Villazóns schräge Gesellschaft

Drucken
Teilen

Aussteiger Abends sitzen sie gern im Café. Das Leben hat sie aus der Bahn geworfen, und sie haben das Spiel entdeckt. Und den Tiefsinn. «Was, wenn die Welt nichts anderes wäre als die allmähliche Rekonstruktion eines vollkommenen Traums, den Gott gehabt, beim Aufwachen aber nicht mehr ganz zusammenbekommen hat?», fragt Mopsos in die Runde, einer der Gefährten von Palindromus, der in seinem Leben immer sechzehn Minuten zu früh kommt. Bis ihm der schwerkranke Onkel, ein Bassbariton, zu Hilfe eilt. Und obwohl der Gesellschaft keineswegs abgeneigt, geht Palindromus, verhinderter Sänger und verhinderter Schriftsteller, gern seine eigenen Wege. Bis er sich verliebt, in Golondrina, die stumme Prinzessin.

Was Rolando Villazón in seinem zweiten Roman «Lebenskünstler» entwirft, ist zauberhaft, sprachlich mit grosser ­Sorgfalt erzählt und virtuos im Perspektivenwechsel. Ein Grosser der argentinischen Literatur hat Pate gestanden: Julio Cortázar. Mit ihm ist im Roman auch ein Rätsel verbunden. (R.A.)