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Vier Heidis für ein Halleluja

Urstimmen hat «Heidis Keller» in Frauenfeld gezeigt: Gesang mit temporeicher Theatralik. Grandios die vier Stimmen, wenn auch etwas dünn die Geschichte – drei Zugaben wollte das Eisenwerk-Publikum.
Dieter Langhart
Urstimmen in «Heidis Keller»: Daniel Koller, Rita Bänziger, Balz Aliesch, Tiziano Sarro. (Bild: Dieter Langhart)

Urstimmen in «Heidis Keller»: Daniel Koller, Rita Bänziger, Balz Aliesch, Tiziano Sarro. (Bild: Dieter Langhart)

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Darauf muss man erst mal kommen: singend Theater spielen. Die Oper kann das auch, nur versteht man da kaum ein Wort des dünnen Dramas. Die vier Urstimmen können das frischer und fetziger und nennen ihre Erfindung A-cappella-Theater. Nach «Beziehungsweise» und mehreren Kurzprogrammen sind sie mit ihrem zweiten Abendstück «Heidis Keller» unterwegs, bereits zu sehen am Theater Winterthur, in Herisau und Amriswil, vorgestern im Eisenwerk Frauenfeld.

Der Schweizer ist ja sehr zurückhaltend, stets neutral und sachlich, selbst wenn er irgendwo dreinredet. Der Schweizer hat sich mit Heidi ein Alter ego zurechtgelegt: unschuldig, ehrlich, bodenständig, freundlich.

Aber was zum Teufel verstecken die vier in Heidis Keller?

Biologische Lebensmittelvorräte oder ein Alkoholarsenal? Waffen für den kommenden Krieg oder einen Sadomaso-Bunker? «Tief in der Seele liegt ein Keller», singen die fantastischen vier Stimmen. Sie holen das Versteckte und Verdrängte ans Licht, decken unsere Postkarten-Idyllen auf, zeigen lauthals oder wispernd auf die Schwächen von Herr und Frau Schweizer. Das geht meistens gut, denn neben dem grandiosen Gesang kann sich die erzählte und gespielte Geschichte schlecht entscheiden zwischen Ernst und Slapstick. Das Szenische wirkt bisweilen aufgesetzt, auch wenn ein roter Faden zu erkennen ist.

Charmant trotz aller Bosheit, rasant und überraschend

Diesen Faden webt der Genfer Regisseur Davide Giovanzana mit Dramaturg Thomas Guglielmetti vom Theater Winterthur. Vor einem Jahr ist Giovanzana bei uns mit der grotesken Komödie «Das Herz des Monsters» aufgefallen, einer Co-Produktion des Chössi-Theaters und des Teatro Dimitri. Darin spielte auch der Toggenburger Daniel Koller mit, der Gründer der Formation Urstimmen. Mit dabei: Rita Bänziger aus Steinebrunn – sie hat die meisten Stücke von Urstimmen entwickelt – und die Basler Tiziana Sarro und Balz Aliesch, der als Bass auch Tenor kann und die Zuhörer verblüfft. Perfekt eingespielt ist das Quartett, nutzt Stimme und Körper, wechselt mühelos zwischen Stilen und Genres, bleibt bei aller Bosheit der Themen stets charmant, setzt auf Tempo und Überraschung, blödelt auch gern zwischendurch. Doch der Spagat zwischen Ironie und Unterhaltung gelingt nicht immer («die Flüchtlinge sind die neuen Heidis»); der Bogen zwischen dem japanischen Heidi (mit Japanto-Ur­stimmen waren sie 2009 auf Tournee) und dem Spyri-Stoff wirkt erzwungen, ebenso das Fesselspiel mit Balz Alieschs Monolog über Lüge und Wahrheit zur Parodie «Don’t worry, be Heidi», ebenso die zerdehnte Murmeli-Nummer über Billigkleider aus Bangla Desh.

Was hängen bleibt, was nachklingt, ist der grossartige Gesang der vier Urstimmen. Höchster Genuss ist die Interpretation von Leonard Cohens «Hallelujah» kurz vor der Pause: Hier beweisen die vier Urstimmen ihr stupendes Talent und ihre Kreativität. Der Applaus nach «Stayin’ Alive» am Schluss ist warm, das Publikum klatscht sich drei Zugaben heraus.

Nächste Vorstellung: Fr, 14.9., 20.30 Uhr, Schauwerk im Haber­haus, Schaffhausen

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