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Yung Hurn: Versteckte Perlen im Genuschel

Mit Yung Hurn kommt eine der spannendsten Figuren im deutschsprachigen Rap dieses Wochenende nach Luzern. Seine Musik pendelt zwischen unerträglich und grosser Unterhaltung.
Michael Graber
Yung Hurn polarisiert mit seiner Art und Musik. Bild: PD

Yung Hurn polarisiert mit seiner Art und Musik. Bild: PD

Irgendwie ist es verstörend. Irgendwie ist es verstörend gut. Der Österreicher Yung Hurn ist derzeit wahnsinnig angesagt und spaltet mit seiner Art Musik. Es sind waberig-wummerige Beatlandschaften, es klingt immer etwas benebelt bis gedämpft. Dazu rappt Julian Sellmeister, wie Yung Hurn angeblich bürgerlich heisst, seine Texte. Oder besser: er nuschelt sie. Und: Ob das wirklich Texte sind, ist auch schwierig zu sagen. Es sind jedenfalls ganz sicher Worte, zumindest meistens. Manchmal steckt in den Wort-Aneinanderreihungen eine gewisse Sinnhaftigkeit, manchmal ufern sie am Schluss einfach in ein «Lalalalala» aus.

Wenn wir es richtig deuten, dann geht es oft um die Liebe und noch ein bisschen öfter um Drogen. «Bianco» ist eine einzige Hymne an Kokain. Hinter dem Beat hört man ständig ein Schniefen. «Die Scheisse ist weiss / Mein Handy ist weiss / Mein Igel ist weiss / Die Schuhe sind weiss / Mein Baby ist weiss.» Dada? Vielleicht. Gaga? Auch vielleicht. Im dazugehörigen Video läuft Yung Hurn durch einen Wald, den man als Nasenhaare interpretieren kann, und nebelt alles weiss ein.

Das könnte alles der Fantasie eines völlig zugekoksten Gehirns entsprungen sein, es könnte aber auch die komplette Überspitzung von allem sein. Ironie total. Drogen in Raptexten sind ja keine Seltenheit, aber so offensichtlich auf dem Präsentierteller lagen sie selten.

Und jetzt kommt die Faszination für Yung Hurn ins Spiel: Er verweigert sich, an solchen Deutungsfragen teilzunehmen. Interviews gibt er eigentlich keine. Und wenn doch, dann sind sie verstörender als seine Tracks. Dem SRF gewährte er dieses Jahr am Open Air Frauenfeld eine Audienz. Beantwortete Fragen: 0. Zwölf Minuten pendelt Yung Hurn irgendwie zwischen Apathie und Liebe, alles gipfelt in einer bizarren Umarmung mit dem Interviewer. Das Video hat auf Youtube mittlerweile über eine Million Klicks erreicht.

«Alle hassen uns, aber sie schauen»

Vielleicht ist der Wunsch Vater des Gedankens, aber wir nehmen jetzt einfach an: Yung Hurn ist eine komplette Kunstfigur. Ansonsten wäre all das irgendwie unerträglich, so aber ist es grosse Unterhaltung. Auch weil in diesem Dada-Gaga-Genuschel auch immer kleine, feine Perlen versteckt sind.

Etwa, wenn sich die Truppe um Yung Hurn im Klo einschliesst, um in Ruhe zu koksen, als Unterlage sein Handy wählt, und während die Linien ausgelegt werden, ruft seine Mutter an. Ein grossartiges Bild, das die sonst schon kaputte Szene noch weiter pervertiert.

«Alle hassen uns, aber sie schauen», nuschelt Yung Hurn an anderer Stelle auf einem seiner kurzgehalten Stücke. Natürlich polarisiert er mit seinen Texten und seiner Art. Er ist übersät mit wohl selbstgestochenen Tattoos, trägt einen flaumigen Oberlippenbart und hat dabei einen Stil, den selbst seine Hater als cool bezeichnen müssen.

In Luzern wird er eine dreissigminütige Clubshow geben – das ist genau jene Dosis, die ohne Bedenken erträglich ist. Sie findet im Rahmen einer Hip-Hop-Party statt. Es wird ziemlich sicher verstörend. Ob auch verstörend gut, wissen wir nicht.

Yung Hurn live: Casineum Luzern, Samstag, 15. September, 23.00

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