Nachgefragt
Filmemacher Edwin Beeler: «Vieles, was man über Bruder Klaus sagte, ist Unsinn»

Der Innerschweizer Filmemacher Edwin Beeler machte vor über 30 Jahren einen Dokfilm über Bruder Klaus. Der Film ist nun digital restauriert worden. Wie sieht ihn Beeler heute? Würde er heute etwas anders machen?

Arno Renggli Jetzt kommentieren
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Edwin Beeler (64).

Edwin Beeler (64).

Bild: PD

Edwin Beeler, was denken Sie, wenn Sie den Film heute, über 30 Jahre nach der Entstehung, schauen?

Edwin Beeler: Zunächst freut es mich, dass die digitale Restaurierung diese neue Bildqualität geliefert hat. Spannend ist auch, wie sich die politischen Verhältnisse verändert haben: So waren noch viel weniger Frauen in der Politik tätig. Und der Kalte Krieg lag in den letzten Zügen.

Und mit Blick auf Bruder Klaus selber?

An den Diamantfeiern 1989, veranstaltet zu Ehren der Aktivdienstgeneration, wurde seine Rolle betont: Er sei gleichsam der Begründer der Neutralität gewesen. Was Unsinn ist. Diese wurde der Schweiz 1815 am Wiener Kongress auferlegt. Und er habe die Schweiz vor den beiden Weltkriegen bewahrt. Heute gehen die Leute differenzierter mit der Figur um. Und vor allem werden seine Visionen, von denen man einige erst im 20. Jahrhundert im Kloster Wesemlin entdeckt hat, nicht mehr so vernachlässigt wie früher. Sie sind sehr lesenswert, genauso wie die Texte der Tiefenpsychologin Marie-Louise von Franz dazu.

Hätten Sie beim Film heute etwas anders gemacht?

Beim Betrachten des Filmes zieht mir Bruder Klaus auch heute den Ärmel rein. Vor allem seine mystische, visionäre Seite. Ihr würde ich heute mehr Platz geben, was mit digitaler Filmtechnik besser möglich wäre. Da er auch politisch handelte, würde es mich heute interessieren, ob es Politikerinnen gibt, die sich auf ihn berufen oder sich mit ihm beschäftigen. Für mich hat Bruder Klaus seine Frau Dorothee und seine Familie nicht wirklich verlassen, er lebte als Einsiedler ja nur einige hundert Meter von seinem Bauernhaus entfernt. Wie beide konkret Kontakt hatten, darüber weiss man nur wenig. Sie haben keine schriftlichen Dokumente hinterlassen. Was man weiss, stammt alles von Drittpersonen.

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