaswandler?», fragt sich so mancher im Publikum auf den blauen Planen im ehemaligen Hallenbad. Man blickt auf vier Laptops, Notenständer mit Tablets, eine Leinwand, Lautsprecher und Kabel. Es wird dunkel im hohen Raum, nur noch schwach beleuchtet treten die vier Musiker von EW-4 auf. Beat Hofstetter, Sascha Armbruster, Andrea Formenti und Beat Kappeler haben die Blaswandler in den Händen: Es sind elektronische Instrumente, deren Spielweise Blasinstrumenten nachempfunden ist. Und was sie damit machen können, ist «unerhört», neuartig, faszinierend.

Akustische und optische Veränderungen

Man blickt auf die Leinwand, auf der sich zunächst einzelne Punkte immer wieder neu formieren. Im Verlauf von «Flock 18» von Orm Finnendahl, der auch anwesend ist, geschehen sowohl optisch als auch akustisch hoch spannende Veränderungen, die eine Menge Assoziationen zulassen. Von losen Blättern im Wind, die von leisem Rauschen und ab und zu einem Klacken wie von ­Ästen getragen sind, entwickeln sich nach und nach immer neue Figuren aus den Punkten, die sich zusammenballen, auseinanderdriften, immer mehr werden. Sie sind verbunden mit den Geräuschen der Instrumente, die sich allmählich in Klänge auffächern. Und man sieht und hört Wellen, Wind, Schwärme von Vögeln oder Fischen. Sternschnuppen scheinen durch unzählige Sterne zu flitzen, Töne und Klänge rasen, alles beeinflusst sich gegenseitig. Nur aus Punkten, Strichen und elektronischer Musik entstehen klingende Bewegungen, die zu Geschichten werden. Man ist überwältigt von den schier unendlichen Möglichkeiten dieser elektronisch verbundenen Kombinationen für Ohren und Augen.

In «fEWI» von Ulrike Mayer-Spohn hört man aus einem Kassettenrekorder Volksmusik, unmerklich greifen die Musiker das auf, verfremden es, und dann klingt es plötzlich wie Klavier, die Töne reihen sich rundum, und man hört das berühmte «Ave Maria» von Bach/Gounod. Wie die Instrumentalisten auch noch virtuose Sänger werden, überrascht.

Sirenenartiges An- und -Abschwellen

Völlig anders dann die nächste Uraufführung, «Nightstreams» von Yannis Kyriakides (1969). Da fängt es mit kaum hörbarer Luft an, zarter Wind, der sich langsam verstärkt, wird hörbar, dann pfeift es, rauscht, wandelt sich in tiefes Wummern. Dazu sirenenartiges An- und -Abschwellen von Tönen, das sich in Loops verstärkt, verdichtet und endlich wieder abschwillt.

Nach der Pause gibt es einen Trailer für ein Stück von Christoph Ogiermann und Matteo Bonafini, das 2019 von den Musikern gespielt werden wird. Mit der Uraufführung von «Legend» sind die Bläser in verschiedenen Positionen zu erleben. Komponist Emilio Guim ist selber an einem Computer sitzend beteiligt.

Es begeistert, dass die Musiker kurz auf schmalen Leinwänden erscheinen und ihr Saxofonspiel von dort mit einfliesst, dass auch mal auf Schreibmaschine live getippte Texte erscheinen, dass die Bläser quasi Drumrhythmen erzeugen und unzählige Klänge ineinander fliessen. Nicht zuletzt ermöglichen Technik und Klangregie das Konzert mit elektronischer Musik, die durch ihre Vielfältigkeit bestens ankommt.

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