Virtuos, verschachtelt und doch federleicht: So tönt «5» von Schnellertollermeier aus Luzern

Schnellertollermeier überzeugen auch auf ihrem fünften Album mit einem dichten Genremix – und bringen sogar neue Nuancen ins Spiel.

Stefan Welzel
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Meister der Experimentierkunst: Schnellertollermeier aus Luzern.

Meister der Experimentierkunst: Schnellertollermeier aus Luzern.

Bild: Simon Habegger

Da sind sie wieder – die verschachtelt-minimalistischen, virtuosen und andernorts wieder gewaltig aufschäumenden Klangsalven aus dem Hause Schnellertollermeier. Drei Jahre mussten Fans auf das fünfte Album (mit dem gleichnamigen Titel als Ziffer) der Experimentiermeister aus Luzern warten. Nun bringen Bassist Andi Schnellmann, Gitarrist Manuel Troller und Schlagzeuger David Meier rund 40 Minuten neues Material heraus, und kombinieren dabei Altbekanntes mit frischen Ansätzen. Was wir kennen und als markantes Merkmal unveränderbar bleibt, ist die vertrackt-verspielte Dynamik der drei Musiker, die unterschiedlichste Stilrichtungen nicht einfach mischen, sondern einander umarmen und verschlingen lassen.

Ihre Klangkunst beginnt bei manch einem Stück wie im Opener «209 Aphelion» oder dem Folgestück «Before and After» bedächtig und kontrolliert experimentell. Der Bass gibt den Groove vor. In einer sanftweich gezeichneten, sphärischen Wolke bahnt er sich seinen repetitiven Weg – bis sich Gitarre und Schlagzeug dazugesellen und nach und nach die Dämme bis hin zum treibenden Strom brechen lassen. Zwischendurch mogelt sich sogar die Hemmondorgel in die Postrock-Gewitter.

Eine Balance geboren aus hoher Kunst

Was die Band nun explizit ausweitet auf «5», sind die eher leisen Töne, die in etwas verkopfte Noise-Experimente ausufern können. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber errichtet einen Spannungsbogen, der diese post-jazzigen Minimal-Impros umso dringlicher erscheinen lassen. So geschehen in «Velvet Sun» oder «Animate Become». Dabei transzendieren Schnellertollermeier im Geiste zuweilen ins arg Abstrakte. Bleiben aber dennoch mit den Füssen in ihrem gewaltigen Genrespektrum derart verankert, dass die Stringenz nicht verloren geht.

In anderen Stücken wie «A.o.E.i.n.E.o.A.» oder «Made of Thin» entführen sie die Zuhörer wiederum in träumerisch-dichte, entrückte Avantgarde-Gewässer, die dennoch federleicht wirken. Eine Balance geboren aus hoher Kunst. In «5» haben Schnellertollermeier ihrem enormen Klangkosmos noch eine weitere Nuance hinzugefügt. Was kaum möglich schien, haben sie auf eindrückliche Weise tatsächlich vollbracht.

«5» von Schnellertollermeier erscheint am 13. November