Virus macht Veranstaltungen in Luzern den Garaus: Klassik wie Comedy sind betroffen

Nebst Konzerten im KKL fallen dem Coronavirus auch viele andere Anlässe zum Opfer – erstmals sogar bis Ostern.

Urs Mattenberger
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Verschoben von Ostern in den Herbst: Klassikfestival in der Pfarrkirche Andermatt.

Verschoben von Ostern in den Herbst: Klassikfestival in der Pfarrkirche Andermatt.

Bild: Peter Fischli (2019)

Durch die rasante Verbreitung des Coronavirus ist längst klar geworden, dass die Frist für das Verbot von Grossveranstaltungen weit über den 15. März hinausgeschoben werden dürfte. Neue Richtlinien auch für Konzert- und andere Veranstalter werden vom Bundesrat am Freitag erwartet.

Was auf uns zukommen könnte, zeigt das Verbot von Grossveranstaltungen bis 19. April in Bayern und jenes für Indooranlässe ab 100 Personen in Österreich, die am Dienstag erlassen wurden. Tatsächlich gibt es auch in unserer Region erstmals eine Absage bis zu Ostern. So wurde nach dem Festival Andermatt Live (13./ 14. März) im Urner Bergdorf auch das Klassik-Osterfestival verschoben, und zwar von der Karwoche auf den Herbst (25. September bis 4. Oktober).

In der Klassik hoher Risikogruppen-Anteil

Die Gründe, die Mediensprecherin Vanessa Kunz nennt, bestätigen viele andere Veranstalter. So wurden am Osterfestival in Andermatt im Vergleich zu den Vorjahren «markant weniger Tickets verkauft». Eine Beschränkung der Besucherzahl war keine Option, weil das Festival in dem Fall nicht mehr hätte wirtschaftlich durchgeführt werden können. Eine Rolle spielte zudem, dass in Klassikkonzerten die Zielgruppe eher über 50 Jahre alt ist. Damit dürften viele Besucher zur Risikogruppe älterer Menschen ab 65 gehören.

Solche «prophylaktischen Gründe» bewogen auch die Kunstkeramik in Ebikon zur Absage des Barockkonzerts vom 21. März. Das Beispiel zeigt, dass zunehmend auch Konzerte im kleineren Rahmen dem Virus zum Opfer fallen. So musste die Gesellschaft für Kammermusik im Marianischen Saal das Konzert des Trios Nota Bene (15. März) absagen. Das Familienmitglied eines Musikers ist an der Lunge erkrankt – weil eine Ansteckung mit dem Coronavirus lebensbedrohlich wäre, hat ein Nota-Bene-Musiker vorübergehend alle Konzerte abgesagt.

Aber in den meisten Fällen spielen finanzielle Sorgen eine entscheidende Rolle – unabhängig vom Genre. So verschiebt der Verein Kulturwerk Ebikon sein in diesem März geplantes Comedy Festival auf einen noch unbestimmten Zeitpunkt. Die finanziellen Einbussen, die die Auflagen der Bundes- und Kantonsbehörden bewirkt hätten, hätten das Kulturwerk «in den Ruin getrieben und das sichere Aus für den jungen Verein bedeutet», wie es in einer Mitteilung heisst.

Im grossen KKL sind alle «enorm gefordert»

Kommt hinzu, dass «die sich ständig verändernde Ausgangslage eine sinnvolle Planung und Durchführung der Schlussphase vor einem Konzert fast verunmöglicht», sagt Reiner Held. Der musikalische Leiter der PH Luzern, die ihr Konzert mit dem PH-Chor und dem Orchester Santa Maria (14./15. März, Maihof) absagen musste, verweist auf die vielen Unwägbarkeiten: «In einer solchen Situation weiss man zehn Tage vor dem Konzert nicht, wie viele Choristen, Orchestermusiker und Solisten absagen. Da ist ungewiss, ob man kurzfristig Ersatz finden könnte und welche Massnahmen seitens der Behörden am Konzerttermin gelten.»

Dass eine Planung über den 15. März hinaus «enorm schwierig» ist, betont Franziska Egli, Mediensprecherin des Luzerner Sinfonieorchesters, das neben Lucerne Festival zu den grössten Veranstaltern im KKL gehört. Den Ticketinhabern der abgesagten Konzerte bietet das Orchester zwar «die Option der Rückerstattung an». Aber für das Orchester ist die Situation «sehr schwerwiegend, da die Fixkosten (gerade Löhne) von uns weiterhin bezahlt werden müssen», sagt Egli: «Sollte diese Ausnahmesituation anhalten, wären alle enorm gefordert – in Luzern aufgrund der Saalgrösse im KKL ganz besonders.»

Bevor neue Richtlinien bekannt sind, äussern sich deshalb weder das Luzerner Sinfonieorchester noch Lucerne Festival zur Durchführung der nächsten Konzerte – im Fall des Festivals betrifft es das erweiterte «Teodor»-Wochenende mit Currentzis (1. bis 4. April). Beide gehen gegenwärtig davon aus, dass die Veranstaltungen stattfinden, wobei das Luzerner Sinfonieorchester «Szenarien» evaluiert.

Verschiedene Szenarien in den kommenden Konzerten

Welche möglich sind, zeigen die Konzerte, die in den nächsten Tagen im KKL trotzdem stattfinden. In der Johannes-Passion der Accademia Barocca Lucernensis (12. März) und bei Jan Garbarek (18. März) wird die Besucherzahl auf unter 900 reduziert. Im Rotary-Benefizkonzert mit Regula Mühlemann und dem Luzerner Sinfonieorchester (15. März) werden nur 500 Besucher eingelassen, zudem werden Balkone geöffnet, damit sich die Leute verteilen können. Mit einem Livestreaming wird das Konzert dennoch einem breiten Publikum zugänglich gemacht (www.rotarykonzert.ch).

Die Auflage, dass Besucher aus Risikogebieten nicht zugelassen sind, ist wohl bereits hinfällig. Weil das Risiko einer Ansteckung inzwischen in fast allen Regionen der Welt besteht, werden seit Montag keine «betroffenen Gebiete» mehr definiert.