Armeespiel im KKL: Vom Gnägi-Marsch bis Star Wars

Das Schweizer Armeespiel überzeugt im KKL mit einer Mischung aus Militärmärschen, leichter Klassik und Filmmusik.

Fritz Schaub
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Das Symphonische Blasorchester Schweizer Armeespiel stellte am Sonntag seine Vielseitigkeit unter Beweis.Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern)

Das Symphonische Blasorchester Schweizer Armeespiel stellte am Sonntag seine Vielseitigkeit unter Beweis.Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern)

Es begann ganz vaterländisch, als die rund 60, meist jungen Musikerinnen und Musiker des Symphonischen Blasorchesters Schweizer Armeespiel am Sonntagabend den «Schweizerpsalm» intonierten und sich alle Zuhörer im Parterre und auf den beiden ersten Rängen ehrfürchtig erhoben. Mit flotten Marschrhythmen ging es weiter, als das Korps unter der Leitung von Oberst Philipp Wagner, ausgebildeter Trompeter und Kommandant des Schweizer Armeespiels, diszipliniert und doch locker den «Bundesrat-Gnägi-Marsch» von Albert Benz spielte.

Dann aber gab Wagner den Dirigentenstab an den Gastdirigenten, den Tessiner Carlo Balmelli weiter, der sich mit «1405: Der Brand von Bern» für Sinfonisches Blasorchester von Mario Bürki gleich vorteilhaft einführte. Anlass zu dem 1977 entstandenen Werk bot die Brandkatastrophe, die Anfang des 15. Jahrhunderts rund ein Drittel des Stadtgebiets von Bern zerstörte und rund 100 Bewohnern das Leben kostete.

Abstecher in die Klassik

Eine besondere Drohkulisse wurde dabei nicht aufgebaut, es gab sogar fröhliche Abschnitte, in denen sich die Musiker vokal bemerkbar machen. Hier kam die symphonische Besetzung zum ersten Mal so richtig zum Tragen. Die Musiker meisterten in dem farblich sehr abwechslungsreichen Stück mit teils hohen Noten auch unregelmässige Rhythmen sehr gekonnt. Dabei brachen hier erstmals auch der jugendliche Elan und die Frische des Armeespiels so richtig durch.

Balmelli ist ausgebildeter und noch immer aktiver Posaunist. So war er geradezu prädestiniert für das «Konzert für Posaune und Blasorchester» von Nikolai Rimski-Korsakow. Der russische Komponist, der auch eine Militärlaufbahn durchlief, hat das Konzert 1878 original für Blasmusikbesetzung geschrieben. Das Publikum hielt sich brav an den diskreten Hinweis des Moderators Kilian Rosenberg, mit dem Applaus bis zum dritten Satz des Konzerts zu warten.

Die Kunst der Orchestrierung, für die Rimski-Korsakow berühmt ist, zeigt sich auch hier. Meist wird nur ein reduzierter Bläsersatz eingesetzt, Tutti-Einsätze erfolgen nur, wenn das Soloinstrument schweigt. So konnte sich der bulgarische Solo-Posaunist des Berner Symphonieorchesters, Wassil Christov, ungeschmälert entfalten. Mit schönem Legato-Spiel im langsamen Satz, beweglich im Allegro Vivace und virtuos in dem mit Kadenzen durchsetzten Allegro. Mit der Zugabe, dem unvermeidlichen «Csardas» von Vittorio Monti in einer Bläser-Adaption, löste er sogar Begeisterungsstürme aus.

Mit Mächtigkeit und Wucht

Zum Schluss wagte sich das Orchester an Ausschnitte aus Filmmusik-Kompositionen von John Williams. Dessen Werke sind meist ausladend und üppig orchestriert. Da kann ein Blasorchester praktisch ohne Streichinstrumente nicht mithalten. Dennoch vermittelten die Ausschnitte aus den Star-Wars-Filmen einen guten Eindruck dieser Musik, die Williams seit 1977 für die Science-Fiction-Saga von George Lucas komponiert.

Die impetuose Mächtigkeit und Wucht in goldenem Blechglanz kam dabei ebenso sehr zum Ausdruck wie der stimmungsvolle, sehr getragene Melodiestrom. Den Auftakt zu diesem kleinen Williams-Festival hatten zwei Originalwerke für Blasmusik gegeben. Zum einen die von Volksmusik inspirierten, sich hinreissend steigernden «Armenischen Tänze» von Alfred Reed und das wirklich gruselige «The Gost Ship» («Das Geisterschiff») von José Alberto Pina, dessen Musik man sich durchaus auch als Untermalung eines (Geister)-Films vorstellen könnte.

Der Hype um die Star-Wars-Musik steckt übrigens auch Superstars wie Anne-Sophie Mutter an. In Bearbeitungen für Sologeige und Orchester hat Mutter, begleitet von 71 der besten Musiker von Los Angeles und unter John Williams persönlich, verschiedene Filmmelodien des Komponisten eingespielt (siehe Hinweis unten).

Schweizer Liebhaber der Star-Wars-Kompositionen kommen diesen Herbst zu einer weiteren Gelegenheit, im KKL den Klängen von Williams zu horchen. Am 18. und 19 Oktober spielt das 21st Century Orchestra simultan zur Projektion der Folge «Star Wars – A New Hope» die entsprechende Musik.

Anne-Sophie Mutter/John Williams: Across the Stars. The Recording Arts Orchestra of Los Angeles, Dirigent: John Williams. Deutsche Grammophon.