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Buch von David Grossman: Versöhnung ist eine Notwendigkeit

Trotz Hass und Gewalt sei Versöhnung im Nahen Osten möglich, betont der israelische Autor und Friedensaktivist David Grossman. Seine Reden sind imposante Zeugnisse der Humanität.
Hansruedi Kugler
Seltener Moment der Hoffnung im Nahen Osten: Israels Ministerpräsident Yitzhak Rabin und PLO-Chef Yassir Arafat geben sich 1994 in Ägypten neben Präsident Hosni Mubarak die Hand. (Bild: Michel Euler/AP (Kairo, 4. Mai 1994)

Seltener Moment der Hoffnung im Nahen Osten: Israels Ministerpräsident Yitzhak Rabin und PLO-Chef Yassir Arafat geben sich 1994 in Ägypten neben Präsident Hosni Mubarak die Hand. (Bild: Michel Euler/AP (Kairo, 4. Mai 1994)

Dass dieser Mann nicht schon längst resigniert hat, ist ein Wunder. Dass sich David Grossman nach wie vor schreibend und ­redend für die Versöhnung en­gagiert, ein zweites. Sein Buch könnte deshalb nicht aktueller sein – in dieser Woche, in der in Israel und Palästina gerade wieder Hass und Gewalt ausbrechen und die Scharfmacher dominieren.

David Grossman wurde 1954 in Jerusalem geboren und hat sich zeitlebens literarisch und als Aktivist mit dem Erbe der Shoah, mit dem Heimatwunsch der ­Juden und mit den politischen und seelischen Verheerungen des Konfliktes im Nahen Osten beschäftigt. Und tragisch genug: Er hat seinen Sohn im Bürgerkrieg gegen die Hisbollah verloren.

Wer Versöhnung will, darf nicht provozieren

In vielen Reden und Essays stellt David Grossman immer wieder die Frage, wie man das Humane in Zeiten von Hass und Gewalt bewahrt. Seine Antwort ist so ­einfach wie offenbar unglaublich schwierig umzusetzen: Man darf sich nicht anstecken lassen vom Hass, man darf nicht erstarren in der Verbitterung. Das gilt gleichermassen für das bürgerliche Leben wie für das literarische Schaffen.

David Grossman. Bild: Carmen Jaspersen/EPA, 25. April, 2010

David Grossman. Bild: Carmen Jaspersen/EPA, 25. April, 2010

Man dürfe den Ver­sprechungen der Hardliner nicht ­folgen, die sagen, nur mit Härte schaffe man Sicherheit: Wenn das «Feuer unter dem Konflikt erlischt», würden «nach und nach die gesunden und vernünftigen Charakterzüge der beiden Völker wieder hervortreten» und «die heilende Kraft des Alltags zu wirken beginnen», sagte Grossman als Redner am 75. Geburtstag des deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck 2015 in Berlin. Was nichts anderes heisst als: Wer verantwortlich handelt und an ein friedliches Zusammenleben glaubt, verzichtet auf Provokationen – auf Provokationen wie Mahmud Abbas’ antisemitische Rede oder wie die Eröffnung der amerikanischen Botschaft in ­Jerusalem.

Plädoyer gegen Zynismus und Resignation

Im Band «Eine Taube erschiessen» sind von der Ver­leihung des Geschwister-Scholl-Preises 2008 bis zur Münchner Sicherheitskonferenz 2017 ein Dutzend bemerkenswerte Reden zusammengefasst, die man mit Verblüffung liest: Grossman lobt etwa Angela Merkel für ihre Flüchtlingspolitik, obwohl sie einen hohen politischen Preis zahle.

Aufgabe der Literatur müsse sein, die seelische Erstarrung, die Erstarrung in gedankliche Stereotypen zu lockern. Allzu leicht werde man sonst «zum Rohstoff für ­Demagogen». Literatur sei eine Kraft, den Menschen zu verstehen, ohne ihn einer Masse zuzuordnen. Dies sei der Boden jener Menschlichkeit, die Versöhnung erst möglich mache. Man könne auch in katastrophalen Zeiten Mensch bleiben, wie die Geschwister Scholl bewiesen. Das Buch ist ein berührendes und beeindruckendes Plädoyer gegen ­Zynismus und Resignation.

David Grossman: Eine Taube erschiessen. Reden und Essays. Hanser,
128 S., Fr. 28.–

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