Intermezzo: Verweigerter Händedruck

Es sollte im Kino mehr Komödien geben. Wo sonst wird Multikulti und Islam intelligent und humorvoll aufs Korn genommen?

Hansruedi Kugler
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Da hätten alle Rassisten im Lande aufschreien müssen: Der Zürcher Jude Motti Wolkenbruch verweigert seiner nicht­jüdischen Studienkollegin den Händedruck! Setzt sich doch diese «Schickse» im Hörsaal neben ihn. Er, der ihr heimlich schon schmachtende Blicke hinterhergeworfen hatte. Der junge Mann aus orthodoxem Haus aber darf eigentlich mit ihr weder den Schreibblock teilen noch Kaffee trinken, noch ihr die Hand geben – und sie schon gar nicht als künftige Schwiegertochter nach Hause bringen. Mottis Mutter würde das Messer zücken oder subito tot zusammenbrechen. Natürlich tut Motti aber genau das und in dieser Reihenfolge. Und die Mutter ebenso – zumindest mit theatralischer Begabung.

Zum Glück gibt es noch ­Komödien im Kino! Man erinnert sich an den Aufschrei über zwei störrische muslimische Buben, die ihrer Sekundarschullehrerin die Hand nicht geben wollten. Der Schriftsteller Charles Lewinsky, selbst ein liberaler Jude, wies in der TV-Sendung «Arena» darauf hin, dass orthodoxe Juden das auch nicht tun und dass niemand deswegen eine Gesetzesänderung verlange.

Es sollte überhaupt mehr Komödien geben im Kino. Etwa im Stil der deutschen Verwechslungs­komödie «Voll verschleiert» (2017) oder in der aktuellen österreichischen Konvertiten-Komödie «Warum haben wir das verdient?». Da wird Multikulti und Islam intelligent und humorvoll aufs Korn genommen. Ich freue mich auf einen Schweizer Film zum Thema – als allseitige Lockerungsübung.