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Castorf-Premiere in Salzburg:
Verstörend und betörend

Die Salzburger Festspiele überzeugen nicht restlos. Grosse Teile des Publikums hält die Castorf-Premiere nicht bis zum Ende durch. Dafür erlebt es in Tschaikowskys «Pique Dame» eine orchestrale Sternstunde.
Tobias Gerosa, Salzburg

Wenn Frank Castorf mit seinem ehemaligen Ensemble der Berliner Volksbühne bei den Salzburger Festspielen Hamsun spielt – hier der DDR-geprägte Rabauke, dort die Edelfestspiele mit Ticketpreisen bis 430 Euro –, passt das kaum zusammen, und das Premierenpublikum hält die sechs Stunden Spielzeit auch reihenweise nicht durch. Und nicht nur wegen der Hitze unter dem Blechdach der alten Fabrikhalle der Perner-­Insel, gegen die man grosszügig Wasserflaschen verteilt.

Castorf arbeitet sich an den ersten beiden Romanen Knut Hamsuns, «Hunger» und «Mysterien», zu einem enervierend aufregenden Mix ab. Hamsuns Begeisterung für den National­sozialismus spielt eine wichtige Rolle, zentral sind aber die für 1890/92 erstaunlich modernen, nur auf sich selber bezogenen Hauptfiguren. Da gibt es brillante Einzel- und Dialogszenen, aber auch lange Durststrecken, mühsam zusammengeklebte Einzelszenen, während denen man viel Zeit hat, das hochenergetische Ensemble zu bewundern und zu überlegen, warum diese Romane auf die Bühne müssen.

Unerwartet folgt ein Highlight

Man ertappt sich dabei, Frank Castorf einen Rahmen seines Stückes zu wünschen, das seinen ausufernden, bisweilen wie ab Blatt gespielten Szenen eine klarere Richtung gäbe. Und genau in diesen Momenten folgt ein Highlight, eine brillante Verbindung, eine schauspielerische Glanzleistung von Sophie Rois oder Kathrin Angerer, für die man dann gern ausharrte – einmal mehr wieder das Castorf’sche Paradox.

Fast reine Freude dafür bei der bisher letzten Premiere am Sonntag: Tschaikowskys «Pique Dame» im grossen Festspielhaus ist eine orchestrale Sternstunde, dank Mariss Jansons und den Wiener Philharmonikern. Dieser Tschaikowsky klingt hochromantisch, aber nie dick. Es wimmelt von instrumentalen Details, und das Zusammengehen von Orchester und Sängern ist hervorragend. Wer diese detaillierte, feine und innige Interpretation gehört hat, wird Tschaikowsky nicht mehr schwülstig finden können.

Gesanglich ist nicht gleichviel Glanz. Das zentrale unglückliche Paar der innig zurückhaltenden Evgenia Muraveva (Lisa) und des extrovertierter gestaltenden Brandon Jovanovich als Aussen­seiter Hermann passt stilistisch nicht so ganz zusammen. Doch Dirigent Mariss Jansons trägt sie alle förmlich auf Händen, gibt ihnen Raum und animiert mit seiner Orchesterbehandlung auch sängerisch, so differenziert zu gestalten. Das hat Referenzcharakter. Regiealtmeister Hans Neuenfels erzählt die Geschichte von Hermanns Niedergang wegen der geheimnisvollen Glückskartenkombination gradlinig und kühl mit sezierendem Blick auf die Figuren, die allesamt ihre Macken haben.

Neuinszenierung der Zauberflöte missraten

Eine weitere neue Inszenierung war die Zauberflöte unter der Regie von Lydia Steier. Im Gegensatz zu ihren Basler Arbeiten missriet jedoch ziemlich alles, von der Besetzung über das Konzept bis zum Dirigenten Constantinos Carydis. Nicht, dass man nichts gewagt hätte mit Klaus Maria Brandauer als Grossvater der drei Buben und Erzähler, aber das Resultat ist so stückwerkig, dass davon schliesslich nichts hängen bleibt.

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