Akku Emmen
Neue Ausstellung: Vom Huldigen und vom Zerstören des Alltäglichen

Die Kunstplattform Akku Emmen lässt Stillleben in ihrer Vielfalt sprechen. Dabei geht es auch um die Themen Konsum und Überfluss.

Susanne Holz
Merken
Drucken
Teilen
Ausstellung im Akku Emmen: «Dinge. Stillleben bis heute». Im Bild: Zwei «Destructive Machines» von Antoine Zgraggen.

Ausstellung im Akku Emmen: «Dinge. Stillleben bis heute». Im Bild: Zwei «Destructive Machines» von Antoine Zgraggen.

Bild: Susanne Holz (Emmenbrücke, 2. Juni 2021)

Sie ist so originell wie umfassend, die Ausstellung «Dinge. Stillleben bis heute», die Gastkurator Heinz Stahlhut im Akku Emmen präsentiert. Der Weg in die Akku-Kunstplattform lohnt sich erneut: Die Gruppenschau zur Bildgattung Stillleben vereint künstlerische Positionen vom frühen 20. Jahrhundert bis heute. Dass sich Kunstschaffende der Darstellung alltäglicher Objekte widmen, ist seit der Antike üblich, doch in der Moderne wurde das Stillleben auch noch ein Mittel zur Erneuerung der Kunst.

Im grosszügigen Kunstraum in Emmenbrücke gelingt es Heinz Stahlhut, den Betrachter immer wieder zu überraschen. Sei es mit den «Destructive Machines» von Antoine Zgraggen, eindrücklichen, selbst gebauten Maschinen, mit denen sich ungeliebte Dinge zerstören lassen – an der Finissage am 17. Juli können die Besucher es ausprobieren. Oder sei es mit Daniel Spoerris Frühstücksvariationen. Spoerri vereint Kunst und Alltag, indem er hinter Glas die Reste eines Frühstücks zeigt.

«The Rolex Series» von Sebastian Utzni – wer trug welche Rolex, von Che Guevara bis Picasso?

«The Rolex Series» von Sebastian Utzni – wer trug welche Rolex, von Che Guevara bis Picasso?

Bild: Susanne Holz (Emmenbrücke, 2. Juni 2021)

Und auch die Altmeister kommen zu Wort

Den thematischen Überbau der Ausstellung sieht Heinz Stahlhut in der Frage, wie wir mit der Flut von Dingen umgehen, die uns täglich umgeben. Kurator Heinz Stahlhut findet:

«Dieser enorme Konsum beherrscht uns.»

Das Thema Überfluss und Konsum habe ihn interessiert – weshalb die Ausstellung auch mit der Position Antoine Zgraggens ende, die sich mit dem Verabschieden von Dingen befasse. Apropos Verabschieden: Sebastians Utznis «The Rolex Series» zeigt Exemplare der Luxusuhr, von denen sich ihre Besitzer wie Picasso oder Che Guevara nicht so schnell trennen mussten. Zeitlos begeisternd sind natürlich auch die gezeigten Altmeister wie Hans Emmenegger (1866–1940) oder Aimé Barraud (1902–1954) mit ihrem prüfenden Blick und ihrer Intensität.

«Dinge. Stillleben bis heute», Akku-Kunstplattform, Gerliswilstrasse 23, Emmenbrücke. Bis 18. Juli. Geöffnet Fr/Sa 14–17 und So 10–16 Uhr. Führung mit Heinz Stahlhut: 10. Juni, 18.30 Uhr. 1. Juli, 18.30 Uhr: Katharina Lanfranconi liest Ding-Gedichte von Rilke. Finissage: 17. Juli, 10–17 Uhr: Repair- and Destroy-Day. www.akku-emmen.ch