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«Na, Maloney?» – Warum sich das Kult-Hörspiel seit 30 Jahren am Radio hält

30 Jahre und kein Ende in Sicht: Das SRF-Hörspiel «Die haarsträubenden Fälle des Philip Maloney» von Roger Graf bleibt der beliebteste Schweizer Krimi für Ohren. Eine Ermittlung der Gründe.
Céline Graf
Zwei unverkennbare Stimmen, die Säle füllen: Michael Schacht, Sprecher von Philip Maloney, und Heinz Margot.

Zwei unverkennbare Stimmen, die Säle füllen: Michael Schacht, Sprecher von Philip Maloney, und Heinz Margot.

Er könne von seiner Hörspielserie gut leben, schreibt Roger Graf. «Diesen Satz werden Sie nicht so oft hören», so der Zürcher Schriftsteller. Honorar, Senderechte, Lesungen, CDs, Streaming: Alles in allem «ein schöner Batzen» bringt Graf seine Radioserie «Die haarsträubenden Fälle des Philip Maloney» auf Radio SRF 3 (früher DRS 3) ein.

Von finanziellem Erfolg kann der Protagonist selbst nur träumen. Der Privatdetektiv Philip Maloney ist froh, wenn seine oft zwielichtigen Klienten ihn überhaupt bezahlen. Manchmal springt auch nur ein Lohn in Naturalien heraus. Eine Flasche Whisky zum Beispiel, oder ein Stündchen mit einer Klientin. Zu beidem sagt der misanthropische Junggeselle, der unter seinem Schreibtisch übernachtet, nie Nein. Nur mit einer schusssicheren Weste muss sich Maloney in der neusten Folge «Die Armbrust» begnügen.

Mit Abstand das beliebteste Hörspiel

Seit 1989 löst der launische Ermittler sonntags zwischen 11 und 12 Uhr einen Fall. Nach 30 Jahren und über 400 Folgen ist und bleibt er der bekannteste Schweizer Hörkrimi. «Mit Abstand», sagt Reto Ott. Er ist Regisseur, Dramaturg und Teamleiter Hörspiel bei SRF.

Der Schauspieler Michael Schacht, der Maloney spricht, und ein Kollege (früher Jodoc Seidel, heute Heinz Margot) füllen mit ihren Livelesungen vor Publikum Säle. «Da werden wir anderen Hörspielmacher neidisch», sagt Ott. Wenn er auf einer Studioführung frage, welche Radiohörspiele die Leute kennen würden, werde immer zuerst «Philip Maloney» genannt.

Dieser Krimi, den Roger Graf als Parodie auf den amerikanischen Kultdetektiv Philip Marlowe von Raymond Chandler erfand, ist unsterblich. Nicht zuletzt trotzt er auch der Konkurrenz durch den True-Crime-Boom der letzten Jahre. Was steckt dahinter?

1. Indiz: Identifikation

«Es passt vieles zusammen», schreibt der 60-jährige Roger Graf, der heute nur noch per E-Mail Interviews gibt. Einen Grund, den er nennt, sind die Dialoge. Er nehme für sich «ganz unbescheiden» in Anspruch, dass diese gut seien. Dazu gehören besonders die Geplänkel zwischen Maloney und seinem Gegenspieler, einem namenlosen Polizisten. Ihre typischen Sprüche sind dabei Pflicht («Üble Sache, Maloney!»), ebenso Beleidigungen. «Er blätterte in seinem Gehirn wie in einem Buch, in dem fast alle Seiten fehlen», feixt Maloney etwa in «Die Armbrust». Er ist ja selbst kein Siegertyp. Aber immerhin stets dem dummen Polizisten überlegen, der höchstens Kreuzworträtsel zu lösen vermag.

Während die Hauptfiguren seit Jahrzehnten gleich sind, gehen die Themen der Serie mit der Zeit. So treibt in «Die Armbrust» ein Schütze sein Unwesen, kurz vor der Abstimmung über das Waffenrecht. Beides schafft bei den Hörern Identifikation.

2. Indiz: Sendeplatz

Das Einschalten am Sonntag zum Frühstück ist für viele Hörer ein fast religiöses Ritual. «Der Sendeplatz ist ideal», bestätigt Graf.

3. Indiz: Format

Sonntag war lange Zeit auch der Tag von «Fascht e Familie» oder «Lüthi und Blanc» im Schweizer Fernsehen. Maloney ist eine Sitcom: ideal für Familien. Mit Comedy, liebenswerten, schrulligen Figuren und ohne explizite Gewalt- und Sexszenen.

4. Indiz: Arbeitsverhältnis

Roger Graf produziert die Serie in Eigenregie. Bis auf die Aufnahmen erledigt er alles zu Hause, vom Schreiben bis zum finalen Abmischen. Er und das Radio sind wie Maloney und der Polizist: Sie brauchen einander, geben sich aber ihre Freiheiten.

Wann der Detektiv in Pension geht, lässt der Autor offen. «Ich entscheide jeweils im Herbst, ob ich noch ein Jahr weitermache.» Freude dran habe er immer noch. Maloney dürfte also noch lange tun, was er immer tut: Lebensunterhalt verdienen.

Lesungen und nächste Folge am Radio:

1. Mai 2019 - 19.30 Uhr
6020 Emmenbrücke - Le Theatre im Gersag Emmen
Die Philip Maloney-Lesetour 2019 - mit Michael Schacht und Heinz Margot
www.le-theatre.ch

3. Mai 2019 - 20 Uhr
9500 Wil - Kulturbahnhof Gare de lion
Die Philip Maloney-Lesetour 2019 - mit Michael Schacht und Heinz Margot
www.gardelion.ch

5. Mai 2019
Philip Maloney auf Radio SRF 3
Ein armer Schlucker

Eine junge Frau bittet Maloney, in der Wohnung ihres Vaters an der Tür zu stehen und ihr verdächtige Geräusche im Treppenhaus zu melden. Maloney zweifelt schon bald daran, dass sich die Frau legal in der Wohnung aufhält, doch zwei Stunden später ist der Spuk vorbei und Maloney kassiert sein Honorar. Als er sich später danach erkundigt, wer der Mieter der Wohnung ist, trifft er auf die Polizei. Mehr Infos

09. Mai 2019 - 20 Uhr
Zürich - Bernhard Theater
Die Philip Maloney-Lesetour 2019 - mit Michael Schacht und Heinz Margot
www.bernhard-theater.ch

Alle Daten: rogergraf.ch

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