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Moes Anthill haben das Zeug, um es auch ausserhalb der Schweiz zu schaffen

Die neuen Songs von Moes Anthill sind keine Dutzendware. Der gebürtige Urner Songschreiber Moe Schelbert und seine Band veröffentlichen ein Album voller Ambition und Schönheit.
Pirmin Bossart
Moes Anthill klingen nach Amerika und mögen offenbar auch diese Ästhetik. (Bild: PD/Andrea Ebner)

Moes Anthill klingen nach Amerika und mögen offenbar auch diese Ästhetik. (Bild: PD/Andrea Ebner)

Mehrstimmiger Gesang. Folkspuren. Transparente Leadstimme. Banjo und Rockgitarre. Herzhafte Melodien. Hört man sich durch «Quitter», das neue Album von Moes Anthill, ist man fast überzeugt, dass da sich einer auskennt mit amerikanischer Singer-Songwriter-Musik, sie zumindest als Hörfutter schätzt oder in frühen Jahren von einer entsprechenden Plattensammlung der Eltern angefixt wurde.

Wie man sich täuschen kann. «Ich habe nie gross Americana oder andere amerikanische Rootsmusik gehört», sagt Mario «Moe» Schelbert, Sänger, Gitarrist und Songschreiber der Band Moes Anthill. Im Gegenteil. «Ich bin mit Punk und Hardcore aufgewachsen. Sublime war eine Lieblingsband von mir.» Das Laute und Elektrische dominierte seine jugendlichen Musikjahre.

Vom Punk zur akustischen Musik

Das änderte sich, als Schelbert eines Tages Elliott Smith (1969–2003) entdeckte, den genialischen melancholischen Singer Songwriter. «Als Smith in meinen musikalischen Hintergrund eindrang, habe ich mein ganzes Elektro-Gitarren-Equipment verkauft. Dass da einer mit Wohnzimmer-Lautstärke und nahezu gehauchten Songs eine künstlerisch-eigenständige Stimme sein konnte, ging mir unter die Haut.»

Nun rückte die akustische Musik in sein Interesse, was entsprechend auch die Songs zu formen begann. Sein Soloprojekt «Moe der Barde» entstand, später wuchs daraus die Band Moes Anthill, deren Debüt «Ornaments» 2011 erschien. 2013 folgte die experimentierfreudige Scheibe «A Birthday Cage» und 2015 das letzte Album «Oddities after the Heydays».

Etwas irritiert war Moe Schelbert, als er beim letzten Album wiederholt darauf angesprochen wurde, ob sie nun «Countrymusik» machten. «Klar sind die Songs während eines längeren Aufenthaltes in den USA entstanden. Aber das Klischee von Countrymusic haben wir nie bedient.» Ein Befreiungsschlag war das Album trotzdem. «Ich konnte für einmal Abstand halten und die Welt von aussen anschauen.»

Starke Stimme und ein Sehnsuchtsinstrument

Auch wenn «Countrymusic» der falsche Begriff ist, hatte «Oddities» einen Americana Singer Songwriter Touch. Diese Aura tritt auf dem Album «Quitter» in den Hintergrund und macht gelegentlichen (Power-)Pop-Einflüssen Platz. Das bravouröse Titelstück «Quitter» zeugt davon. Vor allem hören wir auf den zehn Tracks eine Song-Handschrift, die raffiniert und eigen ist.

Zur vollen Geltung auf «Quitter» kommt Schelberts einnehmende Stimme, die gleich auf dem cool arrangierten Eröffnungsstück «Retrie Restore» ihre Anmut ausstrahlt. Er habe schon immer gesungen, aber sich bis zu diesem Album nie als Sänger verstanden, räumt er ein. «Ich hätte mir das nie zugetraut, aber jetzt kann ich dazustehen und mich damit auf eine bestimmte Weise identifizieren.»

Vielleicht hat es damit zu tun, dass er die Lektion seiner Outsider-Lieblinge wie Elliott Smith, Devendra Banhart oder Bright Eyes endlich verinnerlich hat respektive ausleben kann: Dass man sich nicht eine bestimmte Haltung oder Ausdrucksweise überstülpen kann, um in der Musik echt zu sein, sondern am besten von sich selber und den Stärken und Facetten seiner ureigenen Stimme ausgeht.

Ein prägendes Merkmal auf «Quitter» bleibt der Klang des Banjos. Schelbert bezeichnet es als «Sehnsuchtsinstrument», setzt es aber nicht in der klassischen Bluegrass-Veredelungsmanier ein. «Mich hat vielmehr interessiert, mit dem Banjo Songs zu schreiben und zu erfahren, was daraus entsteht.»

Viel spielen und alles geben

Auf Empfehlung hin arbeitete die Band für «Quitter» mit dem Produzenten und Roots-Gitarristen Hank Shizzoe zusammen. «Hank hat den Songs ein Gesamtklangbild verliehen, das uns glücklich macht.» Er habe Ideen gegeben, «wie man als Band klingen kann und jedes Instrument den richtigen Platz findet».

Moes Anthill gehören zu den wenigen jungen Schweizer Bands, die mit ihrem Sound und ihren Fähigkeiten auch im Ausland bestehen könnten. Nun steht eine Deutschland-Tour an, und im Sommer wollen sie an Festivals spielen. Eine längere Tour in den USA oder England wäre der grosse Traum. Früher sei er stärker auf ein bestimmtes Ziel fixiert gewesen, sagt Schelbert. «Heute versuche ich, jedes Angebot als Chance wahrzunehmen und den nachhaltigen Weg zu gehen. Wir geben alles.»

Moes Anthill: Quitter (Tourbomusic), Live: 8. März, Chäslager Stans, 29. 3. theater (uri), Altdorf

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