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Viel Raum für Emotionen

Gerda Neunhoeffer

Lucerne Festival Liebe und Leidenschaft, Ekstase und Tod – im Konzert der Münchner Philharmoniker unter ihrem neuen Chefdirigenten Valery Gergiev am Freitagabend wurden diese Gefühle im Konzertsaal des KKL orchestral ausgemalt. Aleksander Skrjabins «Le Poème de l’Exstase», uraufgeführt 1908, wirkte dabei neuer und experimenteller als später entstandene Werke von Richard Strauss und Sergej Prokofjew.

Die Münchner brachten die Gedanken, die Skrjabin zunächst in einem langen Gedicht erfasst hatte, in seiner dazu entstandenen Musik facettenreich zum Ausdruck. Mit impressionistischer Feinheit begannen Flöte, Harfe und Violinen, worauf das «Thema der Selbstbehauptung», das sich durch das ganze Werk hindurchzieht, in der Trompete aufleuchtete. Gergiev akzentuierte die musikalischen Extreme zwischen schwülstigen Tutti-Steigerungen und transparenten Soli der Holzbläser und der Solovioline. Die Blechbläser entfalteten ungeheure Strahlkraft, und die Streicher strebten in fliessend süffigem Legato auf das rauschhafte Ende zu, das in ekstatischem Fortissimo den Raum zu sprengen schien.

Liebe als orchestrales Programm

Mit Teilen aus Prokofjews Suite aus dem Ballett «Romeo und Julia» begann das Programm um die Liebe. Die wuchtigen und dissonanten ersten Klänge, aus denen die Streicher fast unhörbar begannen, eröffneten ein Wechselspiel, das Gergiev in allen Sätzen plastisch herausmodellierte. Julias kindliche Verspieltheit wurde tänzerisch zu romantischer Verliebtheit, die Masken schlängelten sich hörbar verwegen durch die feindliche Gesellschaft, und Romeos Schmerz an Julias Grab wurde düster dramatisch ausgespielt, um dann in unwirklichem Pianissimo zu enden.

Auch in der Sinfonischen Fantasie aus «Die Frau ohne Schatten» (1946) von Richard Strauss gab Gergiev viel Raum für emotionale Ausbrüche, wie man es von diesem Dirigenten gern erwartet: Die Themen aus der Oper fügten sich zum komplexen Werk voller Steigerungen, die auch hier am Ende leise verklangen.

Ganz anders Strauss’ Sinfonische Dichtung «Don Juan» (1888). Der jugendliche Überschwang zu Beginn wurde rhythmisch drängend ausgespielt, und die Verzögerungen im Begegnen mit dem «Weiblichen» atmeten Schmelz und Süsse. Gergiev und die Münchener Philharmoniker reizten alle Regungen des Frauenhelden von hoher Energie bis zu kraftloser Schwäche intensiv aus.

Gerda Neunhoeffer

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