Desktop-Film: Tochter verzweifelt gesucht 

Was passiert mit uns, wenn sich ein Grossteil unseres Lebens auf Bildschirmen widerspiegelt? Ein packender Thriller geht diesen Fragen nach. «Searching» spielt sich nur auf dem Handy und Computer ab.

Regina Grüter
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Das Ende der zermürbenden Suche von David Kim? (Bild: Sony)

Das Ende der zermürbenden Suche von David Kim? (Bild: Sony)

Whatsapp, Facetime, E-Mail, ­Skype – der US-amerikanische Thriller «Searching» entfaltet seine ganze Erzählkraft über Kommunikationsmittel, wie sie heute von den meisten auf der ganzen Welt genutzt werden. Alles spielt sich auf Bildschirmoberflächen ab; in diesem Film gibt es kein «echtes» Bild der Protagonisten, nur deren virtuelle Erscheinung auf dem Handy oder Laptop.

«Searching» erhielt den Publikumspreis am Sundance-Filmfestival nicht nur wegen seiner modernen Erzählweise. Dem Film gelingt es tatsächlich, die Emotionen zu transportieren, die es für diese klassische Entführungsgeschichte braucht.

Die Social-Media-­ Identität

Die Kims sind eine normale Kleinfamilie. Die liebevollen Eltern knipsen und filmen die kleine Margot von der Geburt bis zur Highschool. Als die Mutter krank wird, verändern sich die Bilder – die Fotos und Videos zeugen ­davon, wie es ihr schlechter und schlechter geht. Die sechzehnjährige Margot und ihr Vater David (John Cho) bleiben allein mit ihrer Trauer und ihren Erinnerungen. Sie finden keinen Weg, sich gegenseitig Halt zu geben. Ihr Umgang ist zwar vertraut, doch wie wenig David seine Tochter kennt, merkt er, als sie plötzlich verschwindet.

Zugang zum Computer der Tocher

Bis zu diesem Zeitpunkt haben die Drehbuchautoren Aneesh Chaganty und Sev Ohanian genügend Identifikationspotenzial mit der Figur des Vaters geschaffen, der verzweifelt nach Hinweisen nach dem Verbleib seiner Tochter sucht. Telefonate mit vermeintlichen Freunden deuten immer mehr darauf hin, dass Margot ein sehr einsames Mädchen ist. Schon 37 Stunden sind seit ihrem Verschwinden vergangen, als sich David Zugang zum Computer seiner Tochter verschafft, um die Ermittlungen zu unterstützen. Auf Facebook und Tumblr findet er Spuren, die auf eine Entführung hindeuten. Oder ist Margot einfach weggelaufen, wie die Ermittlerin ihn zu überzeugen versucht?

Aneesh Chaganty, der auch Regie führte, ist ein emotionales Début mit einigen Wendungen gelungen, vergleichbar mit «Taken» mit Liam Neeson. Und die «Screenlife»-Erzählweise funktioniert so gut, dass man sie stellenweise sogar vergisst.