Schweizer Volksmusik neu interpretiert

Unterhaltsam, gehaltvoll und neuartig mischten sich die vielfältigen Klänge des Volksmusikensembles Alpinis mit Jodeln. Das passte hervorragend zusammen und macht Lust auf mehr.

Gerda Neunhoeffer
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Sorgten für tolle Stimmung: das Volksmusikensemble Alpinis und vier Jodlerinnen. Bild: Priska Ketterer (Luzern, 28. Januar 2019)

Sorgten für tolle Stimmung: das Volksmusikensemble Alpinis und vier Jodlerinnen.
Bild: Priska Ketterer (Luzern, 28. Januar 2019)

Das Eröffnungskonzert des Musikfestivals «Szenenwechsel» der Musikhochschule Luzern am Montagabend war ein voller Erfolg. Die Jazzkantine Luzern war überfüllt, die Stimmung bestens, und das Volksmusikensemble Alpinis und vier Jodlerinnen aus dem neuen Studium Jodeln beeindruckten mit Ideenreichtum, Spielfreude und Talent. Nadja Räss, die seit September letzten Jahres das Studienfach Jodeln an der Hochschule Musik unterrichtet, hat während des Herbstsemesters auch einen Themenworkshop angeboten, in dem Studenten ihre Stimme erkunden und sich auch an neue Formen des Jodelns heranwagen konnten.

Und gleich zu Beginn zeigten die zehn Teilnehmer ihr Können. Unterstützt von den vier Jodelstudentinnen, sangen sie vielstimmig «Nädls Jützli» und wagten sich dann alleine an «Hesisbohler». Dass auch sechs Alpinis mitsangen, bewies die Vielseitigkeit der Instrumentalisten.

Unglaublich versierte Musiker

Und in grosser Vielfalt erklang dann Schweizer Volksmusik neu interpretiert, inspiriert von irischem Tanz über finnische Weisen und Jazzelemente. Die Musiker sind nicht nur auf ihren Instrumenten unglaublich versiert, einige komponieren auch. In «Heländer» von Geigerin Helen Maier entspann sich aus den beiden Geigenstimmen (zweite Violine Lukas Bircher) ein wirbelnder Melodienreigen, der am Ende wie in der Ferne verklang. «Asphalt Alpin/Heitertannli» von Albin Brun, dem Leiter der Alpinis, der anwesend war, aber nicht in Erscheinung trat, entführte in fantasievolle Variationen über ein Thema, das sich in Sprüngen und Synkopen immer weiter durch alle Instrumente drehte. Aus einem Workshop entsprang die traditionell finnische «Taklax-Polska», in der Kris­tina Brunner das Cello ausdrucksvoll singen liess. Sie komponierte zwei Stücke für drei Schwyzerörgeli, die sie mit Dominik Flückiger und Florian Gass in hervorragender Präzision spielte; über minimalistischen Veränderungen erklangen hoch intensive, sehnsuchtsvolle Melodien. Die Jodelstudentinnen Dayana Pfammatter, Jenny Lötscher, Maritta Lichtensteiger und Simone Karman sangen mit viel Augenzwinkern «Wenn de Mond chönt rede».

In Dominik Flückigers «Petrichor» war der Duft, der entsteht, wenn der erste Regen auf die Erde fällt, geradezu wahrnehmbar. Cello, Klavier (Jonas Gisler) und Kontrabass (Madlaina Küng) malten gesangliche Linien, die in immer dichtere Akkorde mündeten, und wie dann Emanuel Krucker mit seinem Hackbrett silbrige Töne einstreute, die Schwyzerörgeli sanft dazukamen, das war impressionistische Klangmalerei.

Krucker mischte in seiner Komposition «Astor Potter And The Dwarf King» bekannte Themen so geschickt zusammen, dass ganz neue Musik entstand. Und als tatsächlich «Hedwig’s Theme» aus «Harry Potter» erklang, ging ein amüsiertes Raunen durchs Publikum. Höchst interessant war die Kombination von Jodel und Instrumenten, da vereinten sich in Bruns «Gislers» und Dominik Flückigers «Vortex» ganz neue Klänge. Die Stimmen legten sich mal wie ein Schleier über die Instrumente, mal waren es kurze Rufe, dann wieder lang ausgehaltene Töne über den rhythmisch agilen und akzentreichen Klängen der Alpinis. Taktwechsel, jazzige Soli in Klavier, Bass, Cello und Hackbrett und dann urplötzlich laute Jodelrufe wie über alle Berge hinweg – das war reizvoll, neuartig und spannend und macht Lust auf mehr davon. Und natürlich durfte ein Naturjutz, den Nadja Räss ankündigte und den alle zusammen sangen, als Zugabe nicht fehlen.