Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Bildstrecke

Urban Sketchers in Luzern: Sie zeichnen ihre Stadt

Jetzt gibt es auch in Luzern Anlässe für Urban Sketchers. In der internationalen Gemeinschaft zeichnen Profis und Laien, was ihnen so begegnet. Im Naturmuseum Luzern waren es Tiere – und Reporterinnen.
Céline Graf
«Mal etwas Neues probieren»: Christiane Amacker und weitere Sketchers waren im Naturmuseum. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 24. Februar 2019).

«Mal etwas Neues probieren»: Christiane Amacker und weitere Sketchers waren im Naturmuseum. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 24. Februar 2019).

Das Wildschwein ist umzingelt. «Meins guckt noch zu wenig böse», sagt Markus von Holzen (52). Strich um Strich mit einem schwarzen Fineliner arbeitet sich der Architekt aus Buochs vom Kopf bis zum Bürzel vor. «Früher konnte ich recht gut zeichnen, mit der Zeit habe ich es aber etwas verlernt.» Hier könne er sein Handwerk wieder üben.

Bei einem Sketchcrawl zeichnen Profis und Laien gemeinsam, was ihnen vor die Nase kommt. Heute Vormittag sind es Tiere im Naturmuseum Luzern.

Von Seattle um die Welt bis nach Luzern

Eingeladen hat die neu gegründete Luzerner Gruppe der Urban Sketchers. Die internationale Kunstbewegung entstand vor rund zwölf Jahren in Seattle. Der Illustrator und Journalist Gabriel Campanario eignete sich die anonyme Grossstadt, in die er neu gezogen war, durchs freie Abzeichnen draussen, in Transportmitteln oder Beizen an. Über Fotoblogs und Instagram ging die Idee schnell um die Welt in der online gut vernetzten Zeichnerszene. 2011 erreichte das Urban Sketching via Basel die Schweiz.

Auch in Lausanne, Neuenburg, Bern und Zürich organisierten sich die «Skizzierer», was «Sketchers» übersetzt bedeutet. In der Zentralschweiz haben auf Anfang diesen Jahres die Grafikerin Heidi Zurbuchen und die Illustratorin Juliana Aschwanden-Vilaça die Initiative ergriffen.

Bei einem Sketchcrawl versammeln sich kreative Köpfe an einem Ort in ihrer Stadt, um zu zeichnen. Kürzlich auch im Naturmuseum auf Einladung der neu gegründeten Urban Sketchers Luzern. Einige Impressionen. (Bilder: Philipp Schmidli, Luzern, 24. Februar 2019)Bei einem Sketchcrawl versammeln sich kreative Köpfe an einem Ort in ihrer Stadt, um zu zeichnen. Kürzlich auch im Naturmuseum auf Einladung der neu gegründeten Urban Sketchers Luzern. Einige Impressionen. (Bilder: Philipp Schmidli, Luzern, 24. Februar 2019)
Der Luzerner Künstler und Lehrer Amadeus Waltenspühl (34) besucht für einmal ohne Grafik-Fachklasse das Naturmuseum.Der Luzerner Künstler und Lehrer Amadeus Waltenspühl (34) besucht für einmal ohne Grafik-Fachklasse das Naturmuseum.
Das Comic-Wimmelbild in verträumten Farben nimmt Form an.Das Comic-Wimmelbild in verträumten Farben nimmt Form an.
Der Amerikanerin Patricia Kettle Elzinga (55) sind die Steinböcke aufgefallen.« Ich wusste nicht, dass das ein Nationaltier der Schweiz ist, aber es ist wunderschön», sagt sie.Der Amerikanerin Patricia Kettle Elzinga (55) sind die Steinböcke aufgefallen.« Ich wusste nicht, dass das ein Nationaltier der Schweiz ist, aber es ist wunderschön», sagt sie.
Der Architekt Eric Elzinga (55) studiert das Reussufer draussen vor dem Museum.Der Architekt Eric Elzinga (55) studiert das Reussufer draussen vor dem Museum.
Der Künstler und Lehrer Cédric Payri (39) aus Paris mag am Urban Sketching das dynamische, flüchtige Zeichnen, wie er sagt.Der Künstler und Lehrer Cédric Payri (39) aus Paris mag am Urban Sketching das dynamische, flüchtige Zeichnen, wie er sagt.
Die Grafikerin Heidi Zurbuchen (51, im Bild) und die Illustratorin Julia Aschwanden-Vilaça (41) laden seit Anfang 2019 jeweils am letzten Sonntag des Monats zum Urban Sketching in Luzern.Die Grafikerin Heidi Zurbuchen (51, im Bild) und die Illustratorin Julia Aschwanden-Vilaça (41) laden seit Anfang 2019 jeweils am letzten Sonntag des Monats zum Urban Sketching in Luzern.
Der Anlass ist gratis, ausser es besteht ein regulärer Eintritt wie hier im Museum, und steht allen Interessierten offen. Vorkenntnisse sind nicht nötig.Der Anlass ist gratis, ausser es besteht ein regulärer Eintritt wie hier im Museum, und steht allen Interessierten offen. Vorkenntnisse sind nicht nötig.
Die Stile und Stifte reichen von Aquarell...Die Stile und Stifte reichen von Aquarell...
...über Bleistiftzeichnung......über Bleistiftzeichnung...
...bis zur Skizze mit Fineliner....bis zur Skizze mit Fineliner.
Wasserfarben für unterwegs gehören zur Ausrüstung vieler «Sketcher».Wasserfarben für unterwegs gehören zur Ausrüstung vieler «Sketcher».
Konzentriert arbeiten sie zwei Stunden und wechseln ab und zu das Motiv.Konzentriert arbeiten sie zwei Stunden und wechseln ab und zu das Motiv.
Besonders oft porträtiert wird dieses Wildschwein, das mitten im Raum steht.Besonders oft porträtiert wird dieses Wildschwein, das mitten im Raum steht.
Architekt Markus von Holzen (52) aus Buochs NW nimmt es mit den Borsten genau.Architekt Markus von Holzen (52) aus Buochs NW nimmt es mit den Borsten genau.
Nebenbei erweitern die Zeichnenden ihre Artenkenntnisse.Nebenbei erweitern die Zeichnenden ihre Artenkenntnisse.
16 Bilder

Sonntagsmaler im Museum

Ans erste Treffen im Januar in der Raviolibar kamen rund 20 Leute. Am zweiten im Naturmuseum sind es noch etwas mehr. «Das grosse Interesse überrascht uns», sagen die Organisatorinnen. Vorher hätten sie in Luzern nie andere Leute beim Zeichnen auf der Strasse angetroffen. Auf ihr Kommando («Viel Spass!») schwärmen die Leute mit Hocker und Utensilien aus, auf der Jagd nach dem ersten Motiv. Zwei Stunden haben sie Zeit, bis sich alle wieder versammeln.

Ausflügler, Sonntagsmaler, lokale Künstler

Ein paar Meter neben dem Wildschwein-Revier kriegen zwei Steinböcke ein liebliches rotbraunes Fell. Mit Wasserfarbe und Hund Gracy sind die Künstlerin Patricia Kettle Elzinga und der Ingenieur Eric Elzinga aus Schaffhausen angereist. Das Ehepaar Mitte fünfzig ist mit der Urban Sketchers-Kultur aus ihrer Heimat USA vertraut. «So sehen wir schöne Orte und treffen interessante Menschen», sagt sie. Und er:

«Ich erinnere mich auch besser an die Reisen, wenn ich dabei zeichne.»

Anstatt Exponate des Museums zeichnet er allerlei anderes, etwa die Reuss und den Nölliturm durch ein Fenster. Als die Reporterin einige Minuten in Notizen vertieft ist, findet sie sich im nächsten Moment auf einer Seite seines Zeichnungshefts wieder.

Um die Ecke kritzelt Christiane Amacker mit verschiedenen Bleistiften feingliedrige Muster von Fischen und Muscheln. Die 25-jährige Beraterin für Städtebau ist mit ihrer Mutter hergekommen. «Eigentlich male ich eher daheim für mich mit Wasserfarben, aber ich dachte, ich probiere mal etwas Neues», sagt sie. Der Sketchers-Stil liege ihr eigentlich ziemlich gut, wie sie nun gemerkt habe, weil sie nicht gern lange am gleichen Bild arbeite. «Und es ist schön, mit anderen zu malen.»

Der einsame Wolf in der Ausstellung im Erdgeschoss hat nur wenig Besuch an diesem sonnigen Sonntag. Adrian Jain (38) betont den intensiven Blick des Tiers mit einem kohlenschwarzen Hintergrund. «Wir leben zwar in einer individualistischen Gesellschaft», sinniert der Luzerner Künstler, «aber wir wollen trotzdem nicht alleine sein». Auch der Wolf sei auf seine Herde angewiesen. «Sonst kann er nicht überleben.» Da stille Urban Sketching ein Bedürfnis, ob für Berufskünstler oder Anfänger. Sein Tipp:

«Mit der Einstellung hingehen, etwas zu lernen, anstatt sich zu vergleichen.»

Hinweis

Der Sketchcrawl Luzern findet jeweils am letzten Sonntag des Monats statt. Der nächste führt am 31. März um 10 Uhr zur Indoor-Surfwelle in die Mall of Switzerland in Ebikon.

Zum Blog der Urban Sketchers Schweiz

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.