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Volkskulturfest Obwald in Giswil: Der Ländler-Arab-Jam strotzt vor Kraft

Das Volkskulturfest Obwald, das noch bis am Sonntag läuft, verbindet dieses Jahr die Schweiz mit Ägypten.
Michael Graber
Tanzeinlage des ägyptischen Mazaher-Ensembles. (Bild: Manuela Jans-Koch, Giswil, 4. Juli 2019)

Tanzeinlage des ägyptischen Mazaher-Ensembles. (Bild: Manuela Jans-Koch, Giswil, 4. Juli 2019)

Nach und nach verwandeln sich die «Berewegge» in fremdländische Spezialitäten. «Berewegge, Chäs und Brot» spielt die kleine Grossformation auf der Bühne. Zusammengesetzt aus der Appenzeller Streichmusik Vielseitig und aus dem Tarab Quintett aus Ägypten. Auch eine orientalische Klarinette fühlt der Melodie des Schweizer Volksliedchens nach. Unter der durchaus gestrengen Leitung von Ragy Kamal am Qanoun, eine Art ägyptisches Hackbrett, bewegt sich die Musik aber immer mehr fort von den Alpen und landet in Ägypten.

Die vier jungen Frauen aus der Ostschweiz und die fünf Musiker aus dem Nahen Osten musizieren zusammen. Traditionen treffen aufeinander, doch sie prallen nicht aneinander ab, sondern verschmelzen. Oder greifen zumindest ineinander. Es entsteht keine neue Musik, aber die jeweilige Volksmusik wird sanft um ein paar Einflüsse der anderen erweitert. Kamal dirigiert, fordert zum Solieren auf, steigert Lautstärke und Tempo. Und er geniesst es, wenn es funktioniert, lächelt zufrieden und schliesst glückselig die Augen.

Auftritt der Obwaldner Jodlergruppe «Heiterluft».Auftritt der Obwaldner Jodlergruppe «Heiterluft».
Auftritt der Obwaldner Jodlergruppe «Heiterluft».Auftritt der Obwaldner Jodlergruppe «Heiterluft».
Auftritt der Obwaldner Jodlergruppe «Heiterluft».Auftritt der Obwaldner Jodlergruppe «Heiterluft».
Auftritt der Obwaldner Jodlergruppe «Heiterluft».Auftritt der Obwaldner Jodlergruppe «Heiterluft».
Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.
Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.
Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.
Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.
Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.
Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.
Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.
Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.
Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.
Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.Auftritt des Mazaher Ensembles aus Ägypten.
Auftritt des ägyptischen Mazaher Ensemble.Auftritt des ägyptischen Mazaher Ensemble.
Auftritt des ägyptischen Mazaher Ensemble.Auftritt des ägyptischen Mazaher Ensemble.
Auftritt des ägyptischen Mazaher Ensemble.Auftritt des ägyptischen Mazaher Ensemble.
Die Waldhüttä Schuppel aus Appenzell Ausserrhoden.Die Waldhüttä Schuppel aus Appenzell Ausserrhoden.
Auftritt der Appenzeller Streichmusik Vielseitig aus Appenzell Innerrhoden.Auftritt der Appenzeller Streichmusik Vielseitig aus Appenzell Innerrhoden.
Auftritt der Appenzeller Streichmusik Vielseitig aus Appenzell Innerrhoden.Auftritt der Appenzeller Streichmusik Vielseitig aus Appenzell Innerrhoden.
Auftritt der Appenzeller Streichmusik Vielseitig aus Appenzell Innerrhoden.Auftritt der Appenzeller Streichmusik Vielseitig aus Appenzell Innerrhoden.
Auftritt des Tarab Quintett aus Ägypten.Auftritt des Tarab Quintett aus Ägypten.
Auftritt des Tarab Quintett aus Ägypten.Auftritt des Tarab Quintett aus Ägypten.
Auftritt des Tarab Quintett aus Ägypten.Auftritt des Tarab Quintett aus Ägypten.
Auftritt des Tarab Quintett aus Ägypten.Auftritt des Tarab Quintett aus Ägypten.
Auftritt des Tarab Quintett aus Ägypten.Auftritt des Tarab Quintett aus Ägypten.
Auftritt des Tarab Quintett aus Ägypten.Auftritt des Tarab Quintett aus Ägypten.
27 Bilder

Impressionen vom Ländler-Arab-Jam am Volkskulturfestival Obwald in Giswil

Es ist Donnerstagabend und Volkskulturfest Obwald auf einer Waldlichtung nahe Giswil. Es duftet nach einer Mischung aus ägyptischen Hackbällchen mit Taboulé und Kafi Schnaps. Und einem Gewitter, das eben rasch und kräftig die Sommerhitze weggeregnet hat.

Zwischen den Gästen wuseln ­ständig Musiker und Sänger in Trachten und Gewändern durch. Gastland ist dieses Jahr Ägypten und mit Zar-Musik, einer Art afro-ägyptische Trance-Musik, startet der musikalische Teil des Abends. Om Sameh und das Mazaher Ensemble singen, trommeln und musizieren. Es wirkt so angenehm fremd, wie das Volksmusik aus anderen Kulturen tun soll. Es sei Musik, die eine «heilende Wirkung» habe, sagt Fabian «Hefe» Christen bei seiner Ansage. Und: «Die Hauptrolle in dieser Musik gehört den Frauen. Den Männern steht nur eine Nebenrolle zu», sagt Christen. Das Publikum klatscht laut. Von den Zuschauern hat wohl keiner Wutbürger-Kommentare zum Frauenstreik geschrieben.

Anders und doch 
unverkennbar ähnlich

In rascher Folge wechseln sich nun Schweizer Volksmusik und ägyptische Klänge ab. Heiterluft aus Obwalden jodelt wunderschön, das Tarab Quintett beamt einen gedanklich übers Mittelmeer und Adrian Würsch am Schwyzerörgeli setzt sich virtuos mit Traditionen auseinander. Man bemerkt Unterschiede, sieht aber auch Gemeinsamkeiten. Etwa in der Instrumentierung. Das Hackbrett bei der Streichmusik Vielseitig könnte der Schweizer Cousin des Qanoun vom Tarab Quintett sein. Es gibt klare Verwandschaftsspuren in der DNA, doch das Erbgut hat da und dort anders ausgeschlagen. Das Qanoun wird gezupft, das Hackbrett ­geschlagen. Die Klangfarbe ist verschieden und doch klingen diese beiden Instrumente unverkennbar ähnlich.

Aber natürlich sucht man neben den Gemeinsamkeiten auch die Unterschiede. Und es gibt einige. Die Körpersprache der Jodler verglichen mit jener des Mazaher Ensemble könnte unterschiedlicher nicht sein. Da die Hände in den Hosensäcken und die Rücken gerade, dort das Tanzen und Bewegung. Es wäre zu einfach, die Schweizer als verstockt und die Ägypter als temperamentvoll zu bezeichnen. Beide Muster wurzeln tief in der Tradition. Schwofende Jodler würden sich ebenso falsch anfühlen wie ein Mazaher Ensemble, das auf seinen Stühlen sitzen bleibt. «Wer seine eigenen Traditionen kennt, kann mit offenen Augen durch die Welt gehen», sagt Fabian Christen auf der Bühne. Am Obwald schaut man recht wertfrei auf die jeweils andere Kultur. Es gibt kein gönnerisches Mitleid. Man schaut und geniesst.

Andacht ohne 
grosses Brimborium

Richtig genussvoll wird der Abend vor allem nach der Pause. Die Sängerin des Mazaher Ensemble geht durchs Publikum, fordert Leute zum Tanzen auf. Was vorher manchmal noch etwas distanziert wirkte, ist jetzt endgültig unter dem Zeltdach angekommen. Die eingangs beschriebene Kombination lässt dann auch die letzten Hemmungen fallen. Es wird geklatscht und gejohlt.

Die Erdung folgt mit einem Jodelchörli inmitten der Zuschauer. Lichter aus. Dunkel draussen. Die Töne suchen sich langsam ihren Weg und man hört viele Feinheiten, die einem vorher trotz Verstärkung entgangen sind. Das hat eine fast schon mystische Kraft und bekommt durch den Kontrast zum eben gehörten Ländler-Arab-Jam noch zusätzlich einen Schub.

Discokugel leuchtet 
den Weg zum Auto

Berührend ist auch die kurze Würdigung der kürzlich verstorbenen Annemarie Berchtold-Rymann. Sie wäre auch am diesjährigen Obwald aufgetreten, singe «jetzt aber an einem anderen Ort mit ihrem Vater Ruedi», sagt Christen sichtlich sehr bewegt, «manchmal spielt das Leben halt leider nicht so, wie es soll».

Es wird kurz ganz ruhig. Es ist eine stille Andacht, die auf grosses Brimborium verzichtet und genau dadurch eine maximale Wirkung erzielt. Schmidig’s Juuzer Zwilling, die eigentlich mit den Geschwistern Rymann hätten auf der Bühne stehen sollen, meistern ihren Part alleine. Schon das verdient gehörigen Respekt.

Noch ein letztes Mal singt, trommelt, tanzt und schellt das Mazaher Ensemble, und dann hat einen die Nacht wieder. Auf dem Weg zum Auto glitzert eine riesige Discokugel unter den Bäumen. Passt nicht? Doch, doch. Das hätte man zuerst auch über die orientalische «Berewegge» gedacht.

Hinweis
Das Volkskulturfest Obwald dauert noch bis am Sonntag. Tickets und Infos unter www.obwald.ch

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