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Südamerikanisches Kino in Luzern: Von den immer noch wachen Geistern der Vergangenheit

Vier Spielfilme aus Lateinamerika starten innert Monatsfrist im Stattkino Luzern. Sie zeigen die Lebendigkeit des Filmschaffens dieser Weltgegend.
Geri Krebs
Der Privatdetektiv ermittelt gegen den Anwalt: Darío Grandinetti (rechts) und Alfredo Castro in «Rojo». (Bild: Filmcoopi)

Der Privatdetektiv ermittelt gegen den Anwalt: Darío Grandinetti (rechts) und Alfredo Castro in «Rojo». (Bild: Filmcoopi)

Eröffnet wird die Reihe mit dem Gefängnisdrama «Compañeros – La noche de los 12 años» aus Uruguay. Regisseur Álvaro Brechner erzählt vom zwölf Jahre dauernden Martyrium dreier politischer Gefangener in den Kerkern der Militärdiktatur, die das kleine südamerikanische Land zwischen 1973 und 1985 im Griff hielt.

Basierend auf dem 1990 erschienenen Buch «Wie Efeu an der Mauer», in welchem zwei der Gefangenen, Mauricio Rosencof und Eleuterio Fernandez Huidobro, ihre Jahre als Geiseln der Militärs literarisch verarbeiteten, schuf Brechner ein bildgewaltiges Knastepos, das unter die Haut geht. Neben seiner grossartigen visuellen Umsetzung der Erfahrung von Isolation und Folter, welche die Gefangenen immer wieder an den Rand des Wahnsinns trieb – ein erklärtes Ziel der Schergen – lässt der Film aber auch immer wieder viel Raum für Bilder unbändigen Lebenswillens. Dabei ist er letztlich vor allem eines: eine Hymne an menschlichen Widerstandsgeist und die Schönheit von Poesie – denn alle drei Gefangenen betätigten sich unter misslichsten Bedingungen auch immer wieder schriftstellerisch.

Auf den Spuren
des Oscar-Hits

Ein anderer Film, der sich mit der düsteren Vergangenheit Lateinamerikas auseinandersetzt, ist «Rojo», ein verrätselter Thriller des argentinischen Regisseurs Benjamin Naishtat. Er erkundet hier in dem im Jahr 1975 angesiedelten Film die Atmosphäre hereinbrechenden Unheils in der Zeit kurz vor dem Militärputsch in Argentinien. Ähnlich wie «El secreto de sus ojos», dem Gewinner des Ausland-Oscar von 2010 von Juan José Campanella, zeigt auch «Rojo», wie sich Straflosigkeit von Mord an Andersdenkenden in einem Staat, der formell immer noch eine Demokratie ist, selbstverständlich ausbreitet und von Teilen der Gesellschaft akzeptiert wird. In der Figur eines sinistren Anwalt in einer Provinzstadt, der als angesehene Stütze der Gesellschaft walten kann wie ihm beliebt, entwickelt der Film einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Dies sofern man bereit ist, sich der immer weiter verästelnden Geschichte auszusetzen.

Verkörpert wird der Anwalt von Dario Grandinetti, einem der grossen Schauspieler Argentiniens, der auch durch Filme von Pedro Almodóvar bekannt wurde. Grandinetti erhielt für seine schauspielerische Parforcetour am letztjährigen Filmfestival San Sebastián verdientermassen den Preis als bester Darsteller.

Sumpfland
als Protagonist

«Compañeros» und «Rojo» thematisieren die düstere Vergangenheit von Uruguay und Argentinien. Im Familiendrama «Tigre», einem Erstling des jungen Regieduos Ulises Porra Guardiola und Silvina Schnicer, steht die Landschaft des Tigre-Deltas, einem sumpfigen, von zahllosen Flussarmen durchzogenen Sumpfland in der Nähe von Buenos Aires im Zentrum. In der Figur einer Grossmutter, die ihr kleines Holzhäuschen um jeden Preis behalten will, entwickelt sich ein atmosphärisch schwebendes Filmpoem, das die Geister der Vergangenheit, die noch immer präsent scheinen, in metaphorisch aufgeladene Bilder einer bedrohlichen Natur fasst.

«Compañeros» ab 25. Juli, «Tigre» ab 29. Juli, «Rojo» ab 2. August jeweils im Stattkino. Zum vierten Film der Reihe, dem Bürgerkriegsdrama «Monos» aus Kolumbien, folgt zum Start (29. August) eine separate Besprechung.

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