Er hat den Herbst in eine Installation gepackt: Der Luzerner Künstler Achim Schroeteler lässt das Laub tanzen

Zum Werk des Luzerner Künstlers Achim Schroeteler kann man zurzeit gleich zwei Ausstellungen besichtigen.

Nadine Meier
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Achim Schroeteler (links) zusammen mit Daniel Häller von der Kunstgalerie ductus.

Achim Schroeteler (links) zusammen mit Daniel Häller von der Kunstgalerie ductus.

(Bild: Pius Amrein, Luzern, 9. Dezember 2019)

Es ist eine Premiere: Zum ersten Mal stellt Achim Schroeteler (59) hauptsächlich Malerei aus. Zu sehen sind die Gemälde in der Mitte Oktober eröffneten Kunstgalerie ductus in Luzern, die gleichzeitig auch ein Café und eine Bar ist.

Der Besitzer Daniel Häller (1977), der das Café gemeinsam mit seiner Mutter führt, legt Wert darauf, dass es nicht den Touch des klassische Kunstcafés bekommt, in dem zwischen Zeitungslektüre und Kaffee nebenbei etwas Kunst konsumiert wird. Vielmehr soll man sich entscheiden, bewusst in den Ausstellungsraum nebenan zu treten. Geplant sind sechs bis acht Wechselausstellungen pro Jahr. Schroeteler macht dabei den Auftakt mit seiner Ausstellung «bereit für vögel zuhause».

Offene Interpretation von Elefanten und Tischen

Schroetelers Werke sind bunt, vielseitig und stimmen entdeckungsfreudig. Wir können die Ölgemälde mit unserer ganz persönlichen Brille lesen, ohne sie weniger zu verstehen. Somit sehen die einen in den Gemälden einen Elefant, während Schroeteler einen Tisch gemalt hat – andere ein Bücherregal, wo er lediglich braune Striche andeutete. Diese Offenheit in der Interpretation ist Schroeteler wichtig. Auf die Frage, ob er in der Ausstellung nun vor allem abstrakte oder figurative Bilder zeige, meint er:

«Für mich ist das schon alles figurativ, aber ­reduziert. Es ist kein genaues Abbild mehr, aber doch noch gegenständlich.»

Für die Ausstellung hat Schroeteler gemeinsam mit dem Galerieteam Bilder verschiedener Formate ausgewählt. Das Grösste («im eidechsengebiet») misst dabei über 2×2 Meter, die vielen kleinen, die Schroeteler auch liebevoll «malschule» nennt, haben lediglich etwa Tellergrösse. Allesamt funktionieren sie gut auch ohne offensichtlich präsente Werkschilder oder den Saaltext. Vielmehr sind die Titel und Texte ein Tor, welche uns noch einen tiefgründigeren Zugang zu seinen Werken gewähren.

Bei dieser Kunst müssen die Besucher mitmachen

Schroeteler, der ursprünglich aus Deutschland stammt und seit 30 Jahren in Luzern lebt, bewegt sich künstlerisch vor allem als Bildhauer, Maler und Grafiker. Dabei gehört für ihn zur Bildhauerei auch die Kunstform der Installation. Mit einer solchen ist er momentan in einer weiteren Ausstellung in der Galerie Hochformat zu sehen. Das Kunstwerk «Sisyphonie für Laub und Bläser», welches er gemeinsam mit dem Schwyzer Künstler René Habermacher (1957) realisiert hat, beginnt erst zu leben, wenn die Besucher damit in Beziehung treten.

«Sisyphonie für Laub und Bläser», Installation von Achim Schroeteler und René Habermacher.

«Sisyphonie für Laub und Bläser», Installation von Achim Schroeteler und René Habermacher.

(Bild: PD)

Dank einer kurzen Anleitung auf einem Schild an der Wand ist die Aufgabe schnell klar: Laubblätter sollen in einen Laubbläser gefüllt werden, der an der Wand hängt und dessen (künstlich verlängertes) Rohr nach oben gerichtet ist. Indem man einen roten Knopf betätigt, werden die Blätter dabei in einen 12 Meter hohen und schmalen Raum katapultiert und sinken anschliessend andächtig wieder zu Boden. Dabei steht aber gar nicht unbedingt das Offensichtliche im Vordergrund, sondern vielmehr die Wirkung, die das Befüllen und Betätigen des Laubbläsers im Innern des Besuchers hinterlässt.

Während die erste Ausstellung keinen zwingenden Anspruch hat, gesellschaftliche Tendenzen zu spiegeln und gut auch ohne diese funktioniert, ist die Installation umso mehr ein Sinnbild für die heutige Zeit und regt zum Nachdenken an. Mit diesen zwei Ausstellungen gelingt es Schroeteler, einen guten Einblick in die Bandbreite seines Schaffens zu geben und gleichzeitig die Lust auf mehr zu wecken.

Hinweis: «bereit für vögel zuhause», Kunstgalerie Café Bar ductus, Luzern. «Sisyphonie für Laub und Bläser», Achim Schroeteler & René Habermacher. Noch bis 20. Dezember in der Galerie Hochformat, Luzern.