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Jazzsängerin Gabriela Heer: Vom Horwer «Grämlis» in die USA und wieder zurück

Vor elf Jahren ist Gabriela Heer von Horw nach Boston/USA gezogen, jetzt kehrt die Sängerin für einen Abstecher zurück: Für ihr neues Album und als Jodlerin am Zentralschweizerischen Jodelfest.
Pirmin Bossart
Bilder: Simon Heer/PDBilder: Simon Heer/PD
13 Bilder

Die Bilder von Sängerin Gabriela Martina in Horw

Sie nennt sich Gabriela Martina, hat am renommierten Berklee College of Music in Boston studiert und schlägt sich seit ein paar Jahren als Sängerin in den USA durch. Aufgewachsen ist die 35-jährige Musikerin mit drei Geschwistern auf dem Bauernhof «Grämlis» in Horw. Dort haben ihre Eltern nicht nur auf naturnahe Weise Lebensmittel produziert, sondern während über 20 Jahren unzähligen Schulklassen Einblicke in das landwirtschaftliche Leben und in die Kreisläufe der Natur geboten («Schule auf dem Bauernhof»).

«Homage to Grämlis» heisst auch das neue Album von Gabriela Martina, an dem sie seit Jahren arbeitet. Mit Musik und Texten erzählt sie die Geschichte ihrer Familie, wie ihre Eltern als Landwirte gearbeitet haben, was gesunde Lebensmittel bedeuten und wie wir vom Bezug zur Natur profitieren können. «In verschiedenen Communities in den USA gibt es so viele Menschen, denen das Wissen über die Zusammenhänge in der Natur fehlt und die auch kein Verständnis haben für eine gesunde Ernährung.»

Schweizer Volksmusik und amerikanische Stile

Diese Themen lässt sie auf «Homage to Grämlis» in ihre Songs einfliessen. An Livekonzerten erzählt sie auch darüber und zeigt Fotos. Die Musik ist eine Verbindung zwischen Schweizer Volksmusik (Jodeln) und Stilen der amerikanischen Musik (Jazz, Soul, R ’n‘ B, Gospel, Blues). Gabriela will mit «Homage to Grämlis» auch an Schulen gehen und dort neben den Konzerten Workshops anbieten. Die neuen Songs wurden im Mai mit acht Musikern eingespielt. Das Geld für die Realisierung des Albums hat sie noch nicht ganz beisammen. «Ich hoffe, dass ich das Album nächsten Frühling herausgeben kann. Dann plane ich auch eine Tour durch die Schweiz.»

In den elf Jahren, während derer sie in Boston lebt, ist ihr umso deutlicher bewusst geworden, wie geschützt und wohl behütet sie aufwachsen konnte. In Boston leben Menschen aus ganz verschiedenen Kulturen zusammen. Das Ausmass von Rassismus, unter dem vor allem die schwarze Bevölkerung leide, habe sie erschreckt. «Da habe ich viel lernen können. Ich bin weiss, habe einen Schweizer Pass, ich bin privilegiert und ich habe im Vergleich zu ganz vielen Menschen alle Vorteile, die man sich nur wünschen kann.»

Ein Leben am Existenzminimum

Ihre privilegierte Situation heisst aber nicht, dass sie für ihre Existenz nicht kämpfen müsste. Schliesslich arbeitet sie unter den realen Bedingungen, wie sie für Musikerinnen und Musiker und (andere) Minoritätengruppen in den USA gelten. Die Gagen sind tief, die sozialen Sicherheitsnetze kaum vorhanden. Es sei eine konstante Gratwanderung, als freischaffende Musikerin die monatlichen Rechnungen zahlen zu können. Dennoch ist sie nicht am Jammern, im Gegenteil: «Es gibt hier einen grossen Gemeinschaftssinn, man hilft und unterstützt einander.»

Kürzlich habe sie ein dreistündiges Konzert gespielt und dafür 80 Dollar erhalten, gibt Gabriela ein Beispiel für das harte Pflaster, das die USA für Künstler bedeutet. Oft liegen die Gagen noch tiefer. Für viele Gigs, die sie in den USA spiele, muss sie die Musiker aus dem eigenen Portemonnaie bezahlen. Handkehrum kann sie manchmal an Festen oder Hochzeiten auftreten, wo sie auch mal 700 Dollar verdient. «Aber würde ich mich nur um solche Auftritte bemühen, käme meine eigene künstlerische Arbeit zu kurz. Das möchte ich nicht. Also versuche ich, die richtige Balance zu finden.»

Bis vor vier Jahren kam die Musikerin regelmässig für ein paar Wochen in die Schweiz, um als Nachtschwester, im Service oder als Verkäuferin Geld zu verdienen. Inzwischen kann sie einigermassen von der Musik leben. Mit «Red Velvet Sounds» hat sie ihre eigene Booking-Agentur. Auch konnte sie schon mit so renommierten Künstlern wie Meshell Ngedeocello, Jack DeJohnette oder Angelique Kidjo zusammenarbeiten. 2016 erhielt sie für ihr erstes Album «No White Shoes» im Down Beat-Magazin eine Vier-Sterne-Bewertung.

Gabriela lebt in Boston mit ihrem Partner zusammen, der auch freischaffender Musiker ist. In der jetzigen Situation möchte sie dennoch nicht mit einem Leben in der Schweiz tauschen. «Es wäre zu einfach», sagt sie, kurz und bestimmt. «Ich brauche das Kribbeln, vielleicht auch die latente Unsicherheit. Und wo kannst du in der Schweiz um 2 oder 3 Uhr morgens noch spontan jammen?»

Für sie war es auch keine Frage, dass sie in den USA Jazz studieren wollte. «Der Jazz und alle ihm folgenden Musikstilrichtungen kommen von hier. Es machte für mich damals keinen grossen Sinn, an der Jazzschule Luzern zu studieren, so gut sie auch ist. Allein die englische Sprache, die Realität auf der Strasse, die Einflüsse, der Melting Pot von verschiedenen Ethnien. Deswegen zog ich 2008 nach Boston.»

Wollte Sängerin werden, «um die Welt zu retten».

Schon als kleines Mädchen wollte sie Sängerin werden, «um die Welt zu retten». «Müsste ich nicht immer um mein tägliches Brot kämpfen, wäre ich im sozialen Bereich noch viel aktiver», hält sie fest. 2009 rief sie am Berklee College of Music den Cultural Leaders Club ins Leben, wo sich Studierende mit Themen wie Menschenrechte, Ungleichheit, Rassismus und Gender beschäftigen. Sie ist auch Mitbegründerin von «Sonic Relief», einer Plattform, die Konzerte für Menschen in Not organisiert.

Auch die «Homage to Grämlis» ist ein weiterer Versuch, Musik und Engagement zu verknüpfen und zu zeigen, «was wir mit kleinen Schritten selber machen können, um uns besser zu ernähren und anderen Menschen in Not zu helfen». An ersten Auftritten mit den Grämlis-Songs habe sie viele positive Feedbacks erhalten, freut sich Gabriela. «Weil in den USA praktisch alle Menschen Immigranten sind, fühlen sich viele angesprochen durch meine Geschichte. Das schafft Zugänge und kann etwas bewirken.»

«De Trompeter» mit Franz Stadelmann

Zurzeit ist Gabriela zurück in der Schweizer Idylle. Am Dienstag gibt sie in Horw ein Fundraisingkonzert für ihr «Homage to Grämlis»-Album und tritt am Zentralschweizerischen Jodelfest in Horw auf. «Als ich von diesem Fest hörte, wollte ich unbedingt mitmachen. Aber dann realisierte ich, dass das nur im Rahmen eines Wettbewerbs möglich ist.»

Also begann sie zu organisieren und fand mit der Sängerin und Jodlerin Franziska Wigger eine Expertin, die sie über Skype gecoacht hat. Am 28. Juni, um punkt 21.14 Uhr wird sie in Begleitung des Entlebucher Jodlers Franz Stadelmann das Stück «De Trompeter» von Emil Grolimund vortragen. Sie habe als Kind mit der Familie gesungen und gejodelt und sei diesbezüglich eine Autodidaktin, sagt Gabriela. «Ich habe grossen Respekt vor allen Jodlern und freue mich sehr.»

Dienstag 18. Juni, 19.30 Uhr, Konzert von Gabriela Martina zusammen mit Maxim Lubarsky (Piano) im Pfarreizentrum Horw.

28. Juni, 21.14 Uhr, Zentralschweizer Jodelfest Horw, Solojodelwettsingen mit Franz Stadelmann.

Infos: www.gabrielamartina.com

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